Das Wetter in Island ist zwar oft kalt, nass und windig, doch unter der Oberfläche brodelt ein nahezu endloser Wärmevorrat. Tatsächlich wird fast jedes Gebäude des Landes mit Erdwärme beheizt -- in einem Prozess, der kaum CO2 freisetzt. Wie genau funktioniert diese erneuerbare Energiequelle? 
Zwischen Erdkern und Erdkruste befindet sich der Erdmantel, eine Schicht aus festem und teilweise geschmolzenem Gestein. Dort herrschen Temperaturen  von 1.000 bis 3.500 Grad Celsius. Ein Teil der Hitze stammt  vom Zerfall radioaktiver Metalle. Doch das meiste stammt vom Erdkern, der seit seiner Entstehung vor über 4 Milliarden Jahren Energie abstrahlt. Zwar zirkuliert der Mantel langsam 40 Kilometer unterhalb der Erdkruste, doch an manchen Orten steigt er näher an die Oberfläche. Hier bildet das Magma Taschen und Venen im Boden; dabei erhitzt es unterirdische Flüsse und Becken auf Temperaturen bis 300 Grad. 
Mit der Steuerung heißen Wassers lässt sich Erdwärme nutzen, und zwar auf zwei Arten. Man kann ein Erdwärmekraftwerk bauen, das mit diesen heißen, tiefen Reservoirs Elektrizität produziert. Zuerst bohren Ingenieure einen mehrere Kilometer tiefen Schacht in durchlässiges Gestein wie Sandstein oder Basalt. Fließt das heiße, unter Hochdruck stehende Grundwasser in den Schacht, produziert der schnelle Druck- und Temperaturwandel große Mengen Dampf. Dieser Dampf dreht die Turbinenblätter und erzeugt Elektrizität. Abgekühltes Wasser und kondensierter Dampf werden dann zurück in den Boden gepumpt und erzeugen einen offenen Kreislauf, der ohne Wasserverlust  Energie bereitstellt. 
Man muss aber nicht immer so tief bohren, um die Wärme des Planeten zu nutzen. Durch Sonneneinstrahlung erwärmt sich der Boden in 1,5 m Tiefe und erreicht Temperaturen über 20 Grad Celsius. Wärmepumpen leiten Wasser oder Kühlmittel durch diese Erdschicht, um deren Wärme abzuzapfen. Die Flüssigkeiten werden durch die örtliche Infrastruktur gepumpt, verteilen ihre Wärme und kehren dann in den Boden zurück, um wieder Energie aufzunehmen. Obwohl Energie von außen benötigt wird, um die Pumpen zu betreiben, erhalten wir viel mehr Energie, als wir investieren. Dieser Prozess ist also  ein nachhaltiger Kreislauf. Geothermale Wärmepumpen sind günstiger zu betreiben und mindestens doppelt so effizient wie Äquivalente fossiler Brennstoffe. Ob Geothermalenergie direkt unter unseren Füßen abgegeben wird oder Wasser in großer Tiefe erhitzt wird, unsere Erde strahlt konstant Energie ab. Übers Jahr verteilt gibt die Erde dreimal mehr Energie ab, als die Menschheit verbraucht. Warum macht Erdwärme also nur 0,2 % unserer Energieproduktion aus? 
Die Antwort hat mit  Hitze, Standort und Kosten zu tun. Da geothermale Wärmepumpen von konstanten Temperaturen nahe der Oberfläche abhängen, lassen sie sich fast überall installieren. Aber Wärmekraftwerke müssen heiße Geothermiefelder anzapfen -- Regionen, die heißer als 180 Grad sind und normalerweise mehrere Kilometer tief liegen. Diese Hochtemperaturzonen sind schwer zu finden und die Bohrung für nur einen von mehreren Schächten einer Anlage kann bis zu 20 Millionen Dollar kosten. Es gibt Regionen mit höher gelegenen geothermalen Feldern. Island und Japan liegen an aktiven Vulkanen und tektonischen Plattengrenzen, wo Magma durch die Kruste aufsteigt. Doch diese Faktoren machen solche Regionen anfälliger für Erdbeben, die auch durch intensive Bohrungen ausgelöst werden können. 
Erdwärme ist zwar sauber und erneuerbar, aber nicht ganz harmlos. Bohrungen können Gase freisetzen, die Schadstoffe wie Methan und Schwefelwasserstoff enthalten. Druckwasser-Bohrwerkzeuge können das Grundwasser verschmutzen. 
Doch mit Hilfe neuer Technologien können wir den Herausforderungen begegnen. Emissions-Kontrollsysteme können Schadstoffe filtern und elektromagnetische Überwachung hilft, seismische Risiken zu erkennen. Außerdem entdecken wir völlig neue Quellen geothermaler Energie, beispielsweise Magmataschen in Ozeanvulkanen. Wenn wir die Energie des Planeten sicher und verantwortungsvoll erschließen können, können wir vielleicht auch die Menschheit erhalten. 
