Ich habe eine bittere Pille für Sie: Alle Anwesenden in diesem Raum müssen radikal hinterfragen, wie sie kommunizieren, vor allem, wie sie schreiben, wenn sie in dieser diffusen digitalen Welt wahrgenommen werden wollen. Egal ob Student oder Dozent, Wissenschaftler, Firmenboss, Manager. 
Ich sage Ihnen, was mir die Daten zeigten und Freunde uns verschweigen: Fast niemand hört oder liest den Großteil dessen, was wir schreiben. Den meisten Dingen, die wir mühsam zu Papier bringen, schenkt kaum jemand Aufmerksamkeit. 
Woher weiß ich das? Ich lernte es auf die harte Tour. Ich habe mein ganzes Leben der Massenproduktion von Wörtern gewidmet. Ich bin gelernter Journalist, begann bei der “Oshkosh Northwestern”, wurde Präsidenten-Berichterstatter für die “Washington Post” und das “Wall Street Journal”. Und ich gründete zwei Medienfirmen zur Massenproduktion von Wörtern: Politico und jetzt Axios. Mein momentanes Unternehmen konzentriert sich ausschließlich darauf, Journalisten, Firmenbossen, Dozenten und anderen beizubringen, viel weniger Worte zu machen. 
Wieso? Warum möchte ich, der ich im Leben so viel geschrieben habe, dass andere weniger Worte machen? Weil mich die Daten -- und Sie -- dazu gebracht haben. Überlegen Sie mal, was Sie gerade tun. Einer der interessantesten, einer der unheimlichsten Aspekte von Technik ist, dass Unternehmen so viel von uns wissen: was wir tun, wohin wir gehen, was wir kaufen, und im Fall einer Medienfirma, wie wir Informationen konsumieren. Die Daten darüber, wie wir Informationen konsumieren, sind sensationell. Ehrlich gesagt, sind sie für mich sehr demütigend. Sie brachten mich zum Umdenken: Wenn ich mir diese Daten anschaue, sehe ich im Grunde: Wir lesen fast nichts. Wir lesen quer. Wir lesen vielleicht eine Schlagzeile. Oder eine Zwischenüberschrift. Aber kaum jemand liest eigentlich die Geschichten, die zum Beispiel ich produziere. Der demütigendste Moment für mich, der Augenöffner, das Aha-Erlebnis: Ich war Journalist, war bei Politico und schrieb Kolumnen über Präsident Obama. Wir schrieben die Kolumne, ich checkte die Anzahl der Zugriffe und das Weiße Haus musste darauf reagieren. Ich fühlte mich supercool und klug ..., bis ich die Daten sah. Damals wurden die Seiten online umbrochen. Wir mussten also Seite für Seite anklicken, um weiterzulesen. Ich sah mir die Daten an. Es war eine Kolumne von 1.600 Wörtern, über die ganz Washington sprach, die mich so selbstbewusst machte. Bis ich begriff, dass fast niemand weiter als Seite 1 gelesen hatte. 
(Lachen) 
Es kommt noch schlimmer. Auf einer Seite stehen nur 450 Wörter. Ich hatte mir das Beste bis zum Schluss aufgehoben. Es stellte sich heraus, dass viele reagierten, teilten, über eine Geschichte sprachen, die fast keiner gelesen hatte. Diese Entdeckung brachte mich also zum Umdenken: Liest denn wirklich keiner? Gilt das für alle, nur für mich,  schreibe ich nicht gut genug? 
Ich rief Freunde bei der “New York Times” und bei Facebook an. Ich sprach mit Wissenschaftlern und versuchte, die Lage zu verstehen. Denn damals hatte ich die Wahl. Ich konnte an der Menschheit verzweifeln. oder an meinen Beruf. Oder ich konnte tun, was Jeff Bezos tun würde, wenn er uns Schuhe oder ein Buch verkaufen will: Ich konnte mich nach den Daten richten. Was will ich? Was tue ich? Und die Daten zeigten, dass wir erstens mit mehr Informationen als je zuvor konfrontiert werden und ständig abgelenkt sind -- wegen des Internets. Wir lesen quer. Wir lesen nicht wirklich. Wir teilen Inhalte, ohne uns darum zu kümmern, was sie bedeuten oder worum es in der Geschichte geht. 
