Der gefräßige Schwarm breitet sich aus, so weit das Auge blicken kann. Er hat keinen Kommandanten und keine Strategie; sein einziger Plan ist es, zu fressen,  sich fortzupflanzen und weiterzuziehen - ein unnachgiebiger Vormarsch, der Felder und Bauernhöfe in Ödland verwandelt. Das sind Wüstenheuschrecken,  berüchtigt unter den Heuschrecken für ihre riesigen Schwärme und ihr Zerstörungspotenzial. Aber diese Insekten sind  nicht immer so unersättlich. Eigentlich sind sie  zumeist nicht gefährlicher als gewöhnliche Gartenheuschrecken. Warum also verwandeln sich  diese harmlosen Insekten in eine Plage, die Ernten verrnichtet? 
Eier von Wüstenheuschrecken  werden in feuchten Wüstenböden gelegt, und zwar in den trockenen Regionen  von Nordafrika und Südasien. In dem für diese Ökosysteme typischen trockenen Wetter leben die Heuschrecken ein einsames Leben. Junge Heuschrecken verbringen  einige einsame Wochen auf Nahrungssuche, bevor ihnen Flügel wachsen,  sie sich fortpflanzen und dann sterben. Aber wenn in einer Region  sehr viel Regen fällt, kann eine überraschende Transformation beginnen. Erhöhte Feuchtigkeit führt zu mehr Vegetation, die von Jungheuschrecken gefressen wird, wodurch sich große Gruppen  in einem kleinen Gebiet nahekommen. Häufiger Kontakt stimuliert  ihre Beinhärchen und löst eine Hormonausschüttung aus, durch die Gruppen noch enger zusammenrücken. Gefräßige Schwärme  produzieren riesige Mengen an Kot, der ein Pheromon enthält,  das ihre Verwandlung weiter antreibt. Nun ernähren sich die Heuschrecken   von Pflanzen mit toxischen Alkaloiden. Bald nehmen sie auffällige Muster an, die Raubtiere vor ihrer neuen Giftigkeit warnen. Kleinere Gruppen vereinen sich zu Schwärmen von Millionen, die in einem kilometerweiten Bereich  nahezu alle Pflanzen niedermähen. Fast jede Woche werfen sie  ihr Exoskelett ab und vergrößern es. Sie erreichen in nur einem Monat  fast das Fünfzigfache ihres Brutgewichts. Endlich ist die Metamorphose vollständig. Die ausgewachsenen Tiere flattern mit ihren durchsichtigen Flügeln und fliegen als ganzer Schwarm davon. In dieser geselligen Phase erscheinen  diese langflügeligen, knallbunten Wesen so anders als ihre einsamen Artgenossen, dass sie lange Zeit  für eine eigene Art gehalten wurden. 
Ein typischer Schwarm umfasst mehr Tiere, als es Menschen auf dem Planeten gibt. Er bedeckt hunderte Quadratkilometer in einer dichten Wolke. So viele Wüstenheuschrecken überwältigen  ihre Fressfeinde mit Leichtigkeit. Ein großer Schwarm vertilgt pro Tag  so viel wie eine Millionenstadt und wenn sie mit dem Wind fliegt, kann die Insekteninvasion  bis zu 150 km am Tag zurücklegen. Dieser lebendige Tornado kann auch  große Wasserflächen überfliegen. 1988 schaffte es ein Schwarm sogar, den Atlantik zu überqueren. Wahrscheinlich formten die Heuschrecken nachts Floße, um sich auszuruhen, bevor sie sich am Morgen an ihren toten Artgenossen stärkten. Beim Überfliegen des Festlandes suchen  sie feuchte Erde für die Eiablage. Die Mütter des Schwarms übertragen ihre gesellige Veranlagung auf ihren Nachwuchs und erhöhen so die Wahrscheinlichkeit,  dass sich ein neuer Schwarm bildet. Obwohl Wüstenheuschrecken nur drei Monate leben, kann eine Plage bis zu einem Jahrzehnt dauern. 
Die Möglichkeit einer jahrelangen Plage  besteht nicht nur bei Wüstenheuschrecken, aber die Region, die sie bevölkern,  macht diese Aussicht besonders tödlich. Ihr Lebensraum umschließt  einige der ärmsten Länder der Welt, in denen Menschen hauptsächlich  ihr eigenes Essen anbauen. Da sie die Felder und Weiden leer fressen, gefährden diese Insekten unmittelbar  zehn Prozent der Weltbevölkerung. 
Zum Glück dauert eine Wüstenheuschreckenplage nicht ewig an. Wenn die Regenzeit endet, wird die Vegetation knapp und das Eierlegen schwieriger. Während bestehende Schwärme absterben, gehen Jungtiere auf Nahrungssuche, was genügend Abstand schafft, um die Transformation einzelner Heuschrecken zu verhindern. Menschliche Interventionen  können auch helfen. Mit Satellitenbildern versuchen Forscher, mögliche Risikoregionen für Heuschreckenbefall zu identifizieren und Regierungen vor Ort zu warnen. Während die meisten Länder mit  chemischen Insektiziden dagegen ankämpfen, hatten einige Regionen Erfolg mit  für Heuschrecken tödlichen Pilzerregern, die jedoch harmlos  für Mensch und Umwelt sind. Leider verschlimmern manche  modernen Praktiken die Bedrohung. Felder mit dichten Monokulturen sind ein gedeckter Tisch für Heuschrecken. Wegen des Klimawandels launisches Wetter  macht Schwärme unberechenbarer. Um zu verhindern, dass aus Einzelgängern katastrophale Schwärme werden, müssen wir unseren CO2-Ausstoß verringern, unsere Landwirtschaft neu denken, und ganz allgemein unseren eigenen unbändigen Appetit hinterfragen. 
