Nach 200 Jahren britischer Herrschaft wurde Indien im August 1947 unabhängig. Es folgte eine der größten und blutigsten Zwangsmigrationen der Geschichte. Schätzungsweise eine Million Menschen kam ums Leben. 
Vor der britischen Kolonisierung war der indische Subkontinent ein Fleckenteppich regionaler Königreiche, sogenannter Fürstenstaaten, bevölkert von Hindus, Moslems, Sikhs, Jinisten, Buddhisten, Christen, Parsen und Juden. Jeder Fürstenstaat hatte eigene Traditionen, Kasten und eine eigene Führung. 
Seit dem 16. Jahrhundert wurde Indien von europäischen Mächten durch Handelsansiedlungen an den Küsten kolonialisiert. Mitte des 18. Jahrhunderts etablierte sich die Britische Ostindien-Kompanie als größte Kolonialmacht in Indien. Einige Provinzen wurden direkt,  die Fürstenstaaten indirekt verwaltet. Unter indirekter Herrschaft blieben die Fürstenstaaten unabhängig, machten den Briten aber politische und finanzielle Zugeständnisse. 
Im 19. Jahrhundert wurden die Inder  nach religiöser Identität kategorisiert -- eine grobe Vereinfachung indischer Gemeinschaften. Die Hindus zählten als “Mehrheit”, alle anderen religiösen Gemeinschaften als “Minderheit”, deren größte die Muslime waren. Sikhs wurden von allen außer sich selbst als Hindus betrachtet. Bei Wahlen konnte man nur für Kandidaten der eigenen Religionsgruppe stimmen. So wurden Unterschiede übertrieben und Zwietracht unter Gemeinschaften gesät, die zuvor zusammengelebt hatten. 
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts formierten sich antikoloniale Bewegungen, wo Inder für die Unabhängigkeit von Großbritannien kämpften. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab Großbritannien, selbst durch den Krieg finanziell schwer angeschlagen, endlich nach. Die politischen Anführer Indiens waren über ein unabhängiges Indien geteilter Meinung. Mohandas Ghandi und Jawaharlal Nehru, die Vertreter der Hindu-Mehrheit, waren für ein vereintes Indien. Muhammad Ali Jinnah, Anführer der muslimischen Minderheit, hielt die Gräben der Kolonialisierung für zu tief für einen Konsens. Jinnah wollte eine Teilung in zwei Länder, in der Muslime eine Heimat  namens Pakistan bekämen. 
Nach Aufständen 1946 und 1947 beschleunigen die Briten ihren Rückzug und planten die Unabhängigkeit hinter verschlossenen Türen. Im Juni 1947 verkündete der britische Vizekönig die Unabhängigkeit Indiens für August sowie eine Teilung in ein hinduistisches Indien und ein muslimisches Pakistan, lieferte aber kaum Erklärungen zum Ablauf. 
Mit veralteten Karten, ungenauen Bevölkerungszahlen 
und minimalen Kenntnissen des Landes zog das Komitee in nur fünf Wochen eine Grenze und teilte drei Provinzen unter direkter britischer Herrschaft: Bengalen, Punjab und Assam. Die Grenze berücksichtigte Mehrheiten von Hindus und Muslimen, aber auch Faktoren wie Standort- und Bevölkerungsanteile. Grenzte eine Hindu-Mehrheit an das Gebiet einer anderen Hindu-Mehrheit, kam sie zu Indien, grenzte sie jedoch an muslimische Mehrheitsgebiete, wurde sie Pakistan zugeschlagen. Fürstenstaaten an der Grenze mussten sich für eine Nation entscheiden und verloren dabei ihre Souveränität. 
Während das Komitee an der neuen Landkarte arbeitete, zogen Hindus und Muslime in Gebiete, wo sie hofften, zur religiösen Mehrheit zu gehören --, doch es gab keine Garantie. Familien trennten sich. Aus Angst vor sexueller Gewalt wurden Töchter und Ehefrauen in als sicher geltende Gegenden geschickt. 
Die neue Karte erschien erst am 17. August 1947, zwei Tage nach der Unabhängigkeit. Die Provinzen Punjab und Bengalen wurden zum geografisch getrennten Ost- und Westpakistan. Der Rest wurde das hinduistische Indien. Innerhalb von zwei Jahren zogen Millionen Hindus und Sikhs aus Pakistan nach Indien und indische Muslime flohen aus Dörfern, wo ihre Familien jahrhundertelang gelebt hatten. Die Städte Lahore, Delhi, Kalkutta, Dhaka und Karatschi verloren alte Bewohner und füllten sich mit Flüchtlingen. Im Machtvakuum nach dem Abzug der britischen Truppen massakrierten radikale Milizen und örtliche Gruppen Migranten. Die meiste Gewalt geschah in Punjab, in erster Linie durch Vergewaltigungen und Verstümmelungen von Frauen. Etwa 100.000 Frauen wurden entführt und gezwungen, ihre Kidnapper zu heiraten. 
Die Probleme durch die Teilung gingen weit über die erste tödliche Zeit hinaus. Viele Familien, die auf Zeit wegzogen, wurden für immer vertrieben und der Grenzstreit ging weiter. 1971 spaltete sich Ostpakistan ab und wurde zum neuen Land Bangladesch. Zugleich beschloss der Hinduführer Kaschmirs den Anschluss an Indien -- was von der muslimischen Mehrheit durch eine Volksabstimmung  legitimiert werden sollte. Diese Abstimmung hat bis 2020 noch nicht stattgefunden; Indien und Pakistan führen seit 1947 wegen Kaschmir Krieg. 
Mehr als 70 Jahre später bleibt das Vermächtnis der Teilung auf dem Subkontinent sichtbar: in dessen neuen politischen Gebilden und den Erinnerungen getrennter Familien. 
