2010 entflog ein Papagei, der denselben britischen Akzent hatte wie sein Besitzer. Vier Jahre später wurden sie wieder vereint, aber diese Zeit hinterließ markante Spuren: Der Papagei hatte seinen britischen Akzent verloren und plapperte stattdessen Spanisch. 
Papageien und einige andere Vögel sind die einzigen Tiere, die wie Menschen sprechen können. Manche Papageien können das unheimlich gut. Wie ist das möglich? 
Die meisten wilden Papageien sind sehr gesellig. Sie benutzen Laute bei der Paarung, zur Abgrenzung des Territoriums und zur Koordination von Gruppenbewegungen. Einige Arten bilden Scharen, die sich ständig trennen und vereinen. Jeder Papagei muss also mit vielen anderen kommunizieren können. Papageien verwenden Kontaktrufe zur Interaktion und bleiben mit Artgenossen außer Sichtweite in Verbindung. Wie die Rufe eingesetzt werden, hängt von Art und Größe der Schar ab. 
So leben etwa Mönchssittiche  in großen Kolonien. Sie fallen durch individualisierte Kontaktrufe auf. Dagegen suchen Gelbnackenamazonen ihr Futter in kleineren Gruppen, die sehr ähnliche Kontaktrufe lernen und anwenden. Dieses Bedürfnis nach komplexer Nachahmung könnte erklären, warum Gelbnackenamazonen und andere Papageien zahlreiche Laute perfekt imitieren können -- einschließlich menschlicher Stimmen. 
Wie kann ein Papagei also sagen: “Polly will einen Cracker!“? Ein Mensch würde diese Laute mit dem Kehlkopf produzieren, dem Organ am Eingang zur Luftröhre. Er besteht aus Muskelringen und einer vibrierenden Membran, die den Luftstrom steuert. Sie formen Laute mit Hilfe von Zunge und Lippen zu artikulierten Wörtern um. 
Bei Papageien entstehen Laute  dagegen im Stimmkopf am Ende der Luftröhre. In diesem Organ haben viele Vögel zwei vibrierende Membranen. Aber Papageien haben wie Menschen nur eine. Wenn Laute die Luftröhre verlassen, werden sie mit Zunge und Schnabel geformt. Das gelingt Papageien dank der flexiblen und starken Zunge, mit der sie Körner und Nüsse manipulieren. Papageien haben zwar harte Schnäbel, aber sehr flexible Kiefergelenke. Dadurch können sie den Schnabel sehr weit und schnell öffnen. 
Wie andere Tiere mit einem Repertoire an Lauten haben auch Papageien Gehirne mit verknüpften Regionen, die komplexe Laute hören, aktivieren, modifizieren und produzieren können. Das Gehirn von Singvögeln enthält nur ein Gesangssystem. Doch fast alle Papageien scheinen einen zweiten Schaltkreis zu haben. Forschern zufolge gibt ihnen das mehr Flexibilität, wenn sie die Rufe ihrer Artgenossen -- oder von uns Menschen -- lernen. 
Dank dieser speziellen Anatomie können Papageien bellen, schreien, fluchen und Fakten rezitieren. Ein furchtloser entflogener Papagei fand zurück nach Hause, indem er hilfsbereiten Fremden seinen Namen und seine Adresse mitteilte. 
Aber diese erstaunlichen Fähigkeiten führen zu einer anderen Frage: Verstehen Papageien wirklich, was sie sagen? Sprechende Papageien in Gefangenschaft wollen vermutlich Kontakte knüpfen, weil sie keine Artgenossen haben. Viele assoziieren wohl etwas mit Wörtern und mögen solche, die bestimmte Reaktionen hervorrufen -- deshalb ihre Vorliebe für Obszönität. Aber insbesondere trainierte Papageien können adäquat auf Situationen reagieren und Wörtern Bedeutung beimessen, indem sie etwa am Ende des Tages “Gute Nacht” sagen, nach Leckereien betteln oder Objekte zählen und auswählen. Der bestens trainierte afrikanische Graupapagei Alex stellte als erstes nicht-menschliches Lebewesen eine existenzielle Frage, als er seine Farbe wissen wollte. 
Egal, ob sie Beyoncé schmettern,  zu Classic Rock mit dem Kopf wippen oder Zoobesucher wüst beschimpfen: Papageien verblüffen uns immer wieder, und das seit Jahrtausenden. Aber unsere Faszination für Papageien macht sie auch verwundbar. Begehrt von Wilderern und Tierhändlern, bedroht durch Abholzung ihrer Lebensräume, sind die Wildpopulationen von Papageien drastisch zurückgegangen. Um Papageien wirklich zu verstehen, müssen wir sie in freier Wildbahn erhalten und studieren. 
