Mit diesen Worten deutete der französische Botschafter François Seydoux de Clausonne bereits 1968 die historische Bedeutung an , die dem Elysée-Vertrag heute zugewiesen wird .
Der Elysée-Vertrag wurde am 22. Januar 1963 vom deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer und vom französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle unterzeichnet .
Nach vielen kriegerischen Auseinandersetzungen , von denen drei zwischen 1871 und 1945 stattfanden , stellte der Elysée-Vertrag ein symbolisches Ende der sogenannten Erbfeindschaft dar .
Der Vertrag ist daher auch als Freundschaftsvertrag der beiden Länder in die Geschichte eingegangen .
Seydoux de Clausonne erwähnt in seiner Aussage allerdings nicht nur das historische Ereignis der Unterzeichnung des Vertrags , das er als wichtige Geste der Versöhnung wahrnahm , sondern nennt auch die Hoffnung , dass dieses Ereignis in den folgenden Generationen die Kriegsbilder in den Schulbüchern ablöst , und wirft somit einen Blick in die Zukunft .
In den deutschen und französischen Geschichtsschulbüchern wird der Elysée-Vertrag zwar nur rudimentär eingebunden ( vgl. Darilek 2014 ) , in den Köpfen vieler Deutscher und Franzosen ist das Bild der Umarmung von de Gaulle und Adenauer aber dennoch präsent , denn es wird zu regelmäßig wiederkehrenden Gelegenheiten wie z.B. den Jubiläen des Elysée-Vertrags über die Medien verbreitet .
Der Elysée-Vertrag ist unbestritten zu einem zentralen Ereignis in der deutsch-französischen Geschichte geworden und hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem Erinnerungsort für Deutsche und Franzosen entwickelt ( vgl. Defrance ; Pfeil 2014 ; vgl. Frank 2005 ) .
Er stellt heute das Symbol für die deutsch-französische Versöhnung dar , auf das sich in regelmäßigen Abständen immer wieder bezogen wird .
Neben vielen negativ besetzten deutsch-französischen Erinnerungsorten , von denen die Geschichte viele kennt , stellt der Elysée-Vertrag einen positiv besetzten Erinnerungsort dar , da dieser nach vielen kriegerischen Auseinandersetzungen eine gemeinsame friedliche Geschichte einläutete .
Mit diesem Erinnerungsort und seiner möglichen Integration in den DaF-Unterricht beschäftigt sich die vorliegende Arbeit .
Dass sich Sprachunterricht nicht allein auf die Vermittlung von sprachlichen Kenntnissen und ihren Teilfertigkeiten reduzieren lässt , sondern auch landeskundliche Inhalte immer eine wichtige Rolle dabei spielen , zeigten bereits die 1990 veröffentlichten ABCD-Thesen , in de nen die Landeskunde „ als integraler Bestandteil des Sprachunterrichts “ bezeichnet wird ( Fachverband Moderne Fremdsprachen ; Goethe Institut 1990 : 61 ) .
Zu diesen landeskundlichen Inhalten gehören , das ist laut Koreik „ in der Fachdiskussion unstrittig “ , auch historische Inhalte ( Koreik 2010 : 1478 ) , die u.a. wiederum die Beschäftigung mit der Geschichte der Erinnerung und damit der Erinnerungsorte einschließen ( Koreik 2015 : 21 ) .
Der Stellenwert der Geschichte in der Landeskunde wird auch bereits in den ABCD-Thesen hervorgehoben : Dieses Zitat besagt außerdem , dass die Beschäftigung mit der Vergangenheit auch immer einen Bezug zur Gegenwart und Zukunft haben soll , was wiederum den Stellenwert der Erinnerungsorte im DaF-Unterricht bekräftigt , die immer auch einen Gegenwartsbezug vorweisen müssen , um den Lernenden die Relevanz der behandelten Inhalte deutlich zu machen .
Wichtig zu erwähnen ist des Weiteren , dass die Menschen des Zielsprachenlandes , denen man sich durch den Sprachunterricht nähern möchte , laut Koreik durch ihr Geschichtsbewusstsein geprägt seien ( Koreik 2010 : 1482 ) .
Dadurch dass man sich anhand des Gegenwartsbezugs der Erinnerungsorte der Vergangenheit annähern kann , ist auch eine Annäherung an die Menschen des Zielsprachenlandes möglich , denn man erwirbt historische Grundlagen , die für aktuelle Diskussionen in der Zielgesellschaft ausschlaggebend sind .
Zu solchen aktuellen Diskussionen gehört auch immer die deutsch-französische Beziehung , die heutzutage enger ist als jede andere Beziehung zwischen europäischen Staaten .
Die Behandlung des Elysée-Vertrags im DaF-Unterricht kann dazu beitragen , dass die Lernenden verstehen , wie es zu diesen engen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich gekommen ist , denn dafür stellt der Elysée-Vertrag eine wichtige historische und symbolische Grundlage dar .
Das Konzept der lieux de mémoire ( Erinnerungsorte ) wurde vom Historiker Pierre Nora , der sich auf die Erinnerungs- und Gedächtnisforschung fokussierte , in den 1980er Jahren entworfen .
