Ich bin ein Reparatur-Freak. Als Kind habe ich immer mit meinem Vater Dinge repariert: unseren Fernseher, unseren Kühlschrank und auch mal Geräte ohne Reparaturbedarf. Wir brachten unseren VW Käfer wieder zum Laufen. Ging zu Hause etwas kaputt, war das ein Anlass, um Spaß zu haben. Etwas wieder zum Leben zu erwecken, war eine tolle Herausforderung. Ich liebe dieses Gefühl noch immer -- es ist einfach aufregend. Erst neulich ist mein Laptop überhitzt. Ich verdächtigte das Gebläse, bestellte ein neues, baute es ein, schaltete an und es schwirrte los, als wollte es sagen: “Ja! Das hat wirklich funktioniert!” Das Gefühl war großartig. 
Diese Art Reparatur klingt vielleicht etwas altmodisch und auch ich sehe vielleicht so aus, aber es geht um viel mehr als bloßes Sparen. Es geht darum, unsere Geräte zu erhalten. So produzieren wir weniger Abfall. Das schafft neue Arbeitsplätze und überbrückt die digitale Kluft. 
Seit 2013 bin ich Vorstandsvorsitzende der Online-Vereinigung “Recht auf Reparatur”, auch bekannt als repair.org. Unsere Mitglieder reparieren, recyceln, verwenden wieder und verkaufen weiter. Bei dieser Arbeit habe ich begriffen, dass Reparieren für echte Nachhaltigkeit unerlässlich ist. Wenn wir unsere Geräte öfter reparieren und in Schuss halten, dann verringern wir damit unseren Abfall. Demzufolge muss auch weniger hergestellt werden. Unserem Elektroschrott kommen wir nur durch Reparaturen bei. 
Von welcher Größenordnung sprechen wir? Die US-Umweltschutzbehörde schätzte 2013, dass es in jedem US-Haushalt 28 digital gesteuerte Geräte gab. Dazu zählte alles vom Garagentoröffner, der Whirlpool-Steuerung bis zum intelligenten Toaster. Wenn wir das mit 123 Millionen US-Haushalten multiplizieren, kommen wir auf unfassbare 3,5 Milliarden Elektroschrott-Geräte, die nicht auf die Deponie gehören. Ein Rückgewinnung der Rohmaterialien ist sehr teuer und schwierig -- wenn überhaupt machbar. Betrachten wir genauer, was beim Recyceln möglich ist, dann haben wir einige hässliche Wahrheiten ignoriert. Wenn ein Laptop, ein Kühlschrank oder eine elektrische Zahnbürste bei uns ankommen, sind fast alle Umweltschäden bereits passiert. All die Kosten für Abbau, Raffination, Verhüttung und Transport. Im Laden sehen wir weder diese Kosten noch den menschlichen Preis durch schreckliche Arbeitsbedingungen oder die Belastung mit giftigen Stoffen. Selbst wenn wir über die Kalkulation dieser Kosten streiten, sind wir uns sicher alle einig, dass es sinnvoll ist, mehr zu reparieren und weniger wegzuwerfen. 
Reparieren bringt noch andere Vorteile als die bereits bekannten. Wir halten unsere älteren Geräte in Schuss und ermöglichen so einen Second-Hand-Markt zum Weiterverkauf gebrauchter Ware. Second-Hand-Geräte sind deshalb so günstig, weil sie mit neuen Geräten konkurrieren. Ein neues Gerät kostet, sagen wir, 1.000 Dollar, aber ein gebrauchtes ist sehr viel günstiger zu haben -- zum Beispiel für die Hälfte. Hier ist eine erschwingliche Möglichkeit, die für die Überwindung der digitalen Kluft wesentlich ist. Letztes Jahr wurden fünf Millionen Schüler digital unterrichtet, obwohl ihnen dazu die Technik fehlte, einfach, weil sich Eltern oder Schulen keine neuen Geräte leisten konnten. Aktuell sind Mikrochips Mangelware, und das wird auch so bleiben. Wir müssen mehr Reparaturen wirklich ernsthaft in Betracht ziehen, nicht nur, damit Geräte länger leben, sondern auch, um die Wirtschaft zu stärken. Reparaturen sind auch der Einstieg für viele Ingenieure und Erfinder. Steve Wozniak, der Steve Wozniak von Apple, sprach vor kurzem darüber, was er persönlich dazulernte, als er in seiner Kindheit Sachen reparierte. Das war wesentlich für seine Ingenieurtätigkeit. Wir wuchsen etwa zur gleichen Zeit auf, als Reparieren ganz normal war. Damals konnten Kunden ihre Vakuumröhren in den Laden bringen, sie anschließen und testen, ob sie funktionierten, und eventuell gleich eine neue kaufen. Es gab auch viele Möglichkeiten in der Gemeinde, wenn schwierige Reparaturen anstanden. Sie haben sicher bemerkt, dass die kleinen Familienbetriebe aus unserer Umgebung so gut wie verschwunden sind. Nicht, weil kein Reparaturbedarf besteht, sondern weil sie die nötigen Ersatzteile nicht kaufen durften und so nicht im Geschäft bleiben konnten. Wenn wir das rückgängig machen können und örtliche Reparier-Läden wieder Ersatzteile und Werkzeug bekommen, dann kommen sie zurück und bringen Arbeitsplätze, zum Unterhalt von Familien. Unsere schlauen Kinder können wieder Sachen aufschrauben, sehen, wie sie funktionieren, und später Ingenieure und Erfinder werden. 
