1. Das Web als Service-Plattform: Verschiedene Dienste bieten die Möglichkeit, Arbeit über das Web zu organisieren; sie übernehmen Aufgaben, die ehemals Desktopanwendungen vorbehalten waren ( z.B. Terminplanung, Dokument- bzw. Datenverwaltung etc. ) .
2. Kollektive Intelligenz: Die Nutzer beteiligen sich und generieren gemeinsam Inhalte . Als Paradebeispiel gilt die Plattform Wikipedia, deren Artikel von Nutzern selbst verfasst bzw. verändert werden .
3. Nutzer-Daten: Die Anwendungen des Web 2.0 basieren auf Daten, die Nutzer bereitgestellt haben und kontinuierlich bereitstellen .
4. Software als Service: Die Weiterentwicklung von Software kann zu einem kontinuierlichen Prozess werden, an dem die Nutzer beteiligt sind ( BetaVersionen ) .
5. Lightweight Programming Models: Daten können „ sehr einfach über eine HTTP- oder Web-Service-Schnittstelle bereitgestellt werden “ 11 . So können neue, innovative Inhalte entstehen .
6. Software kann auf verschiedenen Endgeräten genutzt werden; neben dem PC gehören dazu vor allem Smartphones und Tablets .
7. Nutzererlebnis: Die Anwendungen des Web 2.0 sind bedienerfreundlich gestaltet und bieten reichhaltige Möglichkeiten für Datenaustausch und interaktive Erlebnisse .

 Blogs gelten als die früheste Form von Social Media . Sie enthalten datumsbezogene Einträge, meist von Einzelnen erstellt, auf die die Leser mit Kommentaren reagieren können . Das Spektrum an Blogs reicht von persönlichen Online-Tagebüchern bis hin zu thematisch bezogenen Informationszusammenstellungen .
 Wikis sind Gemeinschaftsproduktionen . Mehrere Nutzer generieren textbasierte Inhalte und tragen so zu einer Wissensakkumulation bei . Das bekannteste Beispiel ist Wikipedia .
 Social Network Sites widmen sich der Kontaktpflege, indem die Nutzer persönliche Profile erstellen und sich mit Freunden, Bekannten, Verwandten etc. verbinden und austauschen können ( Beispiele: Facebook, Google+ etc. )
 Microblogs ermöglichen das Verschicken sehr kurzer Nachrichten ( z.B. Tweets von maximal 140 Zeichen bei Twitter ) .
 Social-Sharing-Plattformen bzw. Content Communities stellen Inhalte wie z.B. Fotos, Videos oder Bookmarks zur Verfügung und ermöglichen den Austausch solcher Inhalte ( Beispiele: Flickr, YouTube ) .
 Virtual Social Worlds ( z.B. Second Life ) sowie Virtual Game Worlds ( z.B. World of Warcraft ) sind Plattformen, die virtuelle 3D-Welten anbieten, in denen die Nutzer als Avatare miteinander interagieren können .
 Chats und Diskussionsforen zählen als Interaktionsanwendungen ebenfalls zu Social-Media-Diensten .

1. Persistence: Inhalte werden automatisch archiviert, sie haben daher einen dauerhaften Charakter und sind langfristig abrufbar . Das Internet ermöglicht somit asynchrone Kommunikation, da Inhalte zeitversetzt abgerufen und geteilt werden können . Dennoch kann der Entstehungskontext entscheidend für das Verständnis des Inhalts sein . Wenn dies nicht beachtet wird, kann es evtl. zu Missverständnissen kommen .
2. Searchability: Nutzer, bzw. von ihnen produzierte Inhalte, können gezielt gesucht werden .
3. Replicability: Äußerungen können einfach wörtlich kopiert werden, sodass Original und Kopie nicht mehr unterschieden werden können . Darüber hinaus können die replizierten Inhalte auch verändert werden, was jedoch auf den ersten Blick nicht immer erkennbar ist .
4. Scalability: Das Internet ermöglicht neue Verbreitungsdimensionen; die potenzielle Reichweite von Inhalten ist sehr groß. Allerdings besteht keine Garantie dafür, dass Inhalte tatsächlich skaliert werden . Was verbreitet wird, hängt von der Internet-Gemeinschaft ab .

