Ich bin heute hier, umgeben von all diesem Obst und Gemüse, weil sie der Gegenstand meiner Experimente sind. Nun, sehen Sie es mir nach, aber vor ca. 10 Jahren begann mein Team die Herstellungsweise von Materialien zu überdenken, um beschädigtes oder krankes menschliches Gewebe zu rekonstruieren -- und wir machten die vollkommen unerwartete Entdeckung, dass Pflanzen für diesen Zweck genutzt werden könnten. Tatsächlich haben wir eine Methode erfunden, wie wir diesen Pflanzen ihre komplette DNA und ihre Zellen entnehmen können, sodass natürliche Fasern zurückbleiben. Und diese Fasern können als "Gerüst" genutzt werden, um lebendiges Gewebe zu rekonstruieren. 
Ich weiß, das klingt etwas seltsam, aber in unserer allerersten Machbarkeitsstudie nahmen wir einen Apfel, schnitzten ihn in die Form eines menschlichen Ohrs und nahmen dann dieses ohrenförmige Gerüst, sterilisierten es, verarbeiteten es und brachten menschliche Zellen dazu, darin heranzuwachsen. Dann machten wir den nächsten Schritt und implantierten es, und wir konnten zeigen, dass das Gerüst die Bildung von Blutgefäßen anregte, die dem Herz erlaubten, das Gewerbe am Leben zu erhalten. 
Nicht lange, nachdem wir diese Entdeckungen gemacht hatten, war ich zu Hause, kochte Spargel zum Abendessen und als ich die Enden abschnitt, fiel mir auf, dass der Strunk voller  mikrokanalisierter Gefäßbündel war. Und ich musste an die Bemühungen der Biotechnologie denken, die zum Ziel haben,  Rückenmarksverletzungen zu behandeln. Bis zu eine halbe Million Menschen pro Jahr leidet an solchen Verletzungen, und die Symptome reichen von Schmerz und Taubheit bis hin zu verheerenden Traumata, die zum vollständigen Verlust motorischer Funktion und Unabhängigkeit führen. Für diese Formen der Lähmung gibt es keine anerkannte Behandlungsstrategie -- aber eine mögliche Lösung könnte der Einsatz von einem Gerüst mit Mikrokanälen sein, die die Neubildung von Neuronen lenken könnten. 
Könnten wir also den Spargel und seine Gefäßbündel benutzen, um das Rückenmark zu heilen? Das ist eine wirklich dumme Idee. Erstens, Menschen sind keine Pflanzen. Unsere Zellen sind nicht dafür gemacht, auf Pflanzenpolymeren zu wachsen, und Pflanzengewebe hat im Rückenmark nichts zu suchen. Und zweitens, im Idealfall sollten solche Gerüste mit der Zeit verschwinden und natürliches, gesundes Gewebe zurücklassen. Aber pflanzliche Gerüste tun das nicht, weil uns die Enzyme fehlen, um sie aufzubrechen. Lustigerweise waren es genau diese Eigenschaften, weshalb wir so viel Erfolg hatten. Im Verlauf dieser vielen Experimente konnten wir zeigen, dass gerade diese Trägheit der Grund ist, weshalb das Pflanzengewebe so biokompatibel ist. Gewissermaßen sieht der Körper es kaum, aber die neugebildeten Zellen profitieren von seiner Form und Stabilität. 
Nun ist das alles schön und gut, aber ich spürte ständig starke Zweifel wenn ich dann an das Rückenmark dachte. So viele Wissenschaftler haben Materialien aus den üblichen Quellen benutzt, z.B. synthetische Polymere und Tierprodukte; sogar menschliche Kadaver. Ich fühlte mich wie ein totaler Außenseiter, der kein wirkliches Recht hatte, an so einem schwierigen Problem zu arbeiten. Aber wegen dieser Zweifel umgab ich mich mit Neurochirurgen und Klinikern, Biochemikern und Bioingenieuren, und wir begannen, Experimente zu planen. 
