Vieles , was sich über die Qualitätsmerkmale akademischer Texte sagen läßt , gilt wie gesagt nur für bestimmte Gattungen .
Die wichtigste Gattung akademischer Texte ist die Abhandlung ; weitere sind Forschungsreferat und Forschungsbericht , Interpretation , Kommentar , Besprechung , Miszelle , Lemma u.a.m.
Ich bespreche unten Forschungsreferat und Abhandlung als zentrale Gattungen .
Die verschiedenen Gattungen haben jeweils ein bestimmtes Ziel :
Forschungsreferate fassen umfangreichere Forschungen zu einem Thema zusammen .
Abhandlungen erweitern oder korrigieren Forschungen ; Lemmata ( Lexikoneinträge ) erläutern die Verwendungsweisen von Fachbegriﬀen .
Als Paper oder Papier werden allgemeiner Texte bezeichnet , die in Fachzeitschriften veröﬀentlicht oder auf Tagungen vorgestellt werden ( sollen ) ; die deutsche Entsprechung ist ‘ Beitrag ’ .
Meist sind Abhandlungen gemeint .
‘ Seminararbeiten . ’ Hausarbeiten oder Seminararbeiten hingegen sind Nicht-Gattungen .
Diese Bezeichnungen speziﬁzieren nicht das Ziel und also nicht die Gattung eines Textes , sondern geben an , in welchem Kontext ein Text verfaßt wurde – als Seminar- oder Prüfungsschrift .
Meist sind es Abhandlungen oder Erörterungen , bisweilen aber auch Forschungsreferate oder ( zumal in philologischen Fächern ) Interpretationen .
Erkundigen Sie sich , was – welche Gattung – jeweils unter ‘ Hausarbeit ’ verstanden wird .
‘ Essays. ’ Der Ausdruck Essay ist mehrdeutig und bezeichnet sowohl eine ( nicht-akademische ) Gattung als auch eine ( akademische ) Nicht-Gattung :
Im ersten ( älteren ) Sinn behandelt ein Essay – der Ausdruck geht auf Michel de Montaigne zurück – kein Fachproblem , sondern ein Problem von allgemeinem Interesse , und legt dabei besonderen Wert auf eine kunstvolle sprachliche Form.
Beides triﬀt auf akademische und zumal philosophische Texte nicht notwendig zu ( die wären also dieser Bestimmung nach oft keine oder schlechte Essays ) .
Die folgende , einem Lexikon entnommene Charakterisierung nennt als Gattungsmerkmale geradezu einen Katalog dessen , was man im akademischen Kontext vermeiden sollte :
Der Essay zeichne sich aus durch “ die betonte Subjektivität der Auﬀassung und v.a. durch die lockere Art der Behandlung des Themas , für die eine assoziative , oft sprunghafte Gedankenführung , variationsartiges Umkreisen des Gegenstandes [ sowie ] oft paradoxe und provokante Aussagen grundlegend sind ” 4 ( meine Hervorhebungen ) .
In diesem Sinn verwendet bezeichnet Essay zwar eine Gattung , aber keine akademische ( wenngleich vielleicht eine im weiteren Sinne philosophische ) .
In dem zweiten , jüngeren Sinn ist Essay aus dem Englischen entlehnt , wo ‘ essay ’ unspeziﬁsch so viel bedeutet wie ‘ nicht-ﬁktionaler , bes. akademischer Text ’ .
Im Englischen hat ‘ essay ’ oft die Konnotation einer gewissen Kürze oder Unabgeschlossenheit , allerdings werden vielfach auch veritable Monographien als ‘ essay ’ bezeichnet. 5
An Universitäten meint der Begriff gegen wärtig im Anschluß an diesen Sprachgebrauch meist einfach ‘ kürzere Hausaufgabe ’ .
Hausaufgaben sind keine Gattung .
Literaturnachweise dienen dazu , Zitate nachzuweisen sowie Behauptungen nachprüfbar zu belegen :
Wer einen Text sucht , soll ihn auch ﬁnden .
Wesentlich sind Eindeutigkeit und Auﬃndbarkeit :
Zitieren Sie also auf bestimmte ( d.h. speziﬁsche ) Weise nach weithin verfügbaren Ausgaben .
Ergänzen Sie nach Möglichkeit ausgabenunabhängige Hinweise ( etwaKapitelangaben ) , damitauchLeser , die die angegebene Ausgabe ( oder Auflage ) nicht zur Hand haben , die zitierte Stelle ﬁnden können .
Beispiel :
Schwackenhofer gibt folgenden Nachweis für das oben angeführte Aristoteles-Zitat :
“ Aristoteles :
Rhetorik , S. 41. ” 6 Im Literaturverzeichnis ﬁndet man :
“ Aristoteles :
Rhetorik . ( Hg. ) G.Gohlke , Verlag F.Schöningh , Paderborn 1959. ”
Wer z.B. den Kontext des Zitats nachschauen möchte , ist mit dieser Angabe schlecht bedient , da er auf eine bestimmte Ausgabe angewiesen ist .
Ein brauchbarer Nachweis des Passus wäre :
“ Aristoteles Rhetorik 58a/b. Zit. nach :
Aristoteles :
Die Lehrschriften . Bd.4 :
Rhetorik . Hrsg. , übertr. [ ... ] von Paul Gohlke , Paderborn 1959 , S. 41. ”
Die Form des Nachweises richtet sich nach der Art der nachgewiesenen Literatur ; die wichtigsten Arten sind Monographien , Aufsätze in Zeitschriften , Beiträge in Sammelbänden sowie Werksausgaben .
üblich sind dabei folgende Angaben und Reihenfolge :
Einheitlichkeit der Zitation ; Zitiersysteme .
Was formale Vorgaben betriﬀt :
Es gibt eine Reihe üblicher Zitiersysteme .
Sie ﬁnden solche Systeme etwa bei den Richtlinien von Zeitschriften und Verlagen .
