In der trüben Kulisse Londons, die von einem unaufhörlich niederprasselnden Regen fast erdrückt wurde, befand sich die berüchtigte Seemannstaverne "Zum grünen Papagei" in einem der dunkleren Winkel von Limehouse. Es war ein namentlich kaum beachtetes lokal, das doch in den geheimen Gassen des Verbrechens eine bedeutende Rolle spielte. Der grüne Papagei, der hinter der Theke thronte – eine prächtige, doch seltsam bedrohlich wirkende Statue –, bot einem ganz bestimmten Besucher jedes Mal ein unbehagliches Gefühl. Inspector George Hastings vom Scotland Yard trat an diesem düsteren Abend in den schummrigen Raum. Die Geräusche des Ortes – das gedämpfte Gemurmel der Gäste, das gelegentliche Klingeln von Münzen auf Holz und das plötzliche, schallende Lachen – fanden einen Drang in seine Gehörgänge, als wären sie Nachrichten einer längst im Verborgenen gefangenen Welt. Hastings schob sich mit dem gewohnten, unaufdringlichen Selbst bewussten Tritt durch die wenigen Schatten der Anwesenden und fixierte sein Interesse auf Seamus O'Reilly, den Barbesitzer. Ein irischer Einwanderer, dessen Vergangenheit in einem anrüchigen Schleier gehüllt war – O'Reilly war it bohnenlangjähriger Beobachtung und noch längerer Misstrauen. Seine großflächigen, rauen Hände waren ein Zeugnis der Arbeit, doch sein scharfes, neugieriges Auge verriet einen Geist, der nie zur Ruhe zu kommen schien. "Was kann ich für einen Hüter des Gesetzes tun?", brummte O'Reilly und stützte sich auf die polierte Theke. Der Lichtschimmer der sparsamen Beleuchtung zeigte das eine unregelmäßige Sammlung von Narben, die sein Gesicht durchzogen – Zeichen der zahlreichen Wirtshausschlägereien, in die er früher verwickelt gewesen war. "Nicht heute." Hastings verstärkte seinen Unterton freundlicher Höflichkeit. "Nicht als einen obligatorischen Mittwochabendbesuch, zweimal im Monat." "Twice im Mond, ja." Ein lodernder Funken erwachte in O'Reillys Augen, dann erlosch er so schnell wieder, wie er gekommen war. "Wegen der Papageistatue, richtig?" Diese Frage stellen hatte O’Reilly nichts wissend entblättern sollen, doch es war der Auftakt, den Hastings benötigt hatte. Bevor es jedoch zu einer tiefer gehenden Konversation kommen konnte, näherte sich eine weitere Gestalt seinem Platz an der Theke – ein dürrer Mann in einem makellosen Anzug, dessen präzise gefaltetes Einstecktuch sich auffällig von der erdrückenden Neutralität seines dunklen Kostüms abhob. Das rotsilkene Stück Stoff vermittelte ihm die Aura eines unruhigen Ozeans, begraben unter einer kalten See. "Mr. Parker", verkündete O'Reilly mit insgespieltem Respekt, der dem Neuankömmling zur Schau Stellung eines Mannes gerecht wurde, der es gewöhnt war zu erwarten, dass die Welt vor ihm in Sicherheit geht. "Oder sollte ich Sie 'Sir Thomas' nennen?" Thomas Parker réponse in einem amüsierten Ton. "Gerade hier, in diesem Raum, reicht 'Mr. Parker' aus." Je länger er sprach, desto deutlicher wurde für Hastings klar, dass Parker nicht das kompakte Rätsel war, das er vorgab zu sein. Man sagte sich, er stamme aus einer Familie der gehobeneren Londoner Gesellschaft, deren Ansichten über die dunkleren Ecken der Stadt wohl nur auf dem Papier existierten. Mit einem unverbindlichen Nicken verabschiedete sich Parker schnell und ließ die Bar hinter sich, wie jemand, der nichts weiteres erwartete. Ein signifikantes Bedürfnis, das oft eine Stillsegnung war, rührte sich bei Hastings in Auffassung zum Aufmerksamkeitsregel von O’Reillys Barbesucher heraus. Er witterte den Beginn von etwas Komplexem – einem Weben, gleich einer Spinnenqualität, das bislang nur die Umrisse einer Falle