Jahrelang haben Wissenschaftler diesen entlegenen Wald in Montana abgesucht nach einem Tier, das bekanntlich schwer zu finden ist. Kamerafallen ergaben keine  eindeutigen Beweise und auch Experten können die Spuren  nicht mit Sicherheit identifizieren. Aber während der letzten Dekaden wurden Methoden entwickelt, die sogar die  am schwersten fassbaren Spezies aufspüren. 2018 haben Forscher eine Probe von einigen auffallenden Schneespuren genommen. Laboruntersuchungen lieferten  eindeutige Ergebnisse: in der Gegend lebt tatsächlich  der kanadische Luchs. Ohne die Katze zu sehen, hatten Forscher Beweise, dass sie dort lebt wegen der Umwelt-DNA oder eDNA. Mit einer Technik, die sich  Metabarkodierung nennt, können Forscher eine Probe aus der Umwelt entnehmen und herausfinden, welche Organismen dort leben oder sie kürzlich durchquert haben. Die Welt ist von DNA umgeben. Sie ist überall um uns - auf dem Boden, am Meeresgrund und über uns in den Wolken. Vielzeller verlieren ständig Zellen. Aber bis vor Kurzem war eDNA für uns nicht von großem Nutzen. Herkömmliche wissenschaftliche Methoden konnten Umweltproben nicht analysieren da diese verschiedenes Erbgut  mehrerer Spezies enthalten. Aber Metabarkodierung macht es möglich. Sobald DNA in die Umwelt gelangt,  beginnt sie, sich abzubauen. Im Meer bleibt sie zum Beispiel nur einige Tage erhalten. In vielerlei Hinsicht ist eDNA hilfreich  zum Berichten über die nahe Vergangenheit. Der Prozess der DNA-Metabarkodierung  beginnt mit einer Probe aus der Umwelt wie einer Bodenprobe, einem Fläschchen  Wasser, Exkrementen, einer Insektenfalle, oder sogar dem Blut aus dem  Bauch eines Blutegels. Die Forscher sieben dann alles außer DNA  aus, indem sie die Probe mischen und Enzyme verwenden, die Membranproteine  aufbrechen und DNA freisetzen, welche sie reinigen. Das Ergebnis ist ein “Brei”  aus all der DNA in der Probe. Forscher wenden dann die  Polymerase-Kettenreaktion oder PCR an, welche künstliche DNA-Stränge verwendet, die universelle Primer genannt werden. Diese Primer binden DNA-Abschnitte, die bei verschiedenen Spezies gleich sind, dann erweitern sie DNA-Barcodes,  die speziesabhängig sind. Hochdurchsatz-Segmentierung liest dann  Millionen dieser DNA-Fragmente - gleichzeitig. Schließlich vergleichen Forscher  sie mit Referenzdatenbanken und stellen fest, wie viele und  welche Spezies vorhanden sind - oder ob sie komplett neue gefunden haben. Diese Methode hat zur Entdeckung von  zehntausenden neuen Arten geführt im letzten Jahrzehnt. Die Metabarkodierung kann sowohl seltene Tiere wie den kanadischen Luchs aufspüren als auch dabei helfen, invasive  Arten zu identifizieren. Im Yosemite-Park wurden durch eDNA  Ochsenfrösche aufgespürt und entfernt. Als es keine Spuren dieser  Amphibien mehr gab, wurde der bedrohte einheimische  Kalifornische Rotbeinfrosch zurückgebracht der ungefähr 50 Jahre zuvor aus der Gegend verschwunden war. Metabarkodierung kann auch zur  Überwachung der Biodiversität dienen. Mit herkömmlichen Methoden, kann es z.B. Jahrhunderte dauern, alle Insekten in einem Hektar  Regenwald zu kategorisieren. Aber durch DNA aus Insektenfallen könnte  dies in wenigen Monaten erfolgen. Eine Studie verglich Insekten aus  angrenzenden Wäldern und Plantagen in der chinesischen Provinz Yunnan. Schnell fand man heraus, dass Plantagen nicht nur eine geringere Diversität hatten sondern die Waldrodung verschiedene Insektengruppen ungleich betraf. Grashüpfer verbreiteten sich in gerodeten  Gegenden, die Waldkäfer wurden weniger. Mit eDNA können Forscher komplexe Zusammenspiele im Ökosystem untersuchen. Tausende Insekten im Auge behalten während sie Blumen aufsuchen ist unmöglich. Forscher können aber die auf den Blumen  und Insekten hinterlassene DNA untersuchen um Bestäubungsnetzwerke abzubilden. Bevor wir über diese Techniken verfügten wussten wir nicht, wie viel Bestäubung in der Nacht stattfindet, da wir es nicht beobachten konnten. Jetzt wissen Forscher, dass Motten  wichtige nächtliche Bestäuber sind. eDNA kann sogar Geschichten über längst ausgestorbene Arten erzählen. Kalte, trockene und sauerstoffarme Bedin- gungen sind perfekt zur Erbguterhaltung. Als sie tief in den arktischen Permafrost gegraben haben, haben Forscher 50.000 Jahre  alte DNA gefunden, die sie mit den nährstoffreichen  Pflanzen verglichen haben, die in den Mägen von  Wollhaarmammuts gefunden wurden. Durch eDNA haben sie auch herausgefunden,  dass weniger nährstoffreiche Gräser sich während der letzten Eiszeit  in der Arktis ausbreiteten, und möglicherweise zum Rückgang der Mammuts beigetragen haben. Da wir uns in einer weiteren Phase des Klimawandels befinden - diesmal aufgrund des Menschen - ist es ausschlaggebend, die sich schnell verändernde Biodiversität unseres Planeten zu verstehen, um sie zu schützen. eDNA und Metabarkodierung geben uns zum Glück die Mittel zur Dokumentation  schneller Veränderungen in Echtzeit. 