1. Auf der ersten Ebene äußert sich Identität zunächst in dem grundsätzlichen Bedürfnis nach Kontrolle und sicherem Halt in einem sozialen Kontext . Dieser Prozess ist unentbehrlich für ein Individuum oder auch eine Gruppe . Wurde solch ein sicherer Halt gefunden, beschreibt Identität eine bestimmte Position in einem „ Netdom “ 190, die durch Kontrollbemühungen zustande gekommen ist . Netdom ist ein Kofferwort aus Network Relations und Domain of Topics und steht für einen lokal und zeitlich begrenzten sozialen Kontext . 191 Die erste Form von Identität beinhaltet somit Kontrollbemühungen in einer sozialen Umwelt mit dem Ziel der sicheren Verortung im Netzwerk und damit Möglichkeiten der Kontingenzverminderung .
2. Die zweite Ebene beschreibt Identität als Ausdruck eines sozialen Gesichtes in einer größeren Gruppe . Identität ergibt sich hier aus der Verbundenheit mit einer übergreifenden Identität . 192 White nennt eine Beispielsituation, die, in leicht veränderter Form, folgendermaßen verläuft: Eine kleine Gruppe von Studenten sitzt für ein Abendessen in der WG zusammen . Die Studenten sind daran gewöhnt, zusammen zu essen und kennen sich recht gut . Daher nehmen sie in dieser Situation bestimmte Haltungen ein, sie zeigen jeweils ein bestimmtes soziales Gesicht . Eine gilt z.B. als Gesprächsführerin, ein anderer als Träumer, der nächste als Clown und wieder eine andere als Rechthaberin etc. In dieser Konstellation haben sich also ganz spezifische Erwartungen an das jeweilige Verhalten der Beteiligten herausgebildet . Identität verortet sich an einer bestimmten Position und sorgt damit für erwartbare Verhaltensweisen, denen bestimmte Absichten zugeschrieben werden können . 193
3. Die dritte Dimension von Identität bezieht sich auf das zeitlich betrachtete Umschalten zwischen verschiedenen Netdoms . Durch den Wechsel zwischen diesen unterschiedlichen sozialen Kontexten entstehen Brüche und Widersprüche, die entscheidend zur Identitätsbildung beitragen . Holzer beschreibt dies als „ eine spezifisch gesellschaftliche Form der Identität “ 194, da das Individuum in Netzwerkbeziehungen verschiedener Bereiche eingebunden ist und von diesen geformt wird . Je nach Netdom können sich die Erwartungen ändern, sodass auch die Identität je nach Kontext wechselt . Das kann unter Umständen zu Konflikten führen, wenn die jeweiligen Erwartungen nicht klar sind oder wenn widerstreitende Kräfte und Zwänge auf das Selbst einwirken . Es ist daher gerade die Aufgabe von Personen, diese divergierenden Erwartungen und Forderungen zusammenzubringen und für sich vereinbar zu machen . 195 Es gelten gewisse kontextübergreifende Kohärenzanforderungen an das Verhalten, die im Prozess der Identitätsbildung fortwährend bearbeitet und für die verschiedenen Ansprüche passend gemacht werden müssen . 196 Bereits zu Beginn seines Werkes nennt White ein Bespiel, wie ein Wechsel zwischen verschiedenen Kontexten praktisch aussehen kann . Er nutzt dafür den Austausch in einem Internetforum . Dort kann sich ein Nutzer ein Konto zulegen, um an den Forumsdiskussionen teilzunehmen . Er verbindet sich dann mit anderen Nutzern, die durch ihre Kommentare zu seiner Identitätsbildung beitragen . Der Nutzer existiert dort mit einer ganz bestimmten Identität, die nur einen Teil seiner Persönlichkeit ausmacht . Er kann aber Konten bei mehreren Foren haben und zwischen ihnen wechseln, indem er sich bei dem einen aus- und bei einem anderen einloggt . Die verschiedenen Foren können dann als Netdoms angesehen werden, die jeweils unterschiedliche Identitäten hervorrufen . 197 Das lässt sich natürlich auch auf andere soziale Situationen übertragen, z.B. auf die verschiedenen Interaktionsbeziehungen in Social Network Sites . Ohne dass der Nutzer verschiedene Konten führen müsste, kommt es auch dort zu einem Wechsel verschiedener Kontexte . Darum geht es unter anderem im vierten Teil dieser Arbeit .
4. Auf der vierten Ebene schließlich lässt sich Identität als retrospektive Beobachtung aller Beziehungen in den verschiedenen Netdoms beschreiben . White bezeichnet dies als das wahrgenommene Selbst einer Person: „ This is what a person perceives to be his or her self – a narratively embedded history of a journey through different netdoms “ 198 . Dabei werden die Brüche und Widersprüche der dritten Ebene rückblickend in eine Ordnung gebracht bzw. verallgemeinert und dadurch eliminiert – Identität erscheint als einheitliches Konstrukt . 199 Es handelt sich um „ die Biographie als Ansammlung mehr oder weniger kohärenter Erzählungen, in denen Unstimmigkeiten durch die Rationalisierung vergangener Handlungen und Ereignisse zum Verschwinden gebracht werden ” 200 .
