Mein Vater wuchs im tiefen Süden der 1940er und 50er auf, als an Schulen noch Rassentrennung herrschte und der Collegebesuch weniger ein Versprechen als ein Roulettespiel war. Viele wie er hatten daher nur die Möglichkeit, in ihrer Heimatstadt zu bleiben, zur Armee zu gehen oder es am College zu versuchen. 
Mein Vater diente 20 Jahre lang voller Stolz und Ehre in der US-Air-Force. Die Hürden für das College waren zu hoch. Als er aus dem Militär ausschied, ging er doch ans College. Er nutzte das GI-Gesetz und machte fast sechs Jahre lang ein Abendstudium. Er bekam seinen Abschluss ein Jahr vor mir. Ich weiß noch, wie er bei der Abschlussfeier auf die Bühne kam und sich meine Augen mit Tränen füllten. Ich bin nicht sicher, ob ich die Diplomübergabe sah, denn ich weinte wie ein Baby. 
(Gelächter) 
Weltweit haben weniger als 7 Prozent der Menschen einen Bachelorabschluss. Aber viele würden gern an die Hochschule gehen. Doch ähnlich wie für meinen Vater sind die Hürden eines erfolgreichen Collegebesuchs für die meisten einfach zu hoch. Es ist schlicht zu teuer. Das liegt meist an den hohen Studiengebühren. 
In den USA kann ein vierjähriges Bachelorstudium über 100.000 Dollar kosten und die Preise steigen weiter. Das ist auch anderswo auf der Welt so, doch manchmal ist es so teuer, weil es in der Nähe, on- oder offline, keine Hochschule gibt. Oder die akademischen Hürden sind so hoch, dass nur ein paar Privilegierte den Zugang schaffen. 
Wir, die Institutionen höherer Bildung, umgeben uns mit Mauern und erwarten, dass die Studenten sie überwinden. Doch das sollte nicht sein. Es ist meine größte Aufgabe -- und ich widme ihr meine gesamte Laufbahn als Pädagoge und nun als Verwalter einer der größten Universitäten in den USA --, mehr Menschen sowohl im Studentenalter als auch im Berufsleben für ein erfolgreiches Hochschulstudium zu gewinnen. Wenn wir das schaffen wollen, müssen sich die Institutionen neu definieren und sich ihrerseits für mehr Studenten öffnen, und Studenten sollten versuchen, die Mauern dorthin zu überwinden. Wenn wir das schaffen wollen, müssen wir die Kosten für höhere Bildung drastisch reduzieren. Dazu müssen wir uns ganz neu orientieren -- und zwar auf drei Arten. Umdenken ist nötig bei Zeit, Ort und Lehrmethoden. 
Nehmen wir zunächst die Zeit. Zeit und Kosten bedingen einander, und so läuft es im Normalfall: Hochschulkurse und -abschlüsse werden gewöhnlich mit Kreditpunkten bewertet. Jeder Punkt kostet Geld. Also gilt in diesem Szenario: Die Zeit, also die Kosten, ist festgelegt und das Lernen ist variabel. Das macht Kostensenkung zum Problem und dieses Problem wird besonders groß, wenn man Studium, Arbeit und Familie miteinander vereinbaren muss. Dazu kommen noch andere Aufgaben und Verpflichtungen. Doch wenn wir das Szenario ändern, das Lernen zur Konstante machen und die Zeit flexibel gestalten, dann brechen wir die Tyrannei der Zeit. Das ist doch das Hauptanliegen von Schule. Es geht um Lernen und Können, nicht um die Belegung einer bestimmten Stundenzahl. 
Was können wir tun? Wir sollten Kreditpunkte für Lebenserfahrung festlegen und vergeben. Warum sollte man ein Semester lang einen kompletten Betriebswirtschaftskurs belegen, wenn man sich von einem Hochschulgutachter aufgrund seiner Erfahrung bewerten lassen kann? So würde das aussehen. Nehmen wir die Studentin Brandice. Brandice ist Kfz-Technikerin in einer Autowerkstatt. Nehmen wir drei ihrer Zertifizierungen, die sie für ihre Tätigkeit braucht: elektrische Systeme, manueller Antrieb, Zug und Achsen sowie Motorleistung. Dazu kommt noch, dass Brandice vor Ort ein Team von Technikern leitet. All das wird bewertet und sie stellt fest, dass sie für einen Hochschulabschluss nur noch wenige Kreditpunkte braucht -- einen Abschluss in Fahrzeugtechnik oder technischem Management. Und außerdem stellt sie im Lauf der Bewertung fest, dass es einen Weg gibt, um die restlichen Kreditpunkte für ihren Abschluss in weniger als fünf Monaten zu erwerben. 
Einige von uns tun das. Doch das ist meine Hoffnung: Ich hoffe, dass die Zeit noch variabler wird. Bauen wir also eine globale Bank für Kompetenzen auf, ähnlich wie ein Geldinstitut. Doch in diesem Fall besteht die Währung aus Kompetenzen und Erfahrungen. Ein abgeschlossener Abendkurs in Buchhaltung kommt auf Ihr Konto. Auch ein Praktikum bei einer Marketingfirma kommt auf Ihr Konto. Wenn wir das schaffen, und zwar in großem Maßstab, lässt sich die Zeit bis zu einem Hochschulabschluss drastisch reduzieren -- und damit auch die Kosten. 
