“Lexikon”: Substantiv, ”bösartiges literarisches Mittel, um das Wachstum von Sprache zu hemmen und sie hart und unflexibel zu machen.” 
“Lexikograph”: Substantiv, 
“Wörterbuchautor; harmloser Schreiberling.” 
Zwar geht die Idee von Wörterbüchern auf alte Kulturen zurück, doch wurde das erste englische Wörterbuch erst 1604 von Robert Cawdrey publiziert. In den folgenden Jahrhunderten erschienen viele weitere Wörterbücher verschiedener Autoren, die nach eigenem Gutdünken Inhalte bestimmten. Sie definierten nicht nur Wörter, sondern propagierten ganz offen Meinungen wie Ambrose Bierces Definition von “Wörterbuch” und Samuel Johnsons Definition von “Lexikograph”. Nach dem Tod ihrer Autoren veralteten viele Wörterbücher schnell. Doch ein Wörterbuch des 19. Jahrhunderts hatte ein anderes Schicksal. 
1828 veröffentlichte  der US-Anwalt und Autor Noah Webster “Ein amerikanisches Wörterterbuch des Englischen” mit einem hohen Ziel: den USA ihre eigene Version der englischen Sprache zu geben. Er glaubte, als neue Nation brauchten die USA ihre eigene Version des Englischen, 
um die Unabhängigkeit von Großbritannien zu betonen. In seinem Wörterbuch wollte Webster die amerikanische Sprechweise beschreiben und kodifizieren. Zu Websters Zeiten waren die meisten Wörterbücher normativ: Sie diktierten den Gebrauch von Wörtern, statt den Gebrauch der Sprache im täglichen Leben zu dokumentieren. Als Webster mit dieser Konvention brach und Slangwörter ins Wörterbuch aufnahm, warfen ihm Kritiker vor, die englische Sprache zu besudeln. Doch er argumentierte, diese Wörter drückten lokale Sprachvarianten aus, trügen also wesentlich zum Charakter des US-Amerikanischen bei. Auch hielt er die Rechtschreibregeln für viel zu komplex; man solle eher möglichst schreiben, wie gesprochen werde. Doch ließ sich Webster bei der Aufnahme von Wörtern und deren Definition von seinen Auffassungen beeinflussen. Er schloss Slangwörter schwarzer Communitys aus, weil er sie für unpassend hielt. Beim Begriff “Frau” schrieb er: “Frauen sind sanft, mild, mitleidsvoll und anpassungsfähig.” 
Als Noah Webster starb, war sein Name längst ein Begriff. Die Brüder George und Charles Merriam witterten ein lukratives Geschäft und kauften die Rechte von Websters Wörterbuch. Mit Websters Schwiegersohn gestalteten sie eine neue, überarbeitete Version. Das war der Beginn des Merriam-Webster-Wörterbuchs. 
Heute thematisiert dieses Wörterbuch einen Widerspruch in Websters Zielsetzung: Webster wollte eine ganze Nation darstellen, gründete aber seine Arbeit nur auf eine einzige Meinung: seine eigene. Seit Websters Tod wird jede Neuausgabe des Wörterbuchs von einer Gruppe Sprachexperten statt nur von einer Autorität betreut. Soll heute ein Wort ins Wörterbuch aufgenommen werden, muss es “weit verbreitet, nachhaltig und bedeutungsstark” sein. Das schließt eindeutig Vulgarismen mit ein, die es früher manchmal nicht ins Wörterbuch schafften. Auch rassistische Beleidigungen erfüllen die Aufnahmekriterien, doch manche argumentieren, das führe zu ihrer Legitimation. 
Wörterbücher bringen nicht nur neue Wörter, sie definieren auch alte Wörter neu, um den Wandel in Gesinnung  und Gebrauch zu dokumentieren. Ein Wörterbuch von 1736  definierte “wife” als “verheiratete Frau, deren Wille kraft Gesetz dem ihres Ehemanns unterworfen ist: daher gilt allgemein, dass Ehefrauen keinen Willen haben.” Heute lautet die Definition von “wife” einfach “Ehepartnerin”. 2019 kürte Merriam-Webster “they” zum Wort des Jahres. Es ist seit Jahrhunderten geläufig, hat aber erst seit Kurzem eine neue, anerkannte Bedeutung -- als Pronomen für jemanden mit nicht-binärer Geschlechtsidentität. 
Welche Wörter ins Wörterbuch gehören, geht uns alle etwas an: Sind dort unsere Wörter und Definitionen, werden sie anerkannt, wenn nicht, werden sie -- und wir -- herabgewürdigt. Heute berücksichtigen Lexikographen bei der Wortauswahl auch Wörterbuchnutzer: Sie spüren die meistgesuchten Wörter auf und integrieren sie ins Wörterbuch. 
Wer entscheidet also, was im Wörterbuch steht? Die Antwort lautet mehr denn je: wir. Wir alle prägen täglich die Sprache. Wenn wir gemeinsam Wörter akzeptieren oder andere neu definieren, dann finden diese Wörter und Bedeutungen schließlich Aufnahme im Wörterbuch. 
