Wäre diese Fledermaus ein Mensch, hätte sie ein großes Problem. Sie ist mit einigen tödlichen Viren infiziert, darunter Erregern von Tollwut, SARS und Ebola. Für andere Säugetiere wäre diese Diagnose ein Todesurteil, doch dieses geflügelte Wunder ist völlig unbeeindruckt. Die Fledermaus könnte sogar die nächsten 30 Jahre so leben, als sei das ganz normal –- denn für sie ist das der Fall. Was also schützt sie vor diesen gefährlichen Infektionen? 
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir zunächst die Beziehung zwischen Virus und Wirt verstehen. Jedes Virus ist darauf spezialisiert, bestimmte Arten in einer Klasse von Lebewesen zu infizieren. Deshalb infizieren sich Menschen nicht mit einem Pflanzenvirus und Bienen bekommen keine Grippe. Manchmal springen Viren jedoch auf nah verwandte Spezies über. Da die Immunabwehr des neuen Wirts nicht entsprechend entwickelt ist, wird das unbekannte Virus zu einer potentiell tödlichen Gefahr. 
Auch für das Virus ist das keine gute Nachricht. Ein idealer Wirt versorgt es kontinuierlich mit Ressourcen und begegnet neuen Opfern, die es infizieren kann — zwei Kriterien, die ein lebender Wirt am besten erfüllt. Das alles zeigt, dass erfolgreiche Viren gewöhnlich keine Varianten entwickeln, die ihren Wirt töten — wie auch die Viren, die unseren geflügelten Freund infiziert haben. Ihre tödliche Wirkung wird nicht direkt durch die Krankheitserreger, sondern durch die unkontrollierte Immunantwort des Wirts ausgelöst. 
Infektionen wie Ebola oder bestimmte Grippearten zielen darauf ab, das Immunsystem ihres Säugetier-Wirts zu überfordern, indem sie es auf Hochtouren bringen. Der Körper sendet unzählige weiße Blutkörperchen, Antikörper und Entzündungsmoleküle, um den fremden Eindringling zu töten. Ist die Infektion jedoch weit genug fortgeschritten, kann ein Angriff durch das Immunsystem zu ernsten Gewebeschäden führen. In besonders krassen Fällen kann dieser Schaden tödlich sein. Selbst wenn das nicht so ist, bleibt die Stelle anfällig für eine weitere Infektion. 
Im Gegensatz zu anderen Säugern liefern sich Fledermäuse mit diesen Viren seit Jahrtausenden ein evolutionäres Wettrüsten und haben sich angepasst, um Selbstschädigung zu begrenzen. Ihr Immunsystem reagiert nur schwach auf Entzündungen. Diese Anpassung hat sich wohl mit der Eigenschaft entwickelt, die sie von anderen Säugern unterscheidet: dem autonomen Flug. Dieser energieintensive Prozess kann die Körpertemperatur einer Fledermaus auf über 40ºC erhöhen. Ein derart hoher Stoffwechsel hat seinen Preis; Beim Fliegen entstehen Abfallmoleküle, sogenannte reaktive Sauerstoffspezies, die Fragmente der DNA beschädigen und abbrechen. Bei anderen Säugetieren würde diese lose DNA vom Immunsystem als fremder Eindringling angegriffen. Doch wenn Fledermäuse diese Moleküle so oft produzieren, wie Forscher annehmen, haben sie wohl eine schwächere Immunantwort auf ihre eigene beschädigte DNA entwickelt. Tatsächlich fehlen im Fledermaus-Genom einige Gene, die mit der Entdeckung beschädigter DNA und der Entsendung von Entzündungsmediatoren assoziiert werden. Daraus resultiert eine kontrollierte, schwache Entzündungsreaktion, die Fledermäusen eine Existenz mit den Viren in ihrem System ermöglicht. 
Noch beeindruckender ist, dass Fledermäuse diese Viren jahrzehntelang beherbergen können -- ohne negative gesundheitliche Folgen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2013 haben Fledermäuse effiziente Reparaturgene, um häufige DNA-Schäden zu beheben. Den Reparaturgenen verdanken sie wohl auch ihr langes Leben. Tierische Chromosomen enden mit einer DNA-Sequenz namens Telomer. Diese Sequenzen werden mit der Zeit kürzer; man nimmt an, dass dieser Prozess zur Zellalterung beiträgt. Fledermaus-Telomere verkürzen sich jedoch viel langsamer als die anderer Säuger — daher haben Fledermäuse eine Lebenserwartung bis zu 41 Jahre. 
Natürlich sind auch sie nicht völlig immun gegen Krankheiten, egal ob diese von Bakterien, unbekannten Viren oder Pilzen stammen. Fledermausbestände werden oft von einer Pilzinfektion befallen, dem sogenannten Weißnasen-Syndrom, das die Tiere aus dem Winterschlaf reißen und das Flügelgewebe zerstören kann. Dann können sie ihre wichtigen Aufgaben im Ökosystem nicht mehr erfüllen: Bestäubung, Samenverbreitung und Vertilgen von Schädlingen und Insekten. 
Um die Tiere vor Gefahren und uns vor Infektionen zu schützen, müssen wir Menschen aufhören, in ihren Lebensraum und ihre Ökosysteme einzudringen. Durch den Erhalt der Populationen wird die Wissenschaft die einzigartigen antiviralen Abwehrkräfte von Fledermäusen hoffentlich besser verstehen. Vielleicht entdecken wir dank dieser Forschung eines Tages auch eine Virusimmunität für uns selbst. 
