Jedes Jahr, bevor die alten Griechen ihr Korn säten, huldigten sie Demeter, der Göttin der Landwirtschaft. Auf Erden bedeutete jeder Bissen süßen Proviant, aber im Reich der Toten verdammte Nahrung zu ewigem Verbleib. Demeter pflegte die Felder der Erde mit ihrer geliebten Tochter Persephone, die Demeters Hingabe erbte und zu einer klugen jungen Frau heranwuchs. Doch sie wurde ständig von einer unterirdischen Schattengestalt beobachtet. 
Eines Tages spielte Persephone auf einer Wiese mit einer Flussnymphe namens Kyane. Als sie eine blühende Narzisse bestaunten, bemerkten sie, dass diese im Boden zitterte. Plötzlich öffnete sich die Erde und eine schreckliche Gestalt erschien. Es war Hades,  Gott der Toten und der Unterwelt. Er riss Persephone von Kyane weg, zerrte sie in seinen schwarzen Streitwagen und jagte zurück in die Tiefe. 
Kyane weinte so sehr, 
dass sie sich auflöste und eins mit dem Fluss wurde. Als Demeter zum Ort der Entführung kam, war kein Krater mehr in der Wiese zu sehen -- Kyane und Persephone waren verschwunden. 
Demeter eilte zum Olymp, um Hilfe zu suchen. Viele Götter waren Zeugen der Szene gewesen. Sie wussten auch von der Vereinbarung, die die Entführung ermöglichte: Zeus, Persephones Vater, hatte sie Hades als Gemahlin versprochen -- ohne ihre Zustimmung oder die ihrer Mutter Demeter. Trotz Demeters Bitten schwiegen die anderen Götter. 
Also suchte sie ihre Tochter allein. In ihrer Trauer und Verzweiflung vernachlässigte sie ihre Pflichten. Die Pflanzen verdorrten und eine große Hungersnot suchte die Erde heim. Als die Sterblichen dahinschwanden, wurden die Götter unruhig. Wer würde sie anbeten, ihnen opfern, wenn die Menschen umkamen? Also befahl Zeus Demeter, die Suche zu beenden und zu ihren Pflichten zurückzukehren. Aber sie weigert sich. 
In der Tiefe, 
jenseits des eisigen Flusses Styx und in den Hallen der Unterwelt leistete Persephone auf ihre Weise Widerstand. Hades erwartete, sie solle ihm als Ehefrau und Königin dienen. Doch Persephone ließ ihn abblitzen und verweigerte jede Nahrung. Sie sehnte sich nach ihrer Mutter, dem Lachen ihrer Freunde und der Wärme der Sonne. Dabei fühlte sie sich immer kälter und einsamer. Zudem hatte sie entsetzlichen Hunger. Sie verlangte nach sättigendem Korn, knackigem Gemüse und frischem Obst. Beim Durchwandern der gespenstischen Gärten betrachtete sie die Granatäpfel, die schwer von den Zweigen hingen ... 
Unterdessen suchte Demeter weiter. Sie wandte sich an Helios, den allwissenden Sonnengott, der lange ihr Korn gewärmt hatte. Als Heliosan jenem unheilvollen Tag seinen Wagen über den Himmel lenkte, sah er, was passiert war -- und er kannte die Vereinbarung. Aus Respekt und Mitgefühl für Demeter berichtete er ihr von Hades Forderungen, Zeus’ Verrat und Persephones Entführung. 
Wütend und mit gebrochenem Herzen 
eilte Demeter zum Olymp und stellte Zeus zur Rede: Er solle ihre Tochter zurückgeben. Doch Zeus lehnte ab: In ihrem rasenden Hunger hatte Persephone ein paar Kerne der Granatäpfel gegessen, die in der Unterwelt wuchsen. Es waren nur wenige Kerne, doch sie genügten, sie für immer im Hades gefangen zu halten. Demeter akzeptierte dieses Schicksal nicht. Sie schwor, falls Persephone nicht zurückkehre, würden die Felder nie mehr gedeihen und bald gebe es keinen Unterschied mehr zwischen Erde und Unterwelt. Also schlossen sie einen Pakt. Zwei Drittel jedes Jahres würde Persephone ins Land der Lebenden zurückkehren, aber für den Rest, würde sie in der Welt der Toten bleiben. 
Als Persephone zur Erde aufstieg, waren Mutter und Tochter überglücklich. Sie badeten die Felder mit Regen und nährten sie mit der Sonne. Für die Menschen äutete Persephones Ankunft den Beginn des Frühlings ein. Doch ihr Abstieg kam immer zu früh. Immer wenn sie zu Hades zurückkehrte, trauerte Demeter und die Erde wurde kalt, dunkel und abweisend -- der Beginn der Wintermonate. Da sie wussten, dass Demeter sich nicht aus ihrem Kummer reißen ließ, lagerten die Menschen ihre Ernten ein, schürten das Feuer und warteten auf Persephones Rückkehr. Somit markierte ihr Kommen und Gehen den Wechsel der Jahreszeiten und den bittersüßen Kompromiss zwischen Leben und Tod. 