Und je mehr ich dem auf den Grund ging, desto klarer wurde es mir. Für Menschen meines Alters oder älter gab es früher kein iPhone. Es gab kein Android. Es gab kein Facebook. Es gab kein Google. Wenn man etwas wissen wollte, brauchte man ein Lexikon. Wörter schlug man im Wörterbuch nach. Wollte man Neuigkeiten, musste man auf die Abendnachrichten oder die Morgenzeitung warten. 2007 kam dann plötzlich eine neue Ära. Jetzt konnten wir uns alle ein Smartphone mit erstaunlichen Fähigkeiten zulegen und hatten Zugang zu mehr Informationen als je zuvor. Alles, was uns einfiel, was wir nicht wussten, konnten wir googeln. Alles, was uns einfiel, egal wie dumm es war, konnten wir teilen. Und nicht nur das. Wir konnten Leute finden, die das gut fanden, die uns folgten, unsere Fans wurden. Plötzlich, meine Güte, haben wir im großen Stil Zugang zu Masseninformationen. Und zwar kostenlos. Alles war kostenlos. Plötzlich war da diese Flut von Informationen, die uns meines Wissens heillos überfordert. 
Ich sprach mit einem Typ der University of Maryland, der seit 10 Jahren Studenten analysiert. Sein Fazit: Sogar wenn man etwas lesen will, weil man es für wichtig hält, schaut man es es sich durchschnittlich 26 Sekunden an. Review.org und andere haben untersucht, wie oft wir pro Tag auf den Bildschirm schauen. Ergebnis: Wir checken das Handy mindestens 250 Mal. Wer das nicht glaubt, soll überlegen, wie oft er es gecheckt hat oder es tun wollte, seit ich anfing zu reden. 
(Lachen) 
Unsere Daten zeigen, dass wir in den sozialen Medien sehr oft Geschichten teilen, aber nicht lesen. Schlagzeilen oder Fotos faszinieren uns zum Beispiel so, dass wir sie teilen wie Lemminge. Und wir tun es alle, weil unsere Gehirne ständig von Informationen überflutet sind. 
Was dachte ich, als ich das herausfand? Ich dachte: Das Gehirn muss neu verkabelt werden. Das hören wir oft. Es gibt kaum wissenschaftliche Beweise, dass das stimmt. Was geschah und was wir als Geschehen wahrnehmen: Unsere Spezies hat sich schon immer leicht ablenken lassen. Wir sehen uns als Multitasking-Talente. Fast niemand ist es. Wir sind gut,  wenn wir uns auf etwas konzentrieren. Die University of California, Irvine, studierte unsere Ablenkbarkeit und stellte fest: Wenn wir von etwas abgelenkt werden, brauchen wir 20 Minuten,  um uns wieder umzuorientieren. Denken Sie mal an Ihren Tag. Es ist voller Ablenkungen und voller Wörter: getweetete Wörter, getextete Wörter, E-Mail-Wörter. Wörter, Wörter, Wörter. Dann tippen wir auf dem Computer nach mehr. Kein Wunder, wenn kaum jemand darauf achtet, was wir sagen oder tun. Kein Wunder, dass es so schwer ist,  jemands Aufmerksamkeit zu erregen. 