Man sollte sich ( der Einheitlichkeit halber ) für ein System entscheiden ( zu Zitationsstilen vgl. Anhang A ) .
Internetquellen lassen sich , soweit möglich , in der gleichen Weise behandeln wie die oben genannten Arten von Literatur ; hinzu tritt üblicherweise die Internetseite ( URL ) sowie das Datum des Aufrufens der Seite .
Wenn Sie wissen , daß alle Auflagen eines Buches identisch sind , so ist es nicht zwingend nötig anzugeben , nach welcher Sie zitieren .
Andererseits weiß es der Leser vielleicht nicht ; dann hilft ihm die Angabe , daß die 12. Auflage von 1922 ein unveränderter Nachdruck der 1. Auflage von 1845 ist .
Der Leser weiß dann , daß er jede Auflage bis zur 12. benutzen kann .
Solche Angaben sind etwas in Vergessenheit geraten , haben aber ihren Sinn .
Werke , die Sie häuﬁg anführen , können Sie durch Siglen abkürzen ( z.B. Ludwig Wittgensteins Philosophische Untersuchungen durch PU ) .
Oft werden bekannte Werke nach einer Standardausgabe zitiert .
Platon z.B. zitiert man nach der Ausgabe von H.Stephanus ( 1587 ) , Aristoteles nach der Ausgabe von I.Bekker ( der sog. Akademieausgabe , Berlin 1831 ) , beide mit Seite und Abschnitt bzw. Kolumne ( Spalte ) in der Form 426b ( =Seite 426, 2.Spalte ) .
Man sollte solche Konventionen übernehmen , zumal wenn man sie oft verwenden muß ( dann sparen sie Platz ) , sollte sie aber möglichst ( im Literaturverzeichnis oder bei der ersten Verwendung ) erläutern .
Ein Literatur verzeichnis am Ende der Arbeit ist nicht in jedemFall nötig .
Dies gilt zumal bei kurzen Texten :
Man kann die bibliographischen Angaben auch in den Fußnoten anführen .
Ein Literaturverzeichnis ist allerdings sinnvoll , wenn Sie Schriften mehrfach zitieren , denn auf schon zitierte Werke müßten Sie sonst in umständlicher Form verweisen , etwa durch ‘ A.a.O. , Anm. 25 ’ ( ‘ am in Anmerkung 25 angegebenen Ort ’ , d.h. in dem in Fußn. 25 nachgewiesenen Werk des fraglichen Autors ) .
Solche Verwiese sind für den Leser mühselig ( den sie zwingen , immer wieder herumzublättern ) ; ebenso mühselig sind sie für den Schreiber , da man die Numerierung der Fußnoten erst am Ende feststeht .
Auf eine in der direkt vorangehenden Fußnote nachgewiesene Quelle kann man kurz durch ein ib. / ibid. ( ‘ ibidem ’ , deutsch ebd. ‘ ebendort ’ ) verweisen .
Auch diese Abkürzung kann man aber erst zum Schluß der Arbeit einführen .
Im Literaturverzeichnis werden die Schriften alphabetisch nach dem Nachnamen des Autors angeführt :
“ Laudan , Larry , Science and Values , Berkeley u.a. 1984 ” .
Für Nachweise in Fußnoten gilt dies selbstredend nicht ( ist ja keine alphabetische Liste ) ; dort also :
“ Larry Laudan , Science and Values , Berkeley u.a. 1984 ” .
Die Titel von Schriften setzt man meist kursiv .
Zumal im englischsprachigen Raum ist es üblich , die Titel von Buchkapiteln , von Aufsätzen in Zeitschriften und in Sammelbänden nicht kursiv , sondern in Anführungszeichen zu setzen .
4. Anmerkungen Anmerkungen ( ‘ Noten ’ ) sollten keine wesentlichen und zum Verständnis Ihres Textes wichtigen Informationen enthalten .
In Anmerkungen stehen einmal Nachweise , die beim Lesen stören würden , wie etwa Literaturnachweise , sowie weiterführende Inhalte , die nicht jeden Leser interessieren müssen .
Anmerkungen können auch für Verweise innerhalb der eigenen Arbeit genutzt werden , für Hinweise auf andere Meinungen in der Forschung oder für Ubersetzungen zitierter Passus ; weiterhin dienen sie der Erörterung von Spezialproblemen , für Abschweifungen und Danksagungen .
Zum Textsatz .
Anmerkungen gehören allgemein an den Fuß der Seite und nicht an das Textende .
Endnoten sind allein bei sehr kurzen Texten akzeptabel ; zwingen Sie Ihren Leser nicht , hin und her zu blättern !
( Die Verwendung von Endnoten war zu Schreibmaschinenzeiten akzeptabel , als Fußnoten nur mit viel Mühe erstellt werden konnten . )
5. Akademische Redlichkeit Die akademische Redlichkeit verlangt , klar und möglichst ausdrücklich zwischen dem Referat fremder Texte einerseits und eigenen überlegungen andererseits zu unterscheiden .
Was Sie verwenden , müssen Sie nachweisen , gleich , ob Sie es zitieren , paraphrasieren oder referieren .
6. Inhaltliche Aspekte Akademische Texte sind Gebrauchstexte , und ein Text muß also möglichst beim ersten Lesen verstanden werden können .
Schreiben Sie so , daß der Text auch für jemanden verständlich ist , der nicht über das Wissen verfügt , das Sie ( zur Zeit ) haben .
Dies bedeutet zum einen , im Argumentationsgang Gedankensprünge zu vermeiden ( auch wenn Ihnen Ihr eigener Gedankengang sehr einsichtig und wenig erläuterungsbedürftig erscheint ) ; es bedeutet zum anderen , darauf zu achten , daß vieles von dem , was Ihnen ( gerade ) selbstverständlich erscheint , es dies für andere nicht ist .
