In den reichsten Kreisen des viktorianischen Englands waren bizarre Moden weit verbreitet. Doch keine war wohl so seltsam wie die Bandwurm-Diät: Diätwillige schluckten einen ungeschlüpften Bandwurm und ließen ihn durch unverdautes Essen in sich wachsen. Das ist offenbar eine extrem gefährliche, ungesunde Art der Gewichtskontrolle. Zwar sind moderne Diäten meist nicht so extrem, doch sie versprechen Ähnliches: schnelles Abnehmen. Gibt es also schnelle Diäten, die funktionieren? Sind irgendwelche davon gesund? 
Als Antwort hier ein Gedankenexperiment. Sam und Felix sind eineiige Zwillinge. Beide planen eine Diät. Sie sind gleich groß und schwer mit gleicher Muskel- und Fettmasse. Doch Sam möchte langsam abnehmen und Felix schnell. 
Sam plant, seine Kalorienaufnahme langsam zu reduzieren und mehr Sport zu treiben. Da weniger Energie eingespeist und mehr verbraucht wird, erzeugt er in seinem Körper ein Energiedefizit. Zum Ausgleich baut Sams Körper seinen Notvorrat an Glukose ab, der in der Leber als Glykogen gespeichert ist. Nach 4 bis 6 Stunden beginnt Sams Körper, als Hauptenergiequelle Fettzellen zu verbrennen. Dieser Prozess setzt Lipidtröpfchen frei, die zersetzt werden, durch den Blutkreislauf fließen und Organe sowie Gewebe mit Energie versorgen. 
Felix will ein ähnliches Energiedefizit erzeugen, indem er seine Kalorienzufuhr drastisch reduziert. Im Gegensatz zu Sam, der kleinere Mahlzeiten isst, isst Felix fast nichts. Darauf geht sein Körper in den Hungerstoffwechsel-Modus. Er baut den gesamten Vorrat an Notfall-Glukose in nur 18 Stunden ab. Während Sam mit jeder gesunden Mahlzeit wieder Glykogen aufnimmt, leistet Felix’ kalorienarme Diät das nicht. Sein energiehungriger Körper beginnt, andere Stoffe abzubauen, inklusive seiner Muskeln. Sam erhält seine Muskelmasse durch regelmäßigen Sport. Daher verbraucht er mehr Energie beim Training und im Schlaf und nimmt so leichter ab. Felix dagegen verliert Muskelmasse und verbrennt bei den Grundfunktionen seines Körpers weniger Kalorien, was das Abnehmen weiter erschwert. 
Doch ein Aspekt von Felix’ schneller Diät könnte suggerieren, er sei auf dem richtigen Weg. Jedes Gramm Glykogen ist an mehrere Gramm Wasser gebunden. Das kann bis zu zwei Kilo Wassergewicht ausmachen, das verloren geht, wenn das Glykogen aufgebraucht ist. Für Felix kann es so aussehen, als würde er schnell abnehmen. Aber sobald er aufhört zu hungern, füllt sein Körper den Glykogenvorrat auf und er nimmt wieder zu. 
Offenbar richtet Felix’ Plan mehr Schaden als Gutes an. Doch extrem kalorienreduzierte Diäten sind nicht die einzigen Kuren, die schnelles Abnehmen versprechen. Sogenannte “Entgiftungsdiäten” fördern oder beschränken einige Lebensmittel, um bestimmte Nährstoffe in großen Mengen zu liefern. Sie können bei einigen Ernährungsproblemen nützlich sein, sind jedoch zu spezifisch, um als Allheilmittel zu gelten. Zum Beispiel könnte bei Vitamin-A-Mangel eine Saftkur helfen. Aber für jemanden mit zu viel Vitamin A wäre das eine Katastrophe. Unabhängig von der persönlichen Ernährung könnte eine Saftdiät über viele Wochen wegen eines Mangels an essentiellen Fetten und Proteinen das Immunsystem beeinträchtigen. 
Darin liegt das Problem all dieser schnelllebigen Diäten: Egal ob man Kalorien oder Lebensmittelgruppen spart, Extremdiäten sind ein Schock für das System. Es gibt bewährte Raten für gesundes Abnehmen durch Diät und Sport mit Rücksicht auf genetische und medizinische Unterschiede. Diese Zeitvorgaben erfordern einen nachhaltigen Ernährungsstil. Einige der schlimmsten Nebenwirkungen von Extremdiäten werden selten thematisiert, da so wenige dabei bleiben. Erwähnenswert ist auch, dass viele Gesellschaften ungesunde Ansichten von Gewicht haben und sich viele aus anderen Gründen als Gesundheit oder Glück eine Diät antun. Anstatt zu versuchen, schnell abzunehmen, sollten wir uns Zeit nehmen, um herauszufinden welcher Lebensstil für uns am gesündesten ist. 
