Im März 2020 erschütterte COVID-19 Volkswirtschaften auf der ganzen Welt. Millionen Menschen verloren ihre Arbeit, viele Unternehmen kämpften ums Überleben oder mussten schließen. Die Regierungen reagierten mit den umfangreichsten Wirtschaftshilfen der Geschichte –- allein die USA gaben in der ersten Phase 2,2 Billionen Dollar aus. Woher kam all dieses Geld? 
Die meisten Länder haben eine Zentralbank, die die Geldmenge reguliert. Sie ist von der Regierung unabhängig, um politische Einmischung zu verhindern. Die Regierung kann viele wirtschaftliche Maßnahmen ergreifen, etwa die Steuern senken und Arbeitsplätze durch Infrastrukturprojekte schaffen. Aber sie kann nicht einfach die Geldmenge aufstocken. Die Zentralbank legt fest, wie viel Geld gleichzeitig im Umlauf ist. 
Wieso können also Zentralbanken nicht unbegrenzt Geld drucken lassen, um der Wirtschaft in einer Krise zu helfen? 
Sie könnten, aber das wäre eine kurzfristige Lösung, die das Wirtschaftswachstum nicht zwingend langfristig fördert und der Wirtschaft sogar schaden kann. Wieso? Wenn mehr Geld im Umlauf ist, könnten Hersteller von Gütern wie Lebensmittel, Kleidung und Autos einfach durch höhere Preise auf die Nachfrage reagieren, anstatt mehr dieser Waren herzustellen und damit neue Arbeitsplätze zu schaffen. In diesem Fall könnte man mit derselben Geldmenge nicht mehr so viel kaufen. Diese Situation nennt man Inflation. Eine leichte Inflation von ungefähr 2 Prozent pro Jahr ist Zeichen einer gesunden Wirtschaft –- mehr bringt sie schnell aus dem Takt. 
Zuletzt verfolgten die Zentralbanken den Ansatz der quantitativen Lockerung, um die Geldmenge in der Wirtschaft zu erhöhen und das Risiko einer hohen Inflation gering zu halten. Dabei erwirbt die Zentralbank Anleihen anderer Wirtschaftseinheiten und erhöht damit den Geldfluss. 
Jeder kann Anleihen von Unternehmen oder Staaten kaufen. Kauft man eine Anleihe, leiht man einem Unternehmen oder einer Regierung Geld -- mit dem Versprechen, es später mit Zinsen zurückzuzahlen. Deshalb spricht man in diesem Fall manchmal davon, Schulden zu kaufen. 
Kauft eine Privatperson eine Anleihe, nutzt sie Geld, das schon im Umlauf ist. Kauft aber die Zentralbank eine Anleihe, schafft sie im Grunde Guthaben, indem sie bisher nicht existierendes Geld bereitstellt und in Anleihen umtauscht. 
Sowohl während der Finanzkrise von 2008-2009 als auch 2020 kaufte die Zentralbank der USA, die Federal Reserve, Anleihen von der US-Regierung, sogenannte Schatzobligationen. In der Vergangenheit kauften viele diese Anleihen als sichere Investition, wissend, dass die Regierung die Schulden mit Zinsen zurückzahlt. Anfang 2020 versprach die Fed, unbegrenzt Schatzobliagtionen zu kaufen und damit der US-Regierung eine beispiellose Menge Geld zu leihen. Damit finanzierte die Regierung Entlastungspakete wie Direktzahlungen und Arbeitslosenhilfe. Das ist nicht dasselbe, wie einfach Geld zu drucken, auch wenn es ähnlich klingt. Aufgrund der Preisgestaltung von Anleihen senkte die Fed durch den Kauf dieser Menge im Grunde deren Rendite und regte so andere Anleger an, risikoreicheren Einheiten Geld zu leihen, etwa kleinen und mittleren Firmen, um eine ordentliche Rendite zu erzielen. Die Kreditvergabe auf diese Weise zu fördern, sollte Unternehmen aller Größen helfen, Geld für Projekte und Personal zu leihen. Langfristig kurbelt das die Wirtschaft an und hilft zusätzlich der Regierung, Menschen kurzfristig mit dringend nötigen Geld zu versorgen. 
Das Versprechen der Fed, unbegrenzt Staatsschulden zu erwerben, sorgte für Fragen -- und hochgezogene Augenbrauen. Theoretisch könnten die USA also mehr Anleihen ausgeben, die die Zentralbank kaufen würde. Dann könnte die Regierung den Erlös für die Rückzahlung alter Anleihen nutzen. Das hieße also, der Staat würde seine Schulden bei der Fed nie begleichen. 
Wegen theoretisch möglicher Szenarien wie diesem äußerten Ökonomen Bedenken,  der Kauf von Staatschulden durch die Fed sei der Umsturz eines Systems zum Schutz der Wirtschaft. Andere beteuern,  die Maßnahmen seien notwendig und stabilisierten die Wirtschaft. Obwohl sich die quantitative Lockerung mehr und mehr einbürgert, ist das Konzept noch recht neu und die Folgen sind noch nicht abzusehen. 
