Auf einer kleinen Insel mitten in der Irischen See thronen Festungen über der zerklüfteten Küste. An diesem unwirklichen Ort entstand ein mittelalterliches Reich, das 200 Jahre währte und von einer Dynastie der Seekönige beherrscht wurde. Der erste König war Godred Crovan, ein berüchtigter Kriegsherr, Nachfahre von Herrschern der Iren und Wikinger. 
Ab 1079 festigte Godred seine Macht über die Isle of Man und die Hebriden, eine Inselgruppe an der Westküste Schottlands. Er herrschte über wichtige Seewege zwischen den Britischen Inseln, Skandinavien und dem Nordatlantik. 
Auf seinen Tod folgte eine unruhige Zeit, geprägt von Invasionen aus Norwegen und Irland sowie heftigen Fehden unter den Prinzen. Doch seine Nachfahren hielten sich an der Macht, bauten Küstenfestungen, befuhren die Meere, warfen sich in gewaltige Schlachten und festigten ihren Vorrang in einem imposanten Seereich. Die Bewohner dieses Reichs hatten gälische und nordische Wurzeln; viele beherrschten vermutlich beide Sprachen. Die Einwohner der Isle of Man waren als Volk der Manx bekannt, die der Hebriden als Insulaner oder Volk der Inseln. Zwar kennen wir ihre Anzahl nicht, doch wir wissen, dass diese recht kleine Gruppe enormen Einfluss auf die Region hatte. 
Seefestungen auf hohen Klippen mit weiter Sicht und sicheren Häfen gewährten den Königen Kontrolle über Schiffsverkehr, Handel und Rohstoffe. Das Reich verfügte über riesige Flotten von Wikinger-Langschiffen, die für Handel, Raubzüge und Plünderung der Meere genutzt wurden. Beeindruckt von diesen Taten, suchten viele benachbarte Herrscher Hilfe. Die Brüder Rognvald und Olaf lösten für einige davon Probleme auf See. König Rognvald bot dem schottischen König militärische Hilfe und König Olafs Truppen dienten gegen eine saftige Gebühr auf Ersuchen des englischen Königs Heinrich III. als Küstenwache. 
Die Seekönige maßen sich auch mit ihren mächtigen Nachbarn, hatten jedoch besonders erbitterte Feinde in einer anderen Dynastie ihrer Inseln: einem Herrschergeschlecht auf den Hebriden. Um 1150 besiegte Somerled, ein Anführer dieses Geschlechts, den König der Manx, seinen Schwager, in einer Seeschlacht, gründete ein rivalisierendes Königreich und zerstörte das alte. 
So begann eine jahrhundertelange Rivalität zwischen der Linie Somerleds, Herrscher der südlichen und mittleren Hebriden, und den Manx-Königen, Herrscher der Isle of Man und der nördlichen Hebriden, über die Kontrolle der Seewege. Familienfehden wurden oft zu erbitterten Bürgerkriegen. 1223 schickte König Rognvald seinem Sohn einen Brief und befahl ihm, seinen Onkel Olaf zu töten. Als Olaf das Komplott entdeckte, griff er seinen Neffen brutal an, blendete und verstümmelte ihn. Einige Jahre nach Rognvalds Tod bemerkte man, dass der Brief mit der Aufforderung zum Mord gefälscht sein könnte. 
Die Manx-Könige versuchten, Unstimmigkeiten im Tynwald zu lösen, einem Parlament unter freiem Himmel auf einem Hügel, wo Versammlungen über Rechtsfragen und andere Themen entschieden. An solchen Stätten legte man in der Welt der Wikinger häufig örtliche Streitigkeiten, aber auch königliche Angelegenheiten bei. Die Treffen verliefen nicht immer reibungslos: Manchmal siegte die Gewalt. 1237 stritten zwei rivalisierende Lager so sehr, dass sich die Versammlung im Tynwald auflöste. Der Tynwald-Hügel mit seinen vier Plattformen ist bis heute erhalten und das heutige Parlament der Manx hält dort jedes Jahr eine Sitzung. 
1248 starb König Harald von Man bei einem Schiffsunglück. Sein Bruder folgte ihm nach. Wochen später wurde der neue König von einem rebellischen Ritter ermordet. Sein Bruder Magnus starb 1265 in Castle Rushen -- ohne Erben. Einem Schreiber zufolge markierte sein Tod den Tag, an dem “die Herrschaft der Könige auf Man endete”. 1266, also im folgenden Jahr, annektierte Schottland Man und die Inseln. 
Über die Taten der Seekönige wissen wir vor allem aus einer Chronik von christlichen Schreibern auf der Insel Man und aus den Lobgedichten die die königlichen Siege priesen. Heute sind die Seekönige zwar längst verschwunden, sie prägen aber dennoch nach wie vor die Landschaft. 