Je ausdücklicher Sie formulieren , desto weniger werden Ihnen solche Fehler unterlaufen .
Zumal in der Philosophie sollte jeder wesentliche Fachbegriﬀ beim ersten Auftreten deﬁniert werden .
Zur äußeren Form gehören die sprachliche und orthographische Korrektheit , eine dem Inhalt angemessene Gliederung , eine durchgehende Paginierung und ein leserfreundlicher Textsatz .
Ein guter Anhaltspunkt für eine gute äußere Form ist oft die typographische Gestaltung von Fachzeitschriften .
Zum Textsatz :
Das Papierformat DinA4 ist für einen einspaltigen seitenfüllenden Satz eigentlich zu breit :
die Zeilen sind zu lang , um gut lesbar zu sein .
Man sollte daher die Seitenränder ( ‘ Stege ’ ) vergleichsweise breit wählen .
( Obgleich es viele Zeitschriften im DinA4Format gibt , verwendet eigentlich keine einen einspaltigen Satz . )
Gut lesbar sind Schriften in einer Schriftgröße von 10 Punkt oder 11 Punkt .
Der Zeilenabstand sollte in Abhängigkeit von der Schriftgröße und der Zeilenlänge gewählt werden ( einzeilig ist meist zu eng , anderthalbzeilig etwas zu weit ) .
( Die Wahl von 12-Punkt-Schriften und die Unterscheidung einzeilig / zweizeilig stammt wohl aus Schreibmaschinenzeiten und stellt eine sinnlose Einschränkung dar , wenn man Textverarbeitungs- oder Textsatzprogramme verwendet . )
Literatur :
Jan Tschichold , Ausgewählte Aufsätze über Fragen der Gestalt des Buches und der Typographie , Basel 21993 ( Klassiker der Typographie ) . – Hans Peter Willberg , Friedrich Forssman , Lesetypographie , Mainz 1997 ( umfangreiches Handbuch ) .
Auf dem Deckblatt einer Arbeit sollten sich die Informationen ﬁnden , die die Dozentin oder der Dozent bzw. das Prüfungsamt benötigt , um die Arbeit ein- und zuzuordnen .
Dies sind besonders :
(1) Personendaten :
vollständiger Name , Matrikelnummer , Kontaktdaten ( bes. E-mail-Adresse ) ; (2) Titel der Arbeit ; (3) die für die Prüfungsverwaltung relevanten Daten :
Art der Arbeit ( Hausarbeit , Bachelorarbeit usw. ) , Studiengang und Prüfungsordnung , ggfs. Zuordnung zu Seminaren oder Modulen ; (4) Name ( n ) des Dozenten bzw. der Gutachter .
Eine eigene Titelseite darüberhinaus ist , zumal bei kürzeren Arbeiten , nicht unbedingt nötig ; bei kurzen Arbeiten können die Informationen auch einfach am Kopf der ersten Seite stehen .
Manche Ratschläge hinsichtlich des Stils gelten ( leider ) im akademischen Kontext nur begrenzt .
Der akademische Ausdruck zielt v.a. auf Eindeutigkeit und Bestimmtheit .
Drücken Sie Gleiches gleich aus .
Wenn Sie Gleiches verschieden ausdrücken , wird ein aufmerksamer Leser vermuten , nicht Gleiches , sondern Verschiedenes sei gemeint .
Wortwiederholungen sind in akademischen Texten also allgemein kein Stilfehler ( und selbst wenn sie es wären , wäre dieser Stilfehler hinzunehmen ) ; Wortwiederholungen sind die Kehrseite eines terminologischen Sprachgebrauchs und sind erwünscht .
Eine andere Folge eines terminologischen Sprachgebrauchs ist eine Tendenz zum Nominalstil ( d.h. die vornehmliche Verwendung sprechender Nomina und blasser Verben ) .
Der Nominalstil gilt Stilisten als großes übel , ergibt sich aber bei akademischen Schriften teilweise dadurch , daß Fachbegriﬀe meist Substantive sind , und ist insoweit ( ! ) nicht zu beanstanden ( vgl. Abschnitt IV ) .
Kein Text ist nachdem ersten Schreiben akzeptabel ( Ernest Hemingway soll dies pointierter formuliert haben :
“ The ﬁrst draft of anything is shit. ” ) .
Damit ist der Nachteil verbunden , daß die Arbeit mit der ersten Version nicht abgeschlossen ist ; der Vorteil ist , daß die erste Version nicht perfekt sein muß .
Lesen Sie Ihren eigenen Text weitere Male durch und überarbeiten Sie ihn .
Die eigentliche Arbeit ist nicht das Schreiben des Textes , die eigentliche Arbeit ist das überarbeiten .
Von Vorteil dabei sind Distanz zum eigenen Text und die Kritik von anderen :
Lassen Sie also etwas Zeit vergehen , bis Sie sich an das überarbeiten setzen . ( Fangen Sie also rechtzeitig an zu schreiben . )
Lesen Sie den fertigen Text laut .
( George-Louis Buﬀon soll sich seine Texte vorlesen lassen haben , um festzustellen , an welchen Stellen der Vorleser stockte , um diese Stellen dann zu überarbeiten . )
Kritisieren Sie mit Kommilitonen gegenseitig Ihre Texte .
Für die überarbeitung empfehlen sich vier Schritte :
(1) Prüfen Sie die Gliederung des Textes und die einzelnen Absätze daraufhin , ob diese jeweils einen ( und nur einen ) erkennbaren Gegenstand ( bzw. allgemeiner :
eine bestimmte Funktion ) haben .
(2) überprüfen Sie die einzelnen Sätze und Wörter auf die üblichen Fehler ( Satzanschlüsse , Konjunktionen , Modusfehler , überﬂüssige Adjektive usw. ) .
