Geschützt vom versteinernden Blick der Gorgonen, schlich Perseus durch Medusas Höhle. Als er Medusa erreichte, nahm er einen tiefen Atemzug und mit einer schnellen Bewegung zog er seine Sichel und ließ sie auf ihren Nacken schnellen. Medusas Kopf rollte auf den Boden und ihrem Nacken entsprangen zwei Kinder. 
Eines davon war Chrysaor, ein Riese, der ein goldenes Schwert schwang. Das andere war ein prächtiges weißes, geflügeltes Pferd, Pegasus. Es war schneller als jedes andere Ross und mit dem Stampfen seiner Hufe konnte er Berge versetzen und aus kargem Fels Bäche entspringen lassen. Kein Zaumzeug konnte ihn halten -- bis zu einem schicksalhaften Tag. 
Bellerophon, Herrscher des griechischen Stadtstaats Korinth, schien alles zu haben. Aber seine Ambitionen überstiegen seine weltlichen Verhältnisse. Er wollte ein so großer Held sein, dass die Götter ihn auf dem Olymp willkommen heißen würden. Bellerophon glaubte, Pegasus würde ihm helfen können, solche Höhen zu erreichen. 
Eines Nachts ging er zum Tempel der Athene, der Göttin des Kriegs und der Weisheit, und betete für die Kraft das göttliche Tier zu zähmen. Als Bellerophon erwachte, fand er ein magisches goldenes Zaumzeug und lief zur Quelle, aus der Pegasus trank. Sobald sich das Pferd über das Wasser beugte, sprang Bellerophon auf seinen Rücken und zog das Zaumzeug über. Schließlich war Pegasus gebändigt. Durch diese Eroberung fühlte Bellerophon, dass er auf dem Weg war, ein legendärer Held zu werden. Er trainierte Tag und Nacht für den Kampf. Aber ein Training lief schrecklich schief und Bellerophon verletzte seinen Bruder Deliades tödlich. 
Er fiel in Ungnade und wurde nach Argos verbannt, wo König Proetus ihn läuterte. Bellerophon war entschlossen, seinen Ruf wiederherzustellen, doch die Königin von Argos entbrannte in Liebe zu ihm. Als Bellerophon sie zurückwies, beschuldigte sie ihn, sie verführen zu wollen, was seine Ehre noch mehr beschmutzte. 
König Proetus schmiedete bald einen Plan, um sich zu rächen. Er verbannte Bellerophon und Pegasus in das Königreich Lykien mit einer Nachricht an dessen König Iobates. Bellerophon ahnte nicht, dass er sein eigenes Todesurteil bei sich trug. Iobates überlegte, wie er den Jüngling beseitigen konnte, und wählte dafür ein geeignetes Ungeheuer aus: die Chimära, ein feuerspeiendes Wesen aus Löwe, Ziege und Drache, das sein Königreich seit langem terrorisierte. Begierig, Großes zu erreichen, nahm Bellerophon die Herausforderung an. 
Er sattelte Pegasus und die beiden schossen in den Himmel. Als sie über der Erde schwebten, sahen sie die Chimära inmitten ihrer verkohlten Opfer. Schon bald gerieten auch sie in die Nähe ihrer Feuerkraft. Mit akrobatischer Wendigkeit wich Pegasus jedem Feuerstoß der Chimära aus, während Bellerophon seine Pfeile abschoss. Schließlich näherte sich Pegasus genau im richtigen Winkel, und Bellerophon versetzte dem Ungeheuer den Todesstoß. 
Iobates konnte es nicht glauben. Er war froh, das Monster los zu sein, doch er musste sich noch mit Bellerophon befassen. Also gab er ihm weitere Aufgaben und ließ ihn gegen grausige Krieger, ausgezeichnete Bogenschützen und schließlich gegen Lykiens beste Soldaten antreten. Jedes Mal wendete Pegasus’ Macht das Blatt zu Bellerophons Gunsten. 
Schließlich hatte Iobates keine andere Wahl als zuzugeben, dass Bellerophon ein echter Held war. Er bot ihm sogar die Hand seiner Tochter. Doch Bellerophons Ziele lagen weit jenseits des Landes der Sterblichen. Er war sich sicher, jetzt Anspruch auf einen Platz auf dem Olymp zu haben. Also sprang er auf Pegasus und trieb ihn immer höher. 
Zeus beobachtete Bellerophon, wie er sich, von Hochmut getrieben, seinem Palast näherte. Um den Jüngling zu bestrafen, sandte er eine Bremse aus, die sich auf Pegasus stürzte und ihn ins Fleisch stach. Bellerophons Höhenflug war zu Ende. Als Pegasus zuckte, schleuderte er seinen Reiter in die Luft und Bellerophon stürzte in rasendem Fall auf die Erde zurück. 
Pegasus hingegen erklomm den Olymp mit Zeus’ Segen. Die Götter hießen ihn in ihren Hallen willkommen und verewigten ihn in einem Sternbild. Dort am Nachthimmel kann man Pegasus fliegen sehen, ungehindert und frei. 