Als wir bei Axios darüber nachdachten, sagten wir: Wenn Kunden schneller mehr Informationen wollen und weniger Zeit dafür haben, wir aber Journalisten bleiben wollen, was können wir dann tun? Unsere Lösung hieß Smart Brevity -- die Leute möchten smarte Inhalte, wesentliche Inhalte. Aber sie wollen effiziente und superschnelle Übermittlung. Wir verglichen, wie die Leute Informationen von uns erhielten und wie sie sie anderswo erhielten. Also gründeten wir ein Unternehmen, um Journalisten zu zeigen, wie das geht. Die Journalisten nahmen das sofort an. Plötzlich hatten wir fast über Nacht tolle Leserzahlen: Leute im Weißen Haus, Firmenchefs, Technologiebosse. 
Danach passierten zwei interessante Dinge. Ich bekam nicht 10 oder 20, sondern hunderte Leserzuschriften: “Danke, offenbar versuchen Sie,  mir Zeit zu zu sparen.” Ich hatte nie Dank gewollt. Gerade im Politiksektor hat man Glück, wenn man nicht attackiert wird, und Dank braucht man gar nicht erst zu erwarten. Aber ich dachte: “Oh, wie interessant”. 
Dann, nach fast eineinhalb Jahren, kamen Anrufe von Unternehmen, von der NBA, von Startups, und fast alle sagten das Gleiche: “Hallo, unsere Führungskräfte, unsere Leute  lesen zwar Smart Brevity, aber nicht unsere internen Nachrichten.” Das brachte mich wieder zum Nachdenken: Warum lesen die Leute so wenig darüber, was in ihrer Firma, ihrer Schule oder ihrem Startup passiert? Und es stellte sich heraus, dass dort überall so langatmig berichtet wurde, dass keiner Interesse dafür zeigte. Also dachten wir uns: “Smart Brevity könnte in fast jedem Umfeld funktionieren.” 
Einmal rief die Direktion der CIA an. Sie riefen an und sagten: “Könnt ihr kommen und mit unserem Team besprechen, wie Spione viel knapper erklären können, was sie vor Ort sehen? Etwa, was sind die Gefahren? Sie drücken sich schlecht aus. Die Nachrichten sind umständlich.” 
Mein Partner ging hin, sprach mit der CIA, erklärte die Tricks und Tipps, die ich Ihnen gleich gebe. Im Publikum ist ein Typ, der den “President’s Daily Brief” schreibt. Das war unter Donald Trump. Er schrieb den PDB, ging hinein und wurde gebrieft. Er war so fasziniert von der Idee, wirksamer zu kommunizieren, dass er kündigte und jetzt für uns arbeitet: Er zeigt anderen,  wie man wirksamer kommuniziert. 
(Gelächter) 
Ich gebe Trump keine Schuld. Er kam wegen uns, wegen Axios. Etwa zur selben Zeit schrieb Jamie Dimon, einer der berühmtesten CEOs unserer Generation, seinen Jahresbericht. Er hatte 32.000 Wörter und enthielt seine Beobachtungen über das Bankwesen und die Welt. 32.000 Wörter sind ein Buch. Das tun sich wohl nicht einmal seine Familienmitglieder an. Seine Mitarbeiter riefen uns an: “Ihr schafft es offenbar, Leute für Informationen zu interessieren. Könnt ihr daraus eine Smart-Brevity-Version machen?” 
Also nahmen wir die Hauptpunkte, 
machten aus 32.000 Wörtern ein paar hundert und voilà, da war viel mehr Rückmeldung, viel mehr Zugkraft -- die Leute erkannten, was wichtig war, merkten sich, was wichtig war. 
Ich möchte Ihnen jetzt ein paar Basistipps geben. Denn Sie wissen vermutlich:  Sie sind überfordert, abgelenkt. Sie sehen es. Wenn Sie eine Nachricht senden, was können Sie ab heute anders machen, um viel wirksamer zu kommunizieren? 