(3) Prüfen sie den Text daraufhin , ob er sich eindeutig von vorne nach hinten lesen läßt ( ob eingeführte Begriﬀe beim ersten Auftreten erläutert werden , Namen beim ersten Mal mit Vornamen auftreten usw. ) und ergänzen Verweise ( ‘ s.o. ’ , ‘ s.u. ’ , ‘ wie gesagt ’ etc. ) .
(4) Prüfen Sie abschließend Rechtschreibung sowie Typographie ( Worttrennung und Seitenumbruch , bes. überschriften am Fuß von Seiten ) .
Umberto Eco , Wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt :
Doktor- , Diplomund Magisterarbeit in den Geistes- und Sozialwissenschaften , Heidelberg 1988 ( zahlreiche Auflagen ) .
Unter einem Referat wird hier die Wiedergabe des Inhalts und bes. des Gedankengangs akademischer Texte verstanden .
Das Ziel von Referaten ist , den Leser über die wesentlichen Aussagen und Argumentationen dieser Texte ins Bild zu setzen .
Ein gutes Referat ist kurz , korrekt und erspart das Lesen des wiedergegebenen Textes.
Als Forschungsbericht , dereinen Überblick über die ( neueren ) Forschungen zu einer Frage gibt , haben Referate einen Wert an sich ; als Forschungsreferat , das sich auch auf ausgewählte Forschungen beschränken kann , sind sie Teil von Abhandlungen .
Der Standpunkt des Verfassers eines Referats ist nicht mit dem des Autors des referierten Textes identisch .
Es sollte daher eine explizite Distanz zwischen Autor und Referent bestehen .
( Wenn Sie mit den referierten Gedanken nicht übereinstimmen sollten , versteht sich das von selbst ; wenn Sie mit den referierten Gedanken übereinstimmen , ist es eine Frage der akademischen Redlichkeit , deutlich zu machen , woher Sie diese Gedanken haben . Vgl. § 5 . )
Diese Distanz drückt am einfachsten die indirekte Rede aus ( vgl. § 27 ) .
Ein Referat berichtet über Forschungen und Argumente und analysiert diese gegebenenfalls , aberbewertetsienicht.
Sagen Sie daher nicht , wie Sie den Text ‘ ﬁnden ’ , ober Sie überzeugt hat usw. ( Auch Zeitschriften , seriöse jedenfalls , trennen zwischen Bericht und Kommentar ; das gleiche gilt für akademische Texte . )
Lesen Sie das Referat nach dem Fertigstellen noch einmal durch , und prüfen Sie jeden Satz , der das Wort ‘ ich ’ enthält .
( Ein Referat ist kein Kommentar und keine Rezension . )
Ein Referat ist auch keine Paraphrase 10 .
Das Ziel eines Referats ist der Bericht und , wenn nötig , die ( logische ) Rekonstruktion bes. eines Gedankens oder Arguments , nicht dessen Erläuterung oder Umschreibung .
Anders als bei einer Paraphrase können und sollen Informationen weggelassen werden – nicht alles ist für ein Argument gleichermaßen wichtig .
In der Philosophie gilt das Hauptinteresse dem Gedankengang ( dem Raisonnement , der Argumentation ) des referierten Textes .
Diesen Gedankengang müssen Sie rekonstruieren ; das bedeutet , Sie müssen dessen zentrale Behauptung erkennen und wiedergeben , ebenso die für die Behauptung angeführten Gründe .
Man kann beim Forschungsreferat entweder dem äußeren Aufbau des referierten Textes folgen oder dem inneren Aufbau , d.h. die logische Struktur selbst rekonstruieren .
Wenn der referierte Text gut geschrieben ist , sollte sich beides aber nicht wesentlich unterscheiden .
Anders stellt sich die Lage dann dar , wenn man nur an einem Teilargument interessiert ist ; dann kann es erforderlich sein , von dem Aufbau des referierten Textes abzuweichen .
Sinnvollerweise wird ein Referat eingeleitet , indem gesagt wird , was referiert wird ; dazu gehören der Autor und der Titel des referierten Textes sowie dessen Hauptaussage / These ( Einleitungssatz ) .
Eine weitere Gliederung ist nicht notwendig ( also besonders keine Unterteilung in Einleitung , Hauptteil und Schluß ; es kann freilich zumal bei Referaten längerer Texte für den Leser hilfreich sein , Kernaussagen am Ende noch einmal zusammenzufassen ) .
Es ist besser , die These zu nennen und nicht nur das Thema , da die These aussagekräftiger und speziﬁscher ist .
In Einzelfällen kann es vorzuziehen sein , Gegenstand oder Fragestellung an den Anfang zu stellen ; aber dafür sollte es schlagende Gründe geben , und die Behauptung sollte dann im Anschluß genannt werden .
Ein guter Grund wäre beispielsweise , daß die These ohne Vorbemerkungen und Einführung nicht verständlich wäre ( was oft z.B. bei älteren Texten der Fall ist ) .
Den Autor nennt man das erste Mal mit vollem Namen ; danach genügt der Nachname .
Titel von Schriften werden allgemein kursiv gesetzt .
Wörtliche Zitate empfehlen sich , wenn die Zitate als Belege fungieren , weiterhin bei zentralen Aussagen , die der Leser gerne im Original hätte , z.B. bei der Kernthese oder bei Deﬁnitionen , sowie immer dann , wenn es nötig ist , den Text zu interpretieren ( wenn es mehrere Lesarten gibt ) .
Schließlich auch dann , wenn man etwas kaum besser und kürzer als der Autor selbst sagen kann .
Zitate müssen eindeutig als Zitate gekennzeichnet werden .
Zitierte Satzteile müssen syntaktisch korrekt in den Kontext eingebaut werden .
Jede änderung gegenüber dem Original muß gekennzeichnet werden ( üblicherweise verwendet man eckige Klammern ) .
Die Eigentümlichkeiten des Originals wie etwa veraltete oder ungebräuchliche Schreibweisen bleiben erhalten .
