In den dichten Nebelschwaden Londons, die wie ein undurchschaubares Tuch über den Straßen schwebten, lagerten Geheimnisse, die nur auf ihre Entdeckung warteten. Im Herzen der Stadt, in den engen Gassen, wo das Gaslicht schummrig auf das Pflaster fiel, war ein Verbrechen geschehen, das die Bürger in Angst und Schrecken versetzte. Inspektor William Thorn, ein Mann von mittlerem Wuchs und durchdringendem Blick, stolzierte durch den nebelverhangenen Innenhof der Scotland Yard Headquarters. Der kalte Wind spielte mit seinen Mantelschößen, während er sich schnellstmöglich den Weg zum Büro von Kommissar Gordon bahnte. Die nächtlichen Straßen säumten Gestalten, die aus den Schatten traten und wieder hineinglitten, als Thorn den vertrauten Pfad entlangging. Im Büro empfing ihn Kommissar Gordon, ein hagerer Mann mit grimmiger Miene, der trotz seiner streng wirkenden Gesichtszüge eine väterliche Wärme ausstrahlte. Er saß hinter seinem massiven Schreibtisch, der mit Berichten und Karten überhäuft war, und seine blauen Augen fixierten Thorn, als dieser eintrat. „William“, begann Gordon ohne Umschweife in seiner gewohnt tiefen Stimme, „wir haben einen neuen Fall, der unsere ganze Aufmerksamkeit erfordert.“ Der Inspektor zog sich den Stuhl heran und nahm Platz. „Was ist geschehen, Sir?“ fragte er, während seine Gedanken bereits die verschiedenen Möglichkeiten durchspielten. „Gestern Nacht wurde in einem verlassenen Lagerhaus an der Themse die Leiche von Lord Harold Davenport gefunden. Es gibt bisher keine Hinweise, die uns auf das Motiv oder den Täter schließen lassen“, erklärte Gordon knapp und übergab Thorn eine Mappe mit den bisherigen Ermittlungen. Thorn öffnete die Mappe und überflog die ersten Seiten. Lord Davenport war bekannt für seinen exzentrischen Lebensstil, der ihn in die unterschiedlichsten Kreise Londons führte – von der vornehmen Gesellschaft bis hin zu den zwielichtigen Unterweltgestalten. Seine Verstrickungen in dubiose Geschäfte waren ebenso berüchtigt wie seine Fähigkeit, stets ungeschoren davonzukommen. Diese Tatsache allein machte seine Ermordung zu einem merkwürdigen Rätsel; wer immer ihn umgebracht hatte, musste ein dringendes Motiv gehabt haben. „Alle seine nahen Kontakte verbergen etwas“, merkte Gordon an und lehnte sich zurück. „Die Polizei fand ihn mit einem blutroten Seidentuch um den Hals geknotet – ein Symbol, das wir bisher nicht einordnen können.“ Thorn nickte, seine Gedanken rasten. „Und was ist mit seinem Personal, oder etwaigen Geschäftspartnern?“ „Einige der Bediensteten wurden befragt, doch alle scheinen nichts Bemerkenswertes zu wissen“, antwortete der Kommissar mit einem Seufzen. „Es gibt jedoch Gerüchte über eine mysteriöse Frau, die ihn in den Tagen vor seinem Tod regelmäßig besucht haben soll.“ Ein weiterer Hinweis, der eher zu Verwirrung als zur Klarheit beitrug. Thorn erhob sich, entschlossen die Ermittlungen aufzunehmen. Seine erste Station war das Herrenhaus der Davenports, das in einem noblen Viertel lag und dennoch in seiner düsteren Pracht ein gewisses Unbehagen auszudrücken schien. Das Geisterhafte, das über dem Anwesen lag, wurde noch verstärkt durch das fahlen Mondlicht, das sich in den hohen Fenstern spiegelte. Keine Bewegung signalisierten Leben, nichts, außer einem einsamen Diener, der Thorn die Tür öffnete. „Inspektor Thorn“, stellte dieser sich knapp vor und schritt mit dem Bediensteten die kahle Halle entlang hinein in die opulent eingerichtete Bibliothek. Lady Elizabeth Davenport, die Witwe des verstorbenen Lords, empfing ihn. Sie war eine schöne Frau mittleren Alters mit einer eleganten Haltung, die jedoch eine gewisse müde Traurigkeit nicht verbergen konnte. Ihr schwarzes Trauerkleid ließ sie geisterhaft erhaben wirken, und ihre Augen schimmerten unruhig. „Vielen Dank, dass Sie mich empfangen, Lady Davenport“, begann Thorn, während er sich setzte