1984 fanden zwei Feldarbeiter bei Cheshire in England 
eine Leiche in einem Moor. Man nannte sie den Lindow-Mann und stellte fest, dass er schwere Verletzungen  erlitten hatte, darunter ein stumpfes Trauma und Strangulation. Doch das Schockierendste  an dieser Schauergeschichte: Diese Details wurden an einer über 2000-jährigen Leiche festgestellt. Selbst an einem nur Wochen zuvor begrabenen Körper wären solche Verletzungen schwer zu erkennen. Warum also war diese Leiche so perfekt konserviert und warum bleiben nicht alle in diesem Zustand? Die Antwort liegt knapp zwei Meter unter der Erde. Dort unten gibt es scheinbar kaum Leben, doch ein einziger Teelöffel Erde  beinhaltet mehr Organismen, als es Menschen auf der Erde gibt. Von Bakterien und Algen bis zu Pilzen und Protozoen beheimaten Böden ein Viertel der Artenvielfalt der Erde. Die wohl wichtigsten Bewohner im Boden sind Mikroben, Organismen kaum größer als ein paar Hundert Nanometer. Sie zersetzen alle toten oder sterbenden organischen Stoffe der Erde. 
Angenommen, wir lassen im Wald einen Apfel fallen. Sobald er den Boden berührt, beginnen Würmer und andere Wirbellose, ihn in kleinere Teile zu zerlegen. Sie nehmen die Nährstoffe auf und scheiden den Rest aus. Diese erste Stufe der Zersetzung stellt die Weichen für die Mikroben. Die Art von Mikroben im Boden hängt vom Umfeld ab. Auf Wiesen und Äckern findet man zum Beispiel eher Bakterien, wahre Künstler in der Zersetzung von Gras und Blättern. Aber in diesem gemäßigten Wald gibt es mehr Pilze, die komplexe holzige Materialien abbauen können. Um mehr Nahrung aus den Apfelresten zu gewinnen, setzen die Mikroben Enzyme frei, die eine chemische Reaktion namens Oxidation auslösen. Die Moleküle der organischen Stoffe  werden abgebaut, Energie, Kohlenstoff und andere Nährstoffe freigesetzt. Der Vorgang heißt Mineralisierung. Die Mikroben verbrauchen Kohlenstoff und Nährstoffe; überschüssige Moleküle, darunter Stickstoff, Schwefel und Calcium, bleiben im Boden zurück. Je mehr Insekten und Würmer vom Apfel fressen, desto mehr Fläche können mikrobische Enzyme oxydieren und mineralisieren. Sogar ihre Ausscheidungen werden von Mikroben abgebaut. Das geht so lange, bis vom Apfel nichts mehr übrig ist. In einem gemäßigten Wald dauert das ein bis zwei Monate. Feucht-heiße Gegenden sind für Mikroben günstiger als kalte und trockene Orte, denn sie ermöglichen schnellere Zersetzung. Weniger komplexe organische Stoffe werden schneller abgebaut. Aber mit der Zeit werden alle organischen Stoffe zu mikroskopisch kleinen Mineralstoffen. Die Atombindungen zwischen den Molekülen sind zu stark, um weiter aufgebrochen zu werden. Stattdessen sind sie Nährstoffe für Pflanzen; diese bringen neue Nahrung hervor, die schließlich zersetzt wird. Dieser ständige Zyklus von Wachstum und Zerfall erhält alles Leben auf Erden. 
Aber manche Umgebungen sind für diese mikrobischen Multitalente ungünstig. Dazu gehören die Torfmoore bei Cheshire in England. Sie bestehen weitgehend aus höchst säurehaltigen Torfmoosen. Diese säuern den Boden an und setzen dabei eine Verbindung frei, die Stickstoff bindet und somit dem Gebiet Nährstoffe entzieht. Abgesehen von den kalten Temperaturen Nordeuropas haben es die meisten Mikroben unter diesen Bedingungen am schwersten. Die abgestorbenen Moose werden nicht abgebaut, schichten sich auf und verhindern den Zustrom von Sauerstoff. So entsteht ein natürlich versiegeltes System. Alle organischen Stoffe, die ins Torfmoor gelangen, bleiben dort -- so wie der Lindow-Mann. Die Säure des Moors war stark genug, um relativ einfache Stoffe  wie Knochen aufzulösen und komplexeres Gewebe wie Haut und Organe pechschwarz zu färben. Aber sonst ist die Leiche so gut erhalten, dass wir sagen können: Er war gesund, Mitte 20 und vermutlich wohlhabend, da sein Körper kaum Spuren harter Arbeit aufweist. Wir wissen sogar, was er zuletzt gegessen hat: ein noch immer unverdautes Stück verkohltes Brot. 
Über die Todesursache sind sich Wissenschaftler hingegen unklar. Kaltblütiger Mord kommt zwar in Frage, doch das Ausmaß seiner Verletzungen deutet auf ein rituelles Opfer. Es gibt Belege, dass das Moor schon vor 2000 Jahren für seine fast übernatürlichen Eigenschaften bekannt war -- als Ort, an dem der Boden unter den Füßen weder tot noch lebendig ist. 