Sprachliche und orthographische Fehler des Originals kennzeichnet man durch ein nachgestelltes “ ... [ sic ] ” . 11
Bisweilen ist es für den Leser hilfreich , wenn man den Fehler ausdrücklich korrigiert. 12
Zitate sind wie gesagt oft nicht aus sich heraus verständlich ; man muß also ggf. den Kontext mitteilen .
Unklare Bezüge ( etwa Pronomina ) werden expliziert ( in der Form “ ... er [ scil . 13 Platon ] ... ” ) .
Zitate sollten eingeleitet werden , d.h. der Leser sollte erfahren , an welcher Stelle und in welchem Kontext der Autor den zitierten Text geschrieben hat .
Fremdsprachige Zitate sollte man möglichst im Original wiedergeben , zumal dann , wenn sie aus einer der klassischen Sprachen ( in der Philosophie sind dies bes. Deutsch , Englisch , Französisch , Latein und Altgriechisch ) stammen ( und man dieser Sprache mächtig ist ) .
Denn daß man wörtlich zitiert , bedeutet ja , daß man den Wortlaut für wichtig hält , und dann liegt es nahe , das Original anzuführen .
Es ist allerdings zumal bei Altsprachen für viele Leser hilfreich , eine ( wessen ? ) übersetzung in einer Fußnote beizufügen .
Zum Textsatz :
Sehr lange Zitate sowie Zitate , die man hervorheben möchte , setzt man oft als eigenen Absatz ( ohne Einzug und in kleinerer Schrift und mit geringerem Zeilenabstand ) ; die Anführungszeichen sind dann überﬂüssig und entfallen . 14
Nicht selten sind bestimmte Ausdrücke , die im referierten Text auftreten , ohne Erläuterung un- oder mißverständlich – bei Fremdsprachen oder wenn die Verwendung autorenspeziﬁsch ist oder der Sprachgebrauch veraltet .
In all solchen Fällen muß der Sprachgebrauch erläutert werden , und zumal in den ersten beiden Fällen kann man überlegen , den Begriﬀ im Original zu übernehmen .
Beispiele :
Der Begriﬀ ἀρετή ( aret¯e ) ist in der Philosophie geläuﬁg ( und jede übersetzung führt zu Problemen ) , und also kann man den Begriﬀ übernehmen und ihn vielleicht beim ersten Auftreten erläutern .
– Noch Kant gebraucht das Wort ‘ historisch ’ oft im Sinne von ‘ empirisch ’ ; auch dies sollte man erläutern , wenn man es beim Leser nicht voraussetzen kann .
Lesen Sie den Text , den Sie wiedergeben möchten , zweimal !
Machen Sie sich beim ersten Durchgang Notizen , und versuchen Sie dann , die Gesamtstruktur des Textes anhand Ihrer Notizen zu rekonstruieren .
Prüfen Sie beim zweiten Lesen , ob Ihre Rekonstruktion stimmig ist .
Einen direkten Weg zum Raisonnement weist , wie gesagt , oft der Textaufbau .
Versuchen Sie also eine Gliederung des Textes .
Nutzen Sie alle Hinweise , die der Autor selbst gibt :
Beachten Sie den Titel und Zwischenüberschriften !
Beachten Sie die Abschnitte und Absätze des Textes .
Beachten Sie auch Aufzählungen , wenn der Autor welche macht , sowie Wörter , die die logische Struktur des referierten Textes erschließen ( ‘ einerseits ... andererseits ’ , ‘ z.B. ’ , ‘ daher ’ , ‘ daraus folgt ’ usw. ) .
Ein anderer guter , inhaltlicher Ansatz besteht in Standardfragen an den Text wie etwa der nach dem ‘ Bösewicht ’ der Geschichte :
Gegen welche Sichtweise wendet sich der Text ?
In einer Abhandlung soll eine These nachvollziehbar begründet werden .
Deren Wert für die Forschung liegt in ihrer Originalität , sie geht also idealiter über den Forschungsstand hinaus .
( Im Grundstudium bzw. Bachelor-Studium können Sie sich auf ausgewählte Forschungsliteratur beschränken ; s.u. ) Kern einer Abhandlung ist eine – genau eine – Behauptung ( These , Aussage ) .
Die Abhandlung dient dazu , diese Behauptung – in Auseinandersetzung mit dem Stand der Forschung – zu erläutern , zu begründen und gegen Einwände zu verteidigen .
Dies ist das Hauptziel einer Abhandlung , alles andere sollte diesem einen Ziel dienen oder weggelassen werden .
Der Wert einer Abhandlung liegt in ihrem Wert für die Forschung .
Dieser Wert bemißt sich v.a. nach den folgenden Gesichtspunkten :
der Bedeutung des behandelten Problems ( ist es grundlegend ? aktuell ? vieldiskutiert ?) ; der Neuheit der These oder der Begründung sowie deren Stringenz ; der Fruchtbarkeit der Problemlösung ( verspricht sie , weitere Probleme zu lösen ? Führt sie zu weiteren , neuen Fragestellungen ? ) .
Damit ergibt sich die Gliederung .
Eine Abhandlung umfaßt drei Teile :
eine Einleitung , in der das behandelte Forschungsproblem motiviert und erläutert wird ; einen Hauptteil , in dem die Problemlösung verteidigt wird ; drittens den Schluß , der die Implikationen der Problemlösung behandelt .
Der Aufbau folgt also dem Schema Frage ( stellung ) — Antwort — Implikationen , bisweilen auch Phänomen — Erklärung — Implikationen .
Die Einleitung dient dazu , die Fragestellung bzw. das Problem zu erläutern , einzugrenzen und zu motivieren .
Die Fragestellung kann in der Einleitung eingegrenzt werden ( was genau soll behandelt werden ? ) und von anderen Fragestellungen abgegrenzt werden ( was soll nicht behandelt werden ? ) .
