“Wie oft muss man nach oben schauen, 
bevor man den Himmel sehen kann?” 
Das ist ein Zitat aus einem berühmten Song von Bob Dylan. Ich liebe es, weil es mich daran erinnert, dass manchmal das, was wir brauchen, direkt vor unserer Nase ist. Das trifft meiner Meinung nach auch für den Klimawandel zu. Wir können einige der größten Verursacher dieses Problems, Öl, Kohle und Gas, mit etwas ersetzen, das wir im Übermaß haben: Wind. 
In meinem Land, Dänemark, tun wir genau das. Wir sind ein kleines Land mit geringer Bevölkerung. Falls Sie noch nicht hier waren, kommen Sie doch. Wir sind freundliche Menschen. Solange Sie nicht unser Fußballteam kritisieren. 
(Lachen) 
Nichts macht uns stolzer als das Wissen, dass wir in der Welt etwas Positives bewirkt haben. Historisch gesehen haben wir schon zuvor etwas verändert. Vor 1.000 Jahren beherrschten unsere Vorfahren den größten Teil Nordeuropas. Die kennen Sie bestimmt. Große, starke Jungs, Helme, Bärte, lange Haare. Die Wikinger. 
Ich zeige Ihnen heute, dass wir von den Wikingern lernen müssen, um den Klimawandel zu bekämpfen. Aber zuvor bitte ich Sie um etwas Geduld. Wir müssen woanders hin, zurück in eine andere Zeit. Nicht bis zu den Wikingern in die Ära von Harald Blauzahn, sondern in die 1970er Jahre, als in Dänemark die Ölkrise herrschte. Nicht in eine Wikinger-Festung, sondern in eine kleine Werkstatt in einer Scheune auf einem Bauernhof in einem dänischen Dorf. Das ist Henrik Striesdal. Er ist kein versierter, erfahrener Ingenieur. Er ist 19, ein junger Mann. Er suchte eine Herausforderung. Er dachte: “Und wenn ich ein Windrad bauen könnte, das Strom erzeugt?” Und wissen Sie was? Er tat es. Woher weiß ich das? Weil es hier ist. Kein Modell, keine Kopie. Das ist das Windrad, das Henrik gebaut hat. Er war so nett, es mir zu leihen. Hier steht M1. Das bedeutet “mølle eins”, “mølle et”, übersetzt  “Turbine Nummer eins”. Das war natürlich die erste, die er herstellte. Später baute er eine große, die seine Familie während der Krise mit billigem, erschwinglichem Strom versorgte. Kurz darauf baten andere Bauern Henrik, auch für sie eine Turbine zu bauen. Und das tat er. Schließlich verkaufte er das Design an eine Firma namens Vestas. Vielleicht kennen Sie sie als derzeit weltgrößten Hersteller von Windrädern. Und so wurde Henriks Erfindung der Prototyp für viele, viele Windräder, die Sie heute überall auf der Welt sehen. 
Viel ist passiert, seit Henrik und andere Pioniere in den 1970er Jahren die ersten Schritte unternahmen. Im Jahr 1991 bauten wir die erste Offshore-Windfarm namens Vindeby. Elf Windräder, 54 Meter hoch Das war ein Meilenstein. Sie waren riesig. Verglichen mit heute, erscheinen sie winzig. Das ist “Kriegers Flak”, Dänemarks derzeit größte Offshore-Windfarm. 72 Windräder, jedes 188 Meter hoch. Zum Vergleich: Das ist doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue. Jede Umdrehung eines dieser Windräder produziert genug Strom, um über 1400 Handys zu laden. Die gesamte Anlage deckt den Bedarf von 600.000 Haushalten. 
Die Geschichte der Windenergie in Dänemark handelt davon, wie ein Windrad auf einer Farm eine Veränderung anstieß, die das ganze Land beeinflusste. Wir hoffen jetzt natürlich, selbst wenn wir klein sind, auch in anderen Ländern eine Veränderung anstoßen zu können. Wir sind ein grüner Vorreiter, aber wir müssen noch mehr tun, denn gleichzeitig sind wir in der EU der größte oder zumindest  einer der größten Ölproduzenten. Das muss sich ändern. Und das wird es. Letztes Jahr trafen Regierung und Parlament in Dänemark eine wichtige Entscheidung. Wir beschlossen, bis 2050 die gesamte Öl- und Gasförderung einzustellen und ab sofort keine  neuen Lizenzen mehr zu vergeben. 
(Applaus) 
Das war nicht leicht. Damals waren wir der größte Ölproduzent der EU. Doch obwohl es teuer war, taten wir es, weil wir der Welt zeigen müssen, dass es Alternativen zu Öl und Gas gibt. 
