Opioide gehören zu den am meisten verabreichten Schmerzmitteln. Bei Rippenbrüchen, Rückenschmerzen oder nach Operationen. In Bezug auf Opioide kursieren aber auch viele Mythen. Wir wollen uns deshalb genauer anschauen, was Opioide eigentlich sind. 
[Körperkram mit Dr. Jen Gunter] 
Der erste Mythos lautet, Opioide seien die besten und wirksamsten Schmerzmittel. Dabei zeigen fast alle Studien, die Opioide mit entzündungshemmenden  Mitteln wie Ibuprofen verglichen haben, dass entzündungshemmende Mittel besser wirken. Sie sind effektiver oder sicherer - oder sogar beides. 
Zunächst zur Effektivität: Wie wirken Opioide? Dazu ist es hilfreich zu wissen, wie Schmerzen funktionieren. Durch Schmerzen zeigt uns der Körper, dass etwas nicht stimmt. Wenn Sie sich den Zeh stoßen oder die Hand verbrennen, weist der Schmerz Sie darauf hin, dass Sie dringend Ruhe, Behandlung und Pflege benötigen. 
Schmerzen bestehen aus einer Kette von chemischen Signalen und Rezeptoren. Schmerzmittel setzen an unterschiedlichen Stellen dieser Kette an. Arzneistoffe wie Paracetamol, zum Beispiel in Tylenol, oder nicht steroidale Antiphlogistika, die sogenannten NSAID,  wie Ibuprofen, Aspirin und Naproxen, wirken sich ganz anders  auf den Schmerz aus als Opioide. Opioide binden und aktivieren  Opioidrezeptoren im gesamten Körper und blockieren so die Schmerzsignale. Durch diese Aktivierung wird auch Dopamin ausgeschüttet, das Glückshormon. Neben der Schmerzlinderung erleben manche dann auch  tiefe Entspannung oder gar Euphorie. Hochdosiert können Opioide das Bewusstsein trüben und sogar die Atmung lähmen. 
Viele kennen aber vor allem eine wichtige Tatsache nicht: Die Opioidrezeptoren gewöhnen sich, häufig in sehr kurzer Zeit, an die Opioide. Wird das Opioid nicht eingenommen, bekommt der Patient Entzugserscheinungen. Und ein Entzug ist sehr hart. Manche ziehen dann den Fehlschluss, dass die Opioide diesen Schmerz verhindert hatten. Schon wenige Dosen können jedoch abhängig machen. 
Bei akuten Schmerzen ist es schwierig, den Unterschied zu erkennen. Man will nur schmerzfrei sein. Opioide müssen mit äußerster Vorsicht und Sorgfalt eingenomen werden, sonst können sie abhängig machen. Zudem können sie den Schmerz  manchmal sogar verstärken. Und sie sind potenziell süchtig machend. 
Das verläuft schleichend. Die Betroffenen merken häufig gar nicht, dass sie eine Sucht entwickelt haben. Die Opioide nehmen sie als schmerzlindernde Mittel wahr, ohne zu merken, dass sie  den Schmerz sogar verstärken können. 
Hier sei nun klar gesagt: Opioide können effektive, therapiefördernde Mittel sein, sollten aber mit Vorsicht eingesetzt werden. Dies hat der Arzt zu gewährleisten. 
Folgendes sollten Sie  als Patient wissen: Lassen Sie sich bei akuten Schmerzen statt einem Opioid ein Medikament wie Tylenol verschreiben, ein NSAID, etwas zur Muskelentspannung oder Physiotherapie. Schlägt der Arzt diese Therapien nicht vor, und verschreibt stattdessen ein Opioid, sollte dies nach einem festen Zeitplan  eingenommen werden, um einer Suchtentwicklung vorzubeugen. 
Lassen Sie sich zudem  Naloxon verschreiben. Naloxon kann die Wirkung einer Überdosis aufheben. Jeder kann aus Versehen eine doppelte Dosis einnehmen oder die Opioide gelangen in die falschen Hände. Naloxon kann Leben retten. 
Bei Schmerzen gilt also: Opioide sind nicht immer  die besten und sichersten Schmerzstiller. Aber wenn Opioide eingenommen werden, dann sollte das immer nach einem festen Zeitplan erfolgen. 
