Es ist Mitternacht des 16. September 2017, 60 Kilometer der  bulgarischen Küste entfernt, zwei Kilometern unter der Oberfläche des Schwarzen Meeres. Ein ferngesteuertes Fahrzeug vermisst den Meeresboden und überträgt dabei Videoaufzeichnungen an die Forscher oben. Plötzlich erkennt es ein geisterhaftes Schiff in der Dunkelheit. Doch es ist ein Relikt  aus einer anderen Zeit. 
Ohne Zweifel, es ist  ein uraltes Schiffswrack, aber der Mast, die Ruderbänke und ein Teil des Oberdecks in Takt geblieben. Es mag ein altes römisches Schiff sein, doch sein Aussehen passt nicht ganz. Erstaunlich ist das gespreizte Ruderblatt, dass eher Steuerruder gleicht, welche auf antiken, griechischen Vasen abgebildet sind. Um eine endgültige Antwort zu erhalten, nehmen die Forscher drei Proben vom Wrack. Die Radiokarbonmethode bestätigt den antiken Ursprung des Schiffes. Das Wrack wird zwischen den Jahren 350 und 410 vor Christus datiert. Tatsächlich ist es das älteste, intakte Wracks, das jemals gefunden wurde. Dieses antike, griechische Schiff überquerte das Schwarze Meer während der Zeit Aristoteles  und ruhte seither fast 2.500 Jahre ungesehen  und ungestört in den Tiefen. 
Es war eines von 65 Schiffswracks, welches ein Forscherteam zwischen 2015 und 2017 auf dem Grunde des Meeres gefunden hat. Andere stammen aus dem römischen, byzantinischen und osmanischen Reich. Trotz Jahrhunderten überdauerten alle in einem bemerkenswerten Zustand. Warum gibt es denn im Schwarzen Meer so viele gut erhaltene Schiffswracks? 
In prähistorischen Zeiten beherbergte das Land rund um dieses Meer frühe menschliche Siedlungen. Schließlich wurde es aufgrund seiner strategischen Lage zum Zentrum für Handel, Reichsbildungen und Schlachten zwischen der östlichen und westlichen  eurasischen Zivilisation Tausende von Jahren wurde es von Piraten,  Kaufleuten und Kriegern überquert. Mit anhaltender Seefahrtstätigkeit kamen unvermeidlich Verluste. 
Im Gegensatz zu anderen Gewässern in der Region, ist das Schwarze Meer ein besonders tiefes, halbgeschlossenes Becken. Gewöhnlichführen saisonale Veränderungen dazu, dass sich Schichten in geschlossenen Gewässern mit sauerstoffhaltigen Wasser vermischen. Das Schwarze Meer wird jedoch mit Süßwasser europäischen Flüssen und Salzwasser aus dem Mittelmeer gespeist und besteht auf zwei ungleichen Schichten. Das dichtere Salzwasser fließt unter das Süsswasser, wo es permanent bleibt. Somit ist es das größte, meromiktische - nicht-vermischende Meeresbecken der Welt. Sauerstoff gelangt nicht in die tiefere, salzhaltige Zone, was dieses ideale Umfeld für die Konservierung schafft. Deshalb wird das Schwarze Meer auch als “das größte Gurkenglas der Welt” genannt. 
In anderen Gewässern werden Materialien  allmählich von Meeresorganismen zersetzt. Wäre dieses antike, griechische Schiff zum Beispiel im Mittelmeer versunken, gäbe es heute wahrscheinlich kein organisches Material mehr. Aber in den Tiefen des Schwarzen Meeres können nur anaerobe Bakterien überleben,  die keinen Sauerstoffe benötigen. Deswegen kann man noch heute alte Schiffe finden, welche die ursprüngliche Fracht, mit Schnitzereien im Holz und der Takelage immernoch intakt. 
Bei den Funden war ein mittelalterliches, italienisches Handelsschiff, stammend aus der Zeit als Italien das Monopol über den Schwarzmeerhandel hatte. Der venezianische Reisende, Marco Polo, dürfte wohl mit dieser Art von Schiffen vertraut gewesen sein. Obwohl Schiffe wie diese dazu betrugen, Europa zu modernisieren, hatten heutige Gelehrte noch so ein vollständiges Exemplar gesehen. Es war weitgehend intakt! Selbst das Schiffsboot lag noch  auf dem Deck, dabei waren sieben Jahrhunderte vergangen. 
Die meisten der 65  kürzlich entdeckten Schiffe haben ihre ursprüngliche form bewahrt. Während in den Tiefen des Schwarzen Meer weniger abbauende Kräfte im Spiel sind, schwächen dennoch die anaeroben Bakterien allmählich das organische Material. 
Als Forscher zur Datierung eine Planke aus dem griechischen Schiff bergen wollten, brach sie in sich zusammen. Obwohl die Schiffe außergewöhnlich gut erhalten, sind sie dennoch zerbrechlich. Dies mache es unmöglich,  sie intakt an die Oberfläche zu bringen. Forscher können sorgfältig ausgewählte Teile entfernen und studieren. Aber die versunkenen Schiffe bleiben dort geschützt, wo sie jetzt sind, vielleicht inmitten von Tausenden anderen, tief unter uns, in der Zeit schwebend, auf dem Grund des Schwarzen Meeres. 