Viele von Ihnen denken jetzt wohl,  das ist alles gut und schön, aber wie wollt ihr das anstellen? Was passiert, wenn kein Wind weht? Was wird aus den Energiebereichen,  die nicht elektrifiziert werden können? Flugzeuge fliegen doch nicht ohne Kerosin, oder? Große Containerschiffe fahren doch nicht ohne Schweröl? Aber ja, es ist möglich. Das ist ein Elektrolyseur. Das Foto entstand vor ein paar Wochen, als ich eine Fabrik in Dänemark besuchte. Er ist kein Prototyp, kein Labormodell. Er ist funktionsfähig, ein Handelsprodukt. Wie funktioniert er? Er verwandelt Strom in Wasserstoff. Und das, Freunde, ist revolutionär. Denn er ermöglicht es uns, zwei Probleme der Windenergie zu lösen. Zum einen können wir Energie speichern und nutzen, wenn kein Wind weht. Und zum zweiten können wir jetzt Energiebereiche dekarbonisieren, bei denen es vorher nicht möglich war. Denn der Wasserstoff kann in grüne Treibstoffe verwandelt werden. Stellen Sie sich vor: Der Wind der Nordsee wird  von einem Windrad in Strom verwandelt. Der Elektrolyseur verwandelt Strom in Wasserstoff und der Wasserstoff wird zu grünen, nachhaltigen Treibstoffen für Schiffe und Flugzeuge. Das klingt wie Science Fiction, doch es ist eigentlich nur “Science”. 
Um das in der nötigen Größenordnung realisieren zu können, brauchen wir viel erneuerbare Energie. Wir müssen die Offshore- Windkapazitäten massiv erweitern. In Dänemark tun wir genau das. Ein wichtiger Teil dieser Strategie ist der Bau der  weltweit ersten Energie-Insel. Hier eine Simulation, wie sie aussehen könnte. 80 Kilometer vor der Küste, so groß wie 64 Fußballfelder, das gewaltigste Infrarstrukturprojekt der dänischen Geschichte. Wir verändern buchstäblich unsere Landkarte. Hunderte Windräder um sie herum. Bei voller Leistung produziert sie 10 Gigawatt grünen Strom. 10 Gigawatt reichen aus, um 10 Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen. Das ist zum Glück viel mehr, als Dänemark braucht, denn so können wir Wasserstoff für grüne Treibstoffe herstellen, sie in andere Länder exportieren und damit helfen, deren  Energiesysteme zu dekarbonisieren. 
Einige von Ihnen denken wohl: “Was hat das mit den Wikingern zu tun?” Wissen Sie, was die Wikinger so erfolgreich machte? Wie sie es bis nach Grönland schafften? Wie sie bis nach Amerika segelten, 500 Jahre vor Christoph Columbus? Ihr Geheimnis? Sie nutzten den Wind. Sie steckten enorm viel Arbeit in effiziente Segel, was genauso lang dauerte wie der Bau eines Schiffs und genauso wichtig war. Damit komme ich zum Hauptpunkt. Wie die Wikinger vor 1.000 Jahren müssen wir die Welt verändern, indem wir effizientere Wege finden, um Energie zu nutzen. Diesmal mit etwas besseren Frisuren -- 
(Lachen) 
und der Motivation, dass dies vielleicht unsere beste Chance ist, um im Kampf gegen den Klimawandel etwas voranzubringen. 
Einige werden vielleicht sagen, dass ein kleines Land nicht viel bewirken kann. Das sehe ich anders. Wenn ein junger Mann wie Henrik etwas für ein ganzes Land bewirken konnte, warum kann dann ein Land wie Dänemark nicht etwas für die Welt bewirken? Wir schaffen es nicht alleine, doch wir können viel tun. Durch Innovation, die Entwicklung neuer Technologien und Lösungen und die Nutzung von etwas, das viel größer ist als wir: den Kräften der Natur. Bei der Internationalen Energieagentur wird man Ihnen sagen, dass Offshore-Wind den derzeitigen Energiebedarf der gesamten Welt nicht nur einmal decken kann oder zweimal, sondern ganze 18 Mal. Wenn Sie also nach Dänemark kommen, werden Sie eine Dänin treffen. Nach einer netten Bemerkung über unsere Fußballmannschaft 
(leises Lachen) 
fragen Sie sie: “Wie sollten wir die Klimakrise lösen?” Gut möglich, dass sie sagt: “Die Antwort, mein Freund, weht buchstäblich im Wind.” 
(Lachen) 
Danke. 
(Applaus) 
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