Zweitens ... der Ort. Wir müssen unser Konzept des Ortes komplett neu überdenken. Wir wissen, Universitätscampus sind teuer im Unterhalt, und wir müssen endlich Lernoptionen unter verschiedensten Aspekten betrachten. Doch wir müssen noch andere Kosten senken: die Kosten der Zugehörigkeit. Sei es, weil es keine Hochschule in der Nähe gibt, ob online oder offline, oder weil es emotionale und kulturelle Mauern gibt, die Lernende vom Lernort trennen. 
Der Student Cameron sollte in einem Gemeindezentrum oder in seiner Kirche Unterricht bekommen können. Er sollte bei örtlichen Unternehmern und Firmen Berufsberatung und Unterstützung bekommen können. Wir sollten seine Arbeit und Erfahrung auf freiwilliger Basis in Kreditpunkte umwandeln können -- in einer ihm vertrauten Gemeinschaft. Deshalb machen wir diese Gemeinschaft für ihn und viele andere zu einem aktiven, lebendigen Teil eines lernenden Ökosystems. Wenn wir das schaffen wollen, müssen wir fest daran glauben, dass Lernen überall geschehen kann. In diesem Fall senken wir die Kosten für den Ort. 
Drittens: Was ist mit dem Unterricht? Der Unterricht steht im Zentrum des Lernens. Unterricht ist Inspiration und Anbindung. Er ist der Funken, der Lernende mit Informationen verbindet. 
In diese Magie sollten wir nicht eingreifen. Doch wir wissen: Unterricht verursacht hohe Kosten. Was ist zu tun? Wir sollten die inspirierendsten und begnadetsten Lehrer mit ihrem typischen pädagogischen Zauber nehmen und ihnen größere Klassenräume bereitstellen, um ihren Wirkungskreis zu vergrößern und zu erweitern. In den meisten Klassen sitzen 20 bis 30 Studenten, manchmal auch ein paar hundert. Aber online kann man weltweit tausende erreichen. Zurzeit läuft bei uns der Kurs “Menschliche Beziehungen und Verwaltung”. Es ist ein Grundkurs für alle Bachelor- Studenten im Fach Wirtschaft. Der Kurs hat über 3.000 Studenten aus der ganzen Welt -- den USA, Kanada, Deutschland, Indien -- und das ist längst nicht alles. Wir haben auch Kurse mit über 5.000 Teilnehmern und wir wollen, dass es noch mehr werden. Wir wollen, dass jeder mit einer Internet-Verbindung Platz in einem virtuellen Hörsaal nehmen kann. 
Nun ... es gibt Internet-Skeptiker -- besonders gegenüber großen Online-Klassen --, die für kleinere Klassengrößen plädieren. Aber ich würde sagen, kleinere Klassen bieten vor allem Personalisierung. Personalisierung ist etwas, was ich gern hätte. Ich will Studenten sehen, egal wo, ungeachtet ihres Standorts, an einem Endgerät, sei es Handy oder Laptop, mit dem sie am Unterricht teilnehmen können -- in Echtzeit oder ihrer eigenen Zeit. Ich will, dass Fakultätsmitglieder bestimmte Bedürfnisse von Studierenden voraussehen, auf diese zugehen, mit ihnen über ein vorgefertigtes akademisches Toolkit in Verbindung treten, bereitgestellt von virtuellen oder automatisierten Ressourcen bzw. Diensten, und individuell im richtigen Moment menschliche Unterstützung bieten. Das können Chatbots, prädiktive Analytik und KI einer Hochschule bieten: Einsichten, wann der richtige Moment für menschliches Eingreifen gekommen ist, das Studierenden aus der Sackgasse hilft und die individuelle Hilfe liefert, die sie vielleicht brauchen. 
Einige von uns tun das. Wenn wir das wirklich schaffen, und zwar in großem Maßstab, lösen wir das Problem, indem wir Lehrkräfte ausbilden, die dann das tun, was sie am besten können, und die diese Inspiration in großem Maßstab gewähren. Gleichzeitig senken wir damit die Kosten für die Hochschulbildung und liefern trotzdem zur rechten Zeit die nötige persönliche Unterstützung. 
Zu Beginn des Vortrags sprach ich über meinen Vater. Seit damals hat sich in der Hochschulbildung vieles verändert, einiges ist gleich geblieben. Als Institutionen sind wir nach wie vor exklusiv und teuer und halten die Studierenden jenseits der Mauer von uns fern. Statt tausende autonome Hochschulen hätte ich lieber folgende Lösung: Universitäten, Unternehmen und Regierungen sollten möglichst viel in eine Super-Bildungsautobahn investieren, die Mobilität und Übertragbarkeit von Erfahrungen ermöglicht -- von Ort zu Ort, vom Arbeitsplatz ins Klassenzimmer, über Grenzen und Beschränkungen hinweg. In diesem Fall werden Fähigkeiten und Kompetenzen weltweit zur Währung für Arbeitskräfte. 
Wenn wir das schaffen, lade ich Sie zu einer Abschlussfeier ein, bei der Millionen, vielleicht Milliarden Studierende auf der Bühne defilieren. 
Danke. 
(Jubel und Applaus) 