Punkt 1: Weg mit dem Egoismus. Weg mit dem Egoismus. Was meine ich damit? Wir schreiben oft weitschweifig. Wir schreiben darüber, was uns interessiert, und wir schreiben so viel, wie es uns passt. Wir denken nicht zielgerichtet, das heißt, wir denken nicht an die Informationen, die die Person braucht, der wir schreiben oder mit der wir sprechen. Wofür interessiert sie sich? Denken Sie beim Kommunizieren um. Unser Firmenprogramm beginnt mit den Worten: “Das Publikum zuerst.” Wie dient man den Menschen, die man erreichen möchte? 
Der Heilige Vater selbst hat dieses Konzept indirekt gesegnet. Papst Franziskus hielt kürzlich eine Rede vor Priestern in der Slowakei, in der er über die Predigten sprach, die sie hielten. Er sagte: “Halten Sie keine Predigten von 30 und 40 Minuten, predigen Sie nur 10 Minuten. Denn keiner hört zu. Sie verlieren die Menschen. Keiner passt so lang auf.” Er bemerkte augenzwinkernd, der lauteste Applaus komme von den Nonnen, denn sie litten besonders unter dieser Weitschweifigkeit. 
(Gelächter) 
Punkt 2: Weck meine Neugier. Wenn Sie kommunizieren -- egal ob es eine E-Mail ist, ein Tweet, eine Notiz, ein Memo für einen Freund: Weck meine Neugier. Was ist der wichtigste Grund, warum Sie schreiben? An welchen Punkt -- wenn Sie nur die erwähnten 26 Sekunden hätten --, an welchen Punkt soll ich mich erinnern? 
Das bringt mich gleich zu Tipp 3: Fassen Sie sich kurz. Fassen Sie sich kurz. Schreiben Sie nur einen Satz, ein Satz ist besser als zwei Sätze. Ein Absatz ist besser als zwei Absätze. Benutzen Sie einfache, starke Worte. Es gibt einen Grund, warum wir als Kinder einfache Satzstrukturen lernen. Das funktioniert noch heute sehr gut. Es funktioniert sehr gut. Fassen Sie sich kurz. Wenn Sie über eine Banane schreiben, sagen Sie nicht “längliche, gelbe Frucht”. Sagen Sie “Banane”. Wenn Sie über einen Lügner reden, sagen Sie nicht “Wahrheitsverdreher”, sondern “Lügner”. Fassen Sie sich kurz. 
Das führt mich direkt zu Punkt 4: Seien Sie menschlich. Schreiben Sie wie ein Mensch. Ich sehe das im Journalismus ständig. Ich verstehe nicht, was mit uns Menschen los ist: Sobald wir einen Stift in die Hand nehmen oder eine Tastatur vor uns haben, werden wir plötzlich förmlich. Wir halten uns für einen Harvard-Professor oder Walt Whitman und wollen zeigen, wie toll wir schreiben können. Wenn ich mit Ihnen in einer Kneipe rede, benutze ich keine Fremdwörter und spreche nicht in Akronymen. Ich mache keine langen Sätze. Ich rede wie jetzt mit Ihnen. Ich rede wie ein Mensch. Also hören Sie auf, Fremdwörter zu benutzen. Sie denken, man hält Sie dann für schlau? Nein! Man würde Ihnen am liebsten eine verpassen. 
(Gelächter) 
Das bringt uns zu Punkt 5: Kommen Sie zum Ende. Kommen Sie zum Ende. Das beste Geschenk  für sich selbst und andere in dieser überfrachteten Welt ist Zeit für andere und Zeit für sich. Machen Sie so wenige Worte, so wenige Sätze wie möglich, sodass der andere Ihre Nachricht erhält und Sie beide die Zeit zurückbekommen, die Sie verdienen. 
Das habe ich am eigenen Leib erfahren. Wenn Sie über die Wirksamkeit von Kommunikation nachdenken, wenn Sie einige meiner Hinweise umsetzen, werden Sie feststellen, dass Sie klarer denken klarer sprechen, klarer schreiben. Letztendlich werden Sie den Nutzen für sich selbst erkennen, weil man Sie wieder wahrnimmt. 
Danke. 
(Applaus) 