Weiterhin kann es sich anbieten , dem Leser vor Augen zu führen , warum er sich überhaupt für die Fragestellung der Arbeit interessieren sollte ( Motivation ) .
Gute Gründe , sich für eine Frage zu interessieren , sind in der Regel solche , die die Wichtigkeit der Frage für die Forschung und damit für andere Fragen deutlich machen .
( Die Gelegenheit , auf die praktische Bedeutung der Frage zu verweisen , besteht in der Philosophie eher selten . )
Der Hauptteil beginnt mit der expliziten Angabe des Beweisziels , also der These , die begründet werden soll .
Beginnen Sie , wenn nicht triftige Gründe gegen diese Formulierung sprechen , mit der Formulierung “ Ziel dieser Arbeit ist zu zeigen ... ” Der Hauptteil zerfällt idealiter in einen Forschungsbericht ( Was wissen wir oder was glauben wir zu wissen ? ) und eine in Auseinandersetzung mit diesem begründete ( neue ) These .
Die Form des Raisonnements der Arbeit , der Begründung und Verteidigung des gesetzten Beweisziels , kann frei in Abhängigkeit vom betrachteten Gegenstand gewählt werden .
Allgemeine Hinweise lassen sich nur wenige geben .
Deﬁnieren Sie , soweit Sie es nicht in der Einleitung schon gemacht haben , alle wesentlichen Begriﬀe .
Versuchen Sie , auf der Grundlage des Forschungsstandes Einwände zu antizipieren , und diskutieren Sie diese .
Der dritte Teil einer Abhandlung dient dazu , die Implikationen der vertretenen Behauptung für die Forschung auszuarbeiten :
Wenn Sie mitdem , was Sieim Hauptteil behauptet haben , Recht haben , dann sollte das Konsequenzen für andere Fragen haben .
Erstens können sich damit bestimmte weitere oﬀene Forschungsfragen beantworten lassen ; andere erscheinen vielleicht in einem neuen Licht ; nicht zuletzt kann die Arbeit fruchtbar sein und neue Fragen aufwerfen oder weitere Forschungen nahelegen ( ‘ Desiderata ’ ) .
Die Einleitung diente u.a. dazu zu zeigen , daß die behandelte Frage für die Forschung interessant ist ; was Sie also in der Einleitung angesprochen haben , um dies zu zeigen , sollten Sie nun daraufhin untersuchen , ob die verteidigte These der Arbeit Implikationen für diese Aspekte hat .
Abhandlungen , die als Hausarbeit und damit als übung verfaßt werden , müssen nicht in jedem Fall den aktuellen Forschungsstand voraussetzen .
Sie können sich auf eine Auswahl der relevanten Forschungsliteratur beschränken , die im Grundstudium bzw. im Bachelor-Studium eingeschränkter , im Haupt- bzw. Master-Studium umfassender und also näher am tatsächlichen Forschungsstand sein sollte .
Je mehr Forschungsliteratur Sie zur Kenntnis nehmen , um so schwerer ist es , etwas Neues zu sagen .
Aber etwas Neues zu sagen , ist ja gerade das Ziel einer Abhandlung wie jedes Forschungsbeitrags , und dieses Ziel sollten Sie auch in einer Hausarbeit anstreben .
( Bekannte Argumente wiederzugeben und am Ende zu sagen , welches Sie mehr überzeugt habe – ohne neue , eigene Gründe zu nennen – ist kein Beitrag zur Forschung . )
Eine zweite Möglichkeit , leichter etwas Neues sagen zu können , besteht darin , die Fragestellung enger zu fassen und so die relevante Forschungsliteratur indirekt einzuschränken .
Ein Inhaltsverzeichnis dient der Orientierung des Lesers ; es ist bei kürzeren Arbeiten nicht unbedingt erforderlich .
( Wenn Sie aber ein Inhaltsverzeichnis erstellen , sollten die Überschriften und Seitenzahlen mit denen im Text übereinstimmen .) 15
Für den Leser hilfreicher ist oft eine Zusammenfassung ( Summary , Abstract ) zu Beginn der Arbeit , die die Fragestellung der Arbeit und die Kernaussage enthält .
Bei längeren Arbeiten kann es sich anbieten , stattdessen am Ende der Einleitung ( nach Darlegung der Problemstellung der Arbeit ) eine übersicht über den Argumentationsgang der Arbeit zu geben .
Wenn das Ziel darin besteht , eine These zu verteidigen , so kann man doch bei der Arbeit nicht mit der These beginnen – die These ist ja im Gegenteil schon ein Forschungsresultat .
Heuristisch bieten sich als Ansatz an :
Mit einem Problem zu beginnen , das man verstehen möchte ( einer Frage / Fragestellung ) ; zu prüfen , inwieweit diese Frage in der Forschung einheitlich zufriedenstellend beantwortet ist – bis man einen Disput ( Streit ) in der Forschung ﬁndet ; dann zu versuchen , sich ( möglichst mit neuen Gründen ) zu entscheiden .
Die klassische Rhetorik kennt vier Wertmaßstäbe des sprachlichen Ausdrucks ( virtutes elocutionis ) :
Der Ausdruck soll dem Gegenstand ebenso angemessen sein wie der Funktion und dem Publikum ( inneres bzw. äußeres aptum ) , er soll sprachlich korrekt sein ( latinitas ) , inhaltlich/gedanklich transparent und verständlich sein ( perspicuitas ) und – schließlich – auch wohlgestaltet sein ( ornatus ) .
Diese Maßstäbe gelten nach wie vor .
Es ist empfehlenswert , die üblichen Werke zum literarischen Stil zu konsultieren .
Besonders empfehlenswertesten scheinen mir zwei Schriften von Wolf Schneider :
Deutsch für Proﬁs , das sich besonders an Journalisten richtet , sowie Deutsch für Kenner , eine allgemeine Stillehre . 16
Bisweilen wird man den Vorschlägen Schneiders allerdings nicht folgen mögen , da sie sich nicht speziﬁsch auf akademische Texte beziehen .
