Sarah Rosas García war seit Kurzem Witwe und hatte neun Kinder zu versorgen, als ihre älteste Tochter von den örtlichen Behörden abgeholt wurde. Andrea García soll  die Schule geschwänzt und häufig ihre Partner gewechselt haben. Daher wies sie die Behörde für jugendliche Straftäter in ein staatliches Krankenhaus ein. Dort schnitt sie bei einem IQ-Test schlecht ab und die Ärzte fällten ihr Urteil. Sie sagten Sara, ihre 19-jährige Tochter werde sterilisiert, um ihre angebliche geistige Behinderung nicht zu vererben. Das klingt wie die grausame Geschichte eines autoritären Regimes. Es ereignete sich jedoch 1938 in Südkalifornien. Andrea García war eine  von Tausenden armer Women of Color, die der brutalen Eugenik-Kampagne der USA zum Opfer fielen. 
Seit der griechischen Antike nimmt man Einfluss auf die Bevölkerung -- über Fortpflanzung sowie Erhalt oder Entfernung bestimmter Merkmale. Doch im 19. Jh. förderte die Entdeckung von Evolution und Genetik eine neue wissenschaftliche Bewegung mit solchen Zielen. 1883 gab der britische Wissenschaftler Sir Francis Galton dieser Idee den Namen Eugenik, vom griechischen Wort für „edel geboren sein“. Zu dieser Welle moderner Eugeniker gehörten berühmte Wissenschaftler und progressive Reformer, die die Gesellschaft optimieren wollten, indem sie für die Vererbung nur erwünschter Merkmale sorgten. 
Doch die Definiton von erwünschten und unerwünschten Merkmalen war weitgehend von den Vorurteilen dieser Epoche geprägt. Ganze Menschengruppen galten für die Fortpflanzung als „ungeeignet“, darunter Immigranten, People of Color und Menschen mit Behinderungen. Gleichzeitig spiegelte das Genetik-Ideal die Mitglieder der Bewegung: weiße Europäer nordischer oder angelsächsischer Abstammung. 
Als sich der Einfluss der Eugenik im frühen 20. Jh. verbreitete, begrenzten viele Länder die Immigration und verboten ethnisch gemischte Ehen. Diese Maßnahmen der sogenannten „Rassenhygiene“ erreichten ihren schrecklichen Höhepunkt im Dritten Reich. Die Eugenik-Kampagne der Nazis tötete systematisch Millionen Juden und Menschen anderer Gruppen, darunter Roma, schwule Männer und Menschen mit Behinderung. Doch abgesehen von ihrer extremen Brutalität entsprach die Eugenik der Nazis ähnlichen Standards in der ganzen Welt. Mitte des 20. Jahrhunderts ergriffen viele Länder Eugenik-Maßnahmen. Die Regierungen in  Schweden, Kanada und Japan ließen Tausende Menschen zwangssterilisieren. 
Sterilisationen waren in den USA  besonders häufig. Von 1907 bis 1979 wurden in den USA über  60.000 Menschen zwangssterilisiert. 32 Staaten erließen Gesetze zur Zwangssterilisation von Männern und Frauen, die als „geistig behindert” galten. Dieses Urteil basierte meist auf oberflächlichen psychiatrischen Diagnosen und Ergebnissen von IQ-Tests, die sprachlich und kulturell die meisten Immigrantengruppen benachteiligten. Die rassistischen Standards in Kalifornien waren besonders problematisch. Von 1920 bis 1945 wurden Latina-Frauen 59 % häufiger sterilisiert als andere Frauen. Die Sterilisationsrate in Kalifornien war enorm hoch -- allein dieser Staat führte landesweit ein Drittel der Sterilisationen durch. 
Wie im Fall von Andrea García, deren Geschichte für Tausende Menschen mit ähnlichem Schicksal steht. Über den berühmten  Bürgerrechtsanwalt David Marcus klagte Andreas Mutter, das kalifornische Sterilisationsgesetz verstoße gegen die US-Verfassung und verwehre Andrea das Recht auf gleichen Schutz vor dem Gesetz. Einer der zuständigen Richter stimmte zwar dafür, Andrea zu verschonen, die anderen beiden jedoch nicht. Laut Protokoll ist Andrea  dem drohenden Eingriff wohl entkommen, viele andere Opfer dieser Regelungen aber nicht. 
Auch wenn die Eugenik nach dem Grauen des Zweiten Weltkriegs einen negativen Ruf bekam, wurden viele Praktiken, darunter die  Sterilisation, jahrzehntelang fortgesetzt. In den späten 1960ern war die Forschung  in der Humangenetik differenzierter, und die Bioethik drängte den Einfluss der Eugenik zurück. Doch Schweden und die USA setzten unfreiwillige Sterilisationen bis weit in die 70er fort. Schließlich rüttelten Sammelklagen und Proteste in den USA die Gesetzgeber auf, und 1979 wurden Kaliforniens Sterilisationsgesetze endlich aufgehoben. Leider wird auch heute noch die legale und illegale Sterilisation vieler unterdrückter Gemeinschaften weltweit fortgesetzt. 