Arbeitsplätze in der Reparatur sind toll. Dazu braucht man kein Studium. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. In Minnesota gibt es eine gemeinnützige Organisation namens Tech Dump. Sie nimmt gespendete Elektronik an, stellt schwer vermittelbare Erwachsene oft mit krimineller Vergangenheit ein und bringt ihnen das Reparieren bei. Die reparierten Geräte werden verkauft und der Erlös fließt wieder in die Ausbildung. Geräte landen nicht im Müll, hochwertige gebrauchte Geräte kommen der Gemeinde zugute und sozial Abgehängte finden Arbeit. 
Was mich wirklich ärgert: 
(lacht) Zurzeit kann der Großteil der Produkte auf dem Markt ohne Ersatzteile vom Hersteller gar nicht repariert werden. Und wenn die Hersteller keine Reparaturen wollen, geht nichts mehr. Ein vollkommen künstlich geschaffenes Problem. Früher legten die Hersteller jedem Produkt verständliche Anleitungen und Skizzen bei. Denn man sollte die Sachen reparieren können. Doch als die Anleitungen im Internet auftauchten, wurden sie nicht mehr gedruckt denn Drucken war teuer. Dann kam jemand auf die Idee: „Wir müssen wissen, wer unsere Webseite nutzt.“ Also musste man sich anmelden. Dann kam die nächste Idee: „Wir können dafür Geld verlangen.“ Also gab es eine Paywall. Dann kam Idee Nummer drei: „Diese Infos dürfen nicht mehr raus! Sonst kriegen wir Konkurrenz.“ Das ist der aktuelle Stand. Wir bekommen nicht, was wir zur Reparatur brauchen. 
Doch ich kann Ihnen aus erster Hand sagen: Der Trend zur Wegwerfgesellschaft kehrt sich gerade weltweit um. Es macht richtig Spaß, Ihnen davon zu berichten. Im Jahr 2014 schlugen wir das erste digitale Gesetz „Recht auf Reparatur“ vor. Das wurde die Vorlage für viele andere Gesetze. Dieses Jahr wurden sie in 27 US-Staaten aufgegriffen und sie werden nun verabschiedet. Wir erfahren tatkräftige Unterstützung von der Bundeshandelskomission und der Biden-Regierung, die äußern, wir als Nation sollten Reparaturen am freien Markt fördern. Damit stehen wir nicht allein. Kanada und Australien gehen einen ähnlichen Weg. Auch die Europäische Union hat mit mehreren Verordnungen den Einsatz von Klebstoffen beim Bau von Produkten eingeschränkt. Denn wenn man ein Gerät nicht öffnen kann, kann man es nicht reparieren. Frankreich hat eine andere Idee. Hersteller müssen sich selbst nach ihrer Reparaturfähigkeit bewerten. Diese Werte werden zur Orientierung der Verbraucher veröffentlicht. Auf der ganzen Welt entstehen Gruppen, die bei Reparaturen helfen, auch ohne staatliche Regelungen. Vielleicht haben Sie schon Anzeigen von Repair-Cafés gesehen. Das erste Repair-Café startete 2009 in Dänemark. Inzwischen gibt es über 2.000 Ortsgruppen. Auf Webseiten wie von YouTube und einer Firma namens ifixit.com gibt es zehntausende Videos mit Reparaturanleitungen, um den Menschen weiterzuhelfen. Letztes Jahr verzeichnete die Seite 116 Millionen Besucher -- es ist doch ganz klar, dass Reparaturbedarf besteht. 
Die Umkehr von der Wegwerfgesellschaft ermutigt mich. Wir werden unsere Sachen bald wieder reparieren können. Wir werden unsere Geräte nutzen können, wie und wann wir wollen. Wir werden die digitale Kluft überwinden und neue Stellen schaffen. Und wir werden alle jubeln können: „Ja! Ich hab’s repariert!“ 
Wenn also das nächste Mal etwas kaputtgeht, akzeptieren Sie „kaputt“ nicht als Antwort. Reparieren Sie! 
(Applaus) 
Vielen Dank. 