Ein Leser einer Tageszeitung kann von einem Text etwas anderes verlangen als ein Forscher von den Schriften eines Kollegen :
Die Verwendung von Fachbegriﬀen , häuﬁge Substantive ( Nominalstil ) , längere Zitate etc. sind der Leserschaft einer Zeitung sicherlich nicht immer angemessen , im akademischen Kontext hingegen oft erforderlich ( inneres aptum ) und einem vorgebildeten Leser durchaus zuzumuten ( äußeres aptum ) .
Diese Feststellung ist aber kein Freibrief , zumal die Verständlichkeit zu vernachlässigen oder sogar im unverständlichen Ausdruck ein Merkmal von Wissenschaftlichkeit zu sehen .
Ein unklarer Ausdruck ist Zeichen unklarer Gedanken .
Nehmen Sie , was Sie schreiben , nicht wieder zurück .
Die Wörter beinahe , etwa , fast , geradezu , gewissermaßen , kaum , quasi , ungefähr , vermutlich , vielleicht , wahrscheinlich , wohl , etc. sollten Sie vermeiden , wenn sie Unsicherheit ausdrücken oder die gemachte Aussage relativieren ; dasselbe gilt für Modalverben ( könne , dürfte , möchte ) .
Anführungszeichen kennzeichnen Zitate ( “ Habe nun , ach , Philosophie [ ... ] ” ) oder dienen zur Unterscheidung von Objekt- und Metasprache ( “ der lateinische Ausdruck ‘ inductio ’ ist die übersetzung des griechischen ‘ ἐπαγογή ’ ” ) .
Bisweilen werden sie auch verwendet , um sich vom dem Ausdruck in Anführungszeichen zu distanzieren .
Diese dritte Möglichkeit ist im akademischen Kontext unstatthaft .
Methodologisch wie sprachlich ist es vorzuziehen , etwas Bestimmtes zu sagen und falsch zu liegen , als nichts zu sagen . 17
Drücken Sie nicht Ihre überzeugung aus , nennen Sie die Gründe selbst .
Die Ausdrücke bekanntlich , natürlich , oﬀenkundig , selbstverständlich , unfraglich , zweifellos , etc. sind entweder überﬂüssig ( wenn dasBehauptete wirklich oﬀenkundig oderbekanntist ) , oder stehen illegitim für den Nachweis selbst .
Der Rat , das Aktiv gegenüber dem Passiv zu bevorzugen , ist als Grundregel korrekt :
Es ist direkter , es ist kürzer , es ist verständlicher . 18
Schneider kritisiert , der Gebrauch des Passivs verschleiere den Handelnden ; 19 dieser Gesichtspunkt ist im Journalismus problematischer als in den meisten akademischen Kontexten .
Ist der Handelnde irrelevant , ist das Passiv besser , besonders dann , wenn er so wenig interessant ist , daß er gar nicht genannt werden muß .
Die Auﬀassung Schneiders , daß Personen interessanter als Sachen seien ( ib. ) , muß man nicht teilen .
Das Aktiv betont den Handelnden , das Passiv den Gegenstand der Handlung , und entsprechend ist das Hauptkriterium :
Das Aktiv ist passender , wenn der Handelnde der Hauptgegenstand der Aussage ist , anderenfalls das Passiv .
Die Passivkonstruktion rückt weiterhin das Objekt an den Satzanfang , und wurde zuvor über den Gegenstand gesprochen , empﬁehlt sich das Passiv nach der Regel , das Bekannte vor dem Neuen zu nennen .
Ist keines von beiden der Fall , verwenden Sie das Aktiv .
Referate und Textwiedergaben stehen sinnvollerweise in indirekter Rede .
In indirekter Rede kann man eine Aussage referieren , ohne zugleich auszudrücken , ob man sie für richtig oder falsch hält .
Die indirekte Rede wird durch den Konjunktiv I ausgedrückt , wenn dieser eindeutig ist , sonst durch den Konjunktiv II .
Vergleichen Sie folgende drei Varianten :
(1) Duhem behauptet , es gibt keine experimenta crucis . ( Ind. )
(2) Duhem behauptet , es gebe keine experimenta crucis . ( Koni. I )
(3) Duhem behauptet , es gäbe keine experimenta crucis . ( Koni. II )
Nur die zweite Variante ist korrekt .
Die erste Variante ist uneindeutig :
sie kann sowohl als wertfreie wie auch als zustimmende Wiedergabe der Ansicht Duhems gelesen werden .
Die dritte Variante impliziert , daß Duhem ( nach Ansicht des Referenten ) unrecht hat .
Die Formen des Konjunktiv I sind einfach , zumal man sich im akademischen Kontext weitgehend auf die 3. Person Singular und Plural beschränken kann :
Beide Formen werden vom Präsensstamm ( = Inﬁnitiv ohne die Endung −en ) gebildet .
In der 3. Person Singular hat der Konjunktiv I die Endung −e .
( Etwas präziser sollte man formulieren :
Die Endung −e tritt an den Präsensstamm , also an den Inﬁnitiv ohne die Inﬁnitivendung −en oder −n ; Verben mit der Inﬁnitivendung −n sind allerdings im akademischen Kontext selten ( lächeln , kichern , menscheln ; aber :
zweifeln . )
Die Pluralformen sind also i.d.R. ( mit Ausnahmen von ‘ sein ’ ) formgleich mit dem Inﬁnitiv bzw. Indikativ .
Im Plural tritt daher der Konjunktiv II an die Stelle des Konjunktiv I .
Er wird vom Präteritumstamm gebildet ; die Endungen sind dieselben ( mit Umlaut bei den starken Verben , soweit möglich ) .
Sind auch diese Formen uneindeutig , können sie durch würde + Infinitiv umschrieben werden .
