Oft werden Nahrungsmittelallergien und -intoleranzen verwechselt. Den Unterschied zu kennen, ist aber wichtig, da sie unterschiedlich behandelt werden müssen. Was ist also der Unterschied? 
[Körperkram mit Dr. Jen Gunter] 
Bei einer Nahrungsmittelallergie reagiert das Immunsystem auf gewisse Proteine in gewissen Nahrungsmitteln. Bei Schalentieren zum Beispiel ist ein Auslöser allergischer Reaktionen das Protein namens Tropomyosin. Bei Erdnüssen kann es eine Reaktion auf eines von vielen Proteinen sein. Wenn jemand etwas isst, gegen das er allergisch ist, nimmt das Immunsystem das als Problem, als Eindringling wahr. Genauso wie der Körper einen Virus als Gefahr sieht, sieht das Immunsystem bei Allergien das Protein des Lebensmittels als Gefahr. Die allergische Reaktion kann als unverhältnismäßige, unangebrachte Reaktion des Immunsystems auf das Essen gesehen werden. Allergische Reaktionen können mild sein: 
Kribbeln im Mund oder Hautausschlag. Sie können auch schwer sein, zum Beispiel in Form von Atemproblemen. Sie können sogar lebensbedrohlich sein. Bis auf wenige Ausnahmen treten allergische Reaktionen immer schnell auf. Innerhalb von 30 Minuten nach dem Essen oder nach Kontakt mit dem Lebensmittel. 
Bei einer Nahrungsmittelintoleranz dagegen hat der Körper meist Probleme, gewisse Nahrungsmittel zu verdauen. Anders als Allergien haben Intoleranzen  nichts mit dem Immunsystem zu tun. Bei Laktoseintoleranz zum Beispiel hat der Körper zu wenig von dem Enzym, das die Laktose in Milchprodukten abbaut. Unverträglichkeiten gewisser Lebensmittel führen oft zu Verdauungsproblemen wie Blähungen, Durchfall oder allgemeinem Unwohlsein. Intoleranzen können sich auch sehr schnell bemerkbar machen, aber können ebenso gut erst in den nächsten Tagen auftreten. Anders ausgedrückt: Wenn Sie sich wegen etwas unwohl fühlen, das Sie am Vortag gegessen haben, ist es meistens keine Allergie. 
Es gibt noch eine dritte Reaktion, die weder eine Allergie noch eine Intoleranz ist. Zöliakie, zum Beispiel, ist eine Autoimmunerkrankung, die durch glutenhaltige Lebensmittel ausgelöst wird. Zöliakie löst zwar ähnliche Symptome aus wie manche Nahrungsmittelintoleranzen, zum Beispiel Blähungen und Bauchschmerzen. Aber im Gegensatz zu Zöliakie schaden Intoleranzen nicht dem Dünndarm. 
Wie erhält man bei all diesen feinen Unterschieden also am besten eine ordnungsgemäße Diagnose? Nicht mit so einem „Selbsttest für Lebensmittelempfindlichkeiten“. Die Ergebnisse dieser Tests sind nicht wissenschaftlich anerkannt. Sie sind keine verlässlichen Diagnosemittel. Sollten Sie vermuten, eine Allergie oder Intoleranz oder Zöliakie zu haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Dieser kann Ihnen die beste Vorgehensweise empfehlen. 
Und bei Allergien sollten Sie sich an einen Allergologen wenden. Die zwei gebräuchlichsten Diagnosearten sind ein detaillierter Bericht Ihrer Essgewohnheiten und ein oraler Provokationstest, bei dem Sie in einer sicheren und kontrollierten Umgebung bestimmte Nahrungsmittel essen und Ihre Reaktion beobachtet wird. Ein Allergologe kann auch einen Plan für den Fall erstellen, dass Sie etwas ausgesetzt sind, gegen das Sie allergisch sind. Für manche Allergien kann er vielleicht sogar eine Behandlung empfehlen. 