Mit dem von Karin Schmidt und Sabine Schmidt herausgegebenen Lehrwerk Deutsche Erinnerungsorte – Deutsche Geschichte im DaF-Unterricht ( Schmidt ; Schmidt 2007a ) , das in Fachkreisen insgesamt positive Rückmeldungen bekam ( vgl. Altmayer 2009 ; Esselborn 2008 ; Koreik ; Köster 2008 ) , hielt es auch verstärkt im Kontext des Faches DaF Einzug .
Das Lehrwerk bezieht sich allerdings lediglich auf rein nationale , deutsche Erinnerungsorte wie z.B. die Berliner Mauer und Neuschwanstein .
3 Die vorliegende Arbeit widmet sich im Gegensatz zur Orientierung des Lehrwerks einem binationalen Erinnerungsort , dem Elysée-Vertrag , und überprüft , ob sich eine Eignung für die unterrichtliche Beschäftigung für diesen Erinnerungsort feststellen lässt .
Zudem werden konkrete Unterrichtsmaterialien erstellt , die die Thematisierung des Elysée-Vertrags im DaFUnterricht möglich machen .
Dass sich diese Arbeit mit der Didaktisierung eines Erinnerungsortes beschäftigt , hat damit zu tun , dass seit der Entstehung des oben genannten Lehrwerks meines Wissens nur im Kontext der Veröffentlichung Erinnerung im Dialog ( BadstübnerKizik ; Hille 2016a ) konkrete Unterrichtsmaterialien entstanden sind .
Die vorliegende Arbeit soll diesen Rahmen ein wenig erweitern und Lehrkräften , die in deutsch-französischen Kontexten unterrichten , Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellen .
Zusammengenommen lautet die Forschungsfrage dieser Masterarbeit daher : Im Rahmen dieser Masterarbeit ist zu überlegen , wie der Elysée-Vertrag , der thematisch sehr viele Anknüpfungspunkte bietet , für den DaF-Unterricht interessant und möglichst vielfältig aufbereitet werden kann .
Die Materialien sollen sowohl zur Förderung der sprachlichen Kompetenzen der Lernenden beitragen als auch einen Einblick in die Entstehung der deutschfranzösischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg geben und eine Beschäftigung mit dem Mythos Elysée-Vertrag ermöglichen .
Um die Eignung des Elysée-Vertrags als Erinnerungsort für den DaF-Unterricht zu überprüfen , werden die von Badstübner-Kizik ( 2014 ) erstellten inhaltlichen und didaktischen Auswahlkriterien herangezogen .
Zur Strukturierung der Unterrichtsmaterialien wird das Phasenmodell verwendet , das auch für die Materialien in Erinnerung im Dialog ( Badstübner-Kizik ; Hille 2016a ) Anwendung fand .
Die Arbeit kann in fünf Teile gegliedert werden .
Das folgende zweite Kapitel verortet die Masterarbeit in ihrem wissenschaftlichen Kontext und gibt einen Einblick in die theoretischen Grundlagen .
Hier wird zunächst auf die wegweisenden Arbeiten zum kollektiven Gedächtnis des französischen Soziologen Maurice Halbwachs und auf die darauf aufbauenden Arbeiten des Historikers Pierre Nora zu den Lieux de mémoire eingegangen ( Kapitel 2.1 ) .
Da es sich beim Elysée-Vertrag um einen binationalen Erinnerungsort handelt , widmet sich das darauffolgende Teilkapitel den binationalen Erinnerungsorten und dabei zunächst dem Modell der deutsch-polnischen Erinnerungsorte , bevor die deutsch-französischen Erinnerungsorte thematisiert werden ( Kapitel 2.2 ) .
Ergänzend dazu wird das Konzept des dialogischen Erinnerns von Aleida Assmann vorgestellt , das eine mögliche Erinnerungspolitik von zwei oder mehr Staaten mit einer gemeinsamen Gewaltgeschichte darstellt ( Assmann 2013 : 195-196 ) und daher gut auf die deutsch-französische Geschichte anwendbar ist ( Kapitel 2.3 ) .
Das letzte Teilkapitel ( Kapitel 2.4 ) stellt einige wichtige Aspekte zu Erinnerungsorten im DaFUnterricht vor .
Es thematisiert zunächst , wie das Konzept der Erinnerungsorte in das Fach DaF eingebunden wurde , geht dann darauf ein , warum man Erinnerungsorte im DaFUnterricht thematisieren sollte und stellt zum Abschluss die erwähnten Auswahlkriterien von Badstübner-Kizik vor .
Das dritte Kapitel der Arbeit stellt den Elysée-Vertrag und seine Vorgeschichte vor und beschreibt zudem , warum es sich bei dem Vertrag um einen Mythos handelt und wie er zu einem Erinnerungsort geworden ist .
Im vierten Kapitel werden nach einer theoretischen Überprüfung der Eignung des Elysée-Vertrags für den DaF-Unterricht anhand der Kriterien von Badstübner-Kizik die selbst konzipierten Unterrichtsmaterialien zum Elysée-Vertrag für den DaF-Unterricht vorgestellt .
Die Inhalte des vierten Kapitels werden im anschließenden fünften Kapitel einer theoretischen Reflexion unterzogen .
Das sechste und abschließende Kapitel dient der Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeit und gibt einen Ausblick .