Die Grundidee war, dass wir ein Tier nehmen, es betäuben würden, das Rückenmark offenlegen und es auf Brusthöhe durchtrennen würden, sodass das Tier querschnittsgelähmt wäre. Dann würden wir ein Spargel-Gerüst zwischen den durchtrennten Enden implantieren, das als Brücke fungieren würde. Das ist von entscheidender Wichtigkeit: Wir benutzen nur Spargel. Wir fügen weder Stammzellen noch elektrische Stimulation hinzu, noch Außenskelette, noch Physiotherapie, noch Medikamente. Wir untersuchen lediglich, ob die Mikrokanäle im Gerüst allein dazu reichen, um die Neubildung von Neuronen anzuleiten. Und das sind die wichtigsten Resultate: 
In diesem Video sehen Sie ein Tier ca. 8 Wochen, nachdem es gelähmt wurde. Sie sehen, sie kann ihre Hinterbeine nicht benutzen und sich nicht aufrichten. Ich weiß, wie schwer es ist, dieses Video anzuschauen. Mein Team hatte jeden Tag Probleme mit dieser Art von Experimenten und wir fragten uns ständig, warum wir so etwas machten -- bis wir etwas zu beobachten begannen. Das hier ist ein Tier, das ein Implantat bekommen hat. Sie läuft zwar nicht perfekt, aber sie bewegt ihre Hinterbeine und sie beginnt sogar, sich aufzurichten. Und auf einem Laufband kann man sehen, wie die Beine sich koordiniert bewegen. Das sind wichtige Anzeichen der Genesung. 
Wir haben immer noch eine Menge Arbeit vor uns, und es gibt eine Menge Fragen zu beantworten, aber das war das erste Mal, dass jemand zeigen konnte, dass Pflanzengewebe genutzt werden kann, um so eine komplexe Verletzung zu heilen. Trotzdem sitzen wir seit über 5 Jahren an diesen Daten. Zweifel haben uns dazu angetrieben, diese Experimente ständig zu wiederholen, bis mein Labor fast bankrott ging. Aber ich trieb es weiter voran, weil ich wusste: Diese Resultate könnten der Beginn von etwas Außergewöhnlichem sein. Und genauso aufregend ist es, dass mein Unternehmen diese Entdeckungen jetzt auf die Klinik übertragen -- auf die echte Welt. Die Technologie wurde von der FDA kürzlich als medizinischer Durchbruch bezeichnet. Und diese Bezeichnung bedeutet, dass wir momentan mitten in der Planung klinischer Versuche am Menschen sind, die in ca. 2 Jahren beginnen sollen. 
Ich möchte Ihnen gerne einen Prototyp eines unserer neuesten Rückenmarks-Implantate zeigen. Es besteht noch immer aus Spargel und enthält all diese Mikrokanäle. Man sieht, dass es sich bewegen und biegen lässt und sich anfühlt wie menschliches Gewebe. Und wissen Sie, ich denke, die eigentliche Innovation ist, dass wir nun in der Lage sind, Aufbau und Struktur von Pflanzengewebe  so zu designen oder zu programmieren, dass sie Zellwachstum steuern und medizinische Bedürfnisse erfüllen können. 
Als Wissenschaftler verbringen wir unser Leben auf Messers Schneide. Einerseits ist es unser Job, den Horizont menschlichen Wissens grundlegend zu erweitern; zugleich werden wir dazu ausgebildet, zu zweifeln: unsere Daten anzuzweifeln, unsere Experimente anzuzweifeln, unsere Schlussfolgerungen anzuzweifeln. Wir verbringen unser Leben zerdrückt von der Last von ständiger, unerbittlicher, endloser Angst, Ungewissheit und Selbstzweifel. Und damit habe ich wirklich Probleme. Aber ich denke, fast jeder Wissenschaftler kann davon erzählen, wie man diese Zweifel ignoriert und das Experiment gemacht hat, das nie funktionierte. Und: Von Zeit zu Zeit funktioniert eines dieser Experimente. 
Unsere Herausforderung ist: Während Zweifel destruktiv für unsere psychische Gesundheit sein können, sind sie auch der Grund, weshalb wissenschaftliche Genauigkeit so wirkungsvoll für Entdeckungen ist. Sie zwingt uns dazu, wichtige Fragen zu stellen und Experimente zu wiederholen. Nichts daran ist einfach. Und oft wird es zu unserer Verantwortung, die Last der schwierigen und manchmal herzzerreißenden Experimente zu tragen. Am Ende führt das zur Erschaffung von neuem Wissen, und in manchen, wirklich seltenen Fällen, zu einer Innovation, die das Leben eines Menschen verändern könnte. 
Danke. 
