Die ausgetrocknete australische Erde entlang watschelnd, sucht dieses Schnabeltier- weibchen nach Wasser. Die extreme Dürre des letzten Jahres hat Flüsse und Bäche in Rinnsale verwandelt. Das Weibchen überlebte nur mit Müh und Not und konnte sich nicht fortpflanzen. Wird das nächste Jahr mehr Glück bringen? 
Es ist Herbst und endlich fallen dicke Regentropfen vom Himmel. Binnen weniger Tage findet das Weibchen einen Fluss und beginnt zu jagen. Die Schwimmhäute an ihren Füßen treiben sie vorwärts und das wasserabweisende Fell hält ihren Körper warm. Unter Wasser nimmt sie die Umgebung mit ihrem entenartigen Schnabel wahr, welcher mit etwa 40′000 Elektrorezeptoren ausgestattet ist. Dank diesen Rezeptoren kann sie die kleinsten elektrischen Signale erfassen, welche die Nerven und Muskeln einer Glasgarnele aussenden. Eine schnelle Zwischenmahlzeit. Die Schnabeltierdame kraxelt wieder an Land, um ihren Bau anzulegen. Ihr watschelnder Gang ähnelt dem der Echsen, indem sich ihre Extremitäten horizontal zu ihrer Wirbelsäule bewegen. 
Das Schnabeltier hat viele Eigenarten. Es ist Teil der Ordnung der Kloakentiere, dem ältesten noch lebenden Säugetierstamm. Daraus folgt eine sonderbare Mischung von Merkmalen der Säugetiere, Vögel und Reptilien, was sich in ihrem Genom widerspiegelt. So bestimmt beim Säugetier normalerweise ein Chromosomenpaar das Geschlecht. Das Schnabeltier aber hat fünf Paare, die eher jenen eines Vogels ähneln. Hoffentlich kann es diese auch nutzen. 
Es erlangt seine Kraft wieder und mit dem Frühling kommt die Paarungszeit. Allerdings kann sie ihre Jungen nicht hier aufziehen. Das umliegende Land wird bereits abgeholzt, was zur Erosion des Flussufers führt. Deshalb schwimmt sie flussaufwärts und lässt sich in einem tiefen, klaren Teich, im Schutze eines Roten Eukalyptus nieder. Plötzlich scheucht ein Rascheln die Vögel im Gestrüpp auf. Ein Fuchs taucht auf. Dieser Jäger bedroht das Schnabeltier seit er 1855 von weißen Siedlern nach Australien gebracht wurde. Dieses Mal hat der Fuchs sie nicht entdeckt, doch sie muss wachsam bleiben. 
In diesem Gebiet leben ebenfalls zwei Männchen, die schon bald um ihre Aufmerksamkeit buhlen werden. Beide besitzen an den Hinterbeinen Sporen, die ein starkes Gift produzieren. Vertreibt ein Männchen das andere, umwirbt es das Weibchen über mehrere Wochen. Es schwimmt neben ihr her und schnappt immer wieder nach ihrem Schwanz. Schliesslich akzeptiert sie seine Annäherung und sie schwimmen zusammen im Kreis, bevor es zum Akt kommt. Der Penis des Schnabeltiers hat sehr ausgefallene Merkmale. Zwei “Köpfe” und mehrere Stacheln begünstigen die Befruchtung. 
In der darauffolgenden Woche legt das Weibchen einen weitläufigen Bau an, ausgestattet mit einem warmen Nest. Sie stopft die Eingänge zu, damit potenzielle Feinde in Sackgassen laufen. Ganz wie ein Reptil oder Vogel legt sie dann ihre Eier durch die Kloake: eine Öffnung, die sowohl zur Fortpflanzung als auch Ausscheidung genutzt wird. Das Weibchen brütet und mit dem Blühen des Roten Eukalyptus, schlüpfen auch ihre Jungen. 
So wie andere Säugetiere, bekommen sie Muttermilch. Da das Schnabeltier jedoch keine Nippel besitzt, sickert die Milch von den Brustdrüsen auf den Bauch, wo ihre Jungen sie auflecken. Die Milch vermischt sich so mit Bakterien, doch das Schnabeltier produziert starke antibakterielle Proteine, welche die Neugeborenen schützen. 
Die Mutter säugt die Jungen vier Monaten lang, jagt und repariert nebenbei den Bau, stets in Acht vor dem Fuchs. Bis ihre Jungen bereit sind, ihr Debüt zu machen, ist Sommer fast vorbei. Eines Abends, als das weibliche Schnabeltier von der Jagd zurückkehrt, bemerkt es, dass ein Nestling schon von alleine losgegangen ist. Ein paar Tage später verlassen die anderen auch den Bau. Bald leben ihre Jungen völlig unabhängig. Irgendwann werden sie den Fluss verlassen, um sich ein eigenes Zuhause zu bauen. 