Paradigmata :
Der häuﬁgste Fehler besteht darin , in der indirekten Rede den Konjunktiv II anstelle des korrekten Konjunktiv I zu verwenden .
Der Konjunktiv II drückt aber i.d.R. den Irrealis aus :
die Auﬀassung , daß die referierte Aussage falsch sei .
Wenn Sie schreiben :
“ Pierre Duhem vertrat die Auﬀassung , es gäbe keine experimenta crucis ” , sagen Sie , Duhem habe Unrecht .
Damit verletzen Sie die Regel , Referat und eigene Meinung zu trennen ; zudem behaupten Sie etwas , ohne es zu begründen .
Dieser Fehler läßt sich durch Beachtung einer einzigen Faustregel bei der Korrektur vermeiden :
Faustregel :
Steht das Prädikat im Singular , entspricht die Form dem Inﬁnitiv ohne −n .
Man kann ein Referat durch präpositionale Quellenangaben ( laut Kuhn ; Popper zufolge ; so Laudan ; nach Menke ) kennzeichnen oder durch Redeeinführungen ( sog. Inquit-Formeln , also Nennung des Sprechers mit verba dicendi et sentiendi ( Verben des Sagens oder Denkens ) :
Kant behauptet , ... ; Quine vermutet , ... ) .
Ein von Inquit-Formeln abhängiger Satz im Indikativ ist wie gesagt nicht eindeutig – er kann Zustimmung ausdrücken , muß dies aber nicht .
Bei präpositionalen Quellenangaben hingegen zeigt der Indikativ keine Wertung an .
Bei verba dicendi et sentiendi gibt es zudem einige , bei denen ein abhängiger Indikativ Zustimmung impliziert ( hier ist der Sinn eindeutig , aber meist unerwünscht ) :
Zu schreiben “ Laudan räumt ein , daß der Schluß ungültig ist ” impliziert , daß auch Sie den Schluß für ungültig halten – was eine Wertung ist und daher innerhalb eines Referats unstatthaft .
“ Laudan räumt ein , daß der Schluß ungültig sei ” hingegen läßt keine Wertung erkennen .
Literatur :
Wolf Schneider , Deutsch für Kenner , München 3 2006 , 269ﬀ .
– Albrecht Schöne , Aufklärung aus den Geist der Experimentalphysik :
Lichtenbergsche Konjunktive , München :
Beck , 1982 [ Studie über Lichtenbergs Konjunktivgebrauch ] .
– Daniel Kehlmann , Die Vermessung der Welt , Hamburg :
Rowohlt , 2005 [ ein schöner , zu einem Gutteil in indirekter Rede geschriebener Roman ] .
Daß , zumal nach den Regeln der reformierten Rechtschreibung , bestimmte Kommata nicht gesetzt werden müssen , bedeutet nicht , daß sie nicht gesetzt werden sollen .
Zumal Kommata , die das Lesen erleichtern , indem sie Sätze oder satzwertige Konstruktionen trennen , sollten Sie setzen ; das betriﬀt besonders erweiterte Inﬁnitivkonstruktionen .
Im Deutschen steht nach einleitenden Adverbialphrasen kein Komma , anders als oft im Englischen :
“ An adverbial or participal phrase at the beginning of a sentence is usually followed by a comma , especially if a slight pause is intended .
[ ... ] ‘ On the other hand , his vices could be considered virtues. ’ ” 20 Faustregel im Deutschen :
keine Aufzählung , kein Satz :
kein Komma .
Der Titel sollte zwei Kriterien erfüllen :
Erstens soll er den Inhalt des Textes treﬀend bezeichnen ; zweitens soll er den Text eindeutig identiﬁzieren ( diesen also von anderen Texten unterscheiden ) .
Monographien ( ‘ Bücher ’ ) verlangen nach anderen ( kürzeren ) Titeln als Aufsätze ; dies ist die Kehrseite davon , daß man in einer Monographie ein allgemeineres Thema behandeln kann als in einem kurzen Aufsatz .
Abhandlungen sollten möglichst bestimmt , d.h. speziﬁsch , benanntwerden .
( Man sollte Abstand davon nehmen , eine kürzere Erörtung “ Skeptizismus ” zu nennen ; für eine – mehrbändige – Monographie könnte dieser Titel hingegen passend sein . )
Beispiele :
Der Titel Philosophische Untersuchungen ist nach dem ersten Kriterium nicht optimal , da er doch recht unspeziﬁsch ist , und heute , da er ( an Wittgenstein ) vergeben ist , auch nach nach dem zweiten nicht .
Ihren Text Kritik der reinen Vernunft zu nennen ( durchaus speziﬁsch ) , verbietet sich auch dann , wenn gerade dies behandelt wird .
Vergleichen Sie damit folgende Titel :
Friedrich Nietzsche , Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik.
Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben . 22
Es spricht nichts gegen Fragen im Titel :
Albert E. Wood , What , if Anything , is a Rabbit ?
23 – Albert Einstein et al. , Can Quantum-Mechanical Description of Physical Reality be Considered Complete ? 24
Vier Arten von Literatur nachweisen werden Ihnen häuﬁg begegnen :
Monographien , Aufsätze in Zeitschriften , Beiträge in Sammelbänden und Werke in Werkausgaben eines Autors .
Hier ein Vorschlag für die Form von Literaturnachweisen für Literaturverzeichnisse bei Zitation nach Autor und Jahr ( also nach Nachnamen und Erscheinungsdaten geordnet ) :
Auf diese Werke können Sie am einfachsten in der Form Autor Jahr , Seite ( n ) verweisen :
Laudan 1984 , S. 12 – 14 . Merton 1938 , S.322 . Feyerabend 1965 , S. 202 [ Erscheinungsjahr des Sammelbandes ] Merton 1973 , S. 260 – 266 [ Erscheinungsjahr der Werkausgabe ] .